Rohöl - Bleiben Benzinpreise nur vorübergehend hoch?

Die Benzinpreise sind in der Schweiz so hoch wie seit dreieinhalb Jahren nicht. Wichtige Gründe dafür sind der starke Dollar und die Sanktionen gegen den Iran. Aber Preissenkungen sind womöglich nur eine Frage der Zeit.
16.05.2018 14:04
Von Pascal Züger
Egal ob Diesel oder Benzin: Tanken ist teurer geworden.
Egal ob Diesel oder Benzin: Tanken ist teurer geworden.
Bild: Pixabay

Der Ölpreis geht rasant nach oben: Allein in diesem Jahr hat sich die Marke Brent um 17 Prozent verteuert, auf Jahressicht beträgt die Zunahme gar 50 Prozent. Aktuell kostet ein Barrel Brent-Öl 78 Dollar. Das ist so hoch wie seit November 2014 nicht mehr.

Diese Entwicklung macht sich - wenig überraschend - auch im Portemonnaie der Autofahrer bemerkbar: Benzin- und Dieselpreise sind so hoch wie seit Dezember 2014 nicht mehr. Wie Daten des Bundesamtes für Statistik zeigen, kostete ein Liter Bleifrei 95 im April durchschnittlich 1,58 Franken. Der Dieselpreis lag bei 1,67 Franken.

Entwicklung Benzinpreis (Bleifrei 95) in 12 Monaten, Quelle: Erdoel.ch, Bundesamt für Statistik

Seit Mai 2017 ist Benzin somit um rund 6 Prozent teurer geworden. Beim Füllen eines 50-Liter-Tanks ist das immerhin ein Unterschied von 5,50 Franken. Wer häufig Auto fährt, spürt den Unterschied. Im Februar 2016, als der Rohölpreis seinen Tiefpunkt erreichte, war die 50-Liter-Tankfüllung sogar 13 Franken günstiger als heute.

"Der höhere Benzinpreis ist auf angestiegene Beschaffungskosten auf den internationalen Märkten zurückzuführen", sagt David Suchet von der Erdöl-Vereinigung zu cash. Einerseits sei der Dollarkurs angestiegen, andererseits reagiere der Ölpreis auf Produktionskürzungen und geopolitische Unsicherheiten in Iran und Venezuela.

Der Dollar hat sich zum Franken seit Jahresbeginn um 2,6 Prozent aufgewertet. Da Öl international in Dollar gehandelt wird, können Importeure so mit der gleichen Geldsumme weniger Rohöl beziehen. Die weitere Benzinpreisentwicklung hängt daher auch von der Dollarentwicklung ab.

Was machen die US-Schieferölproduzenten?

Aber nicht nur. Wichtig ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage auf dem globalen Rohölmarkt. Gemäss der Internationalen Energieagentur (IEA) soll die Nachfrage 2018 weiter anwachsen, was auf die positive Wirtschaftslage zurückzuführen ist. Das hält den Ölpreis grundsätzlich hoch.

Entscheidendes könnte sich aber demnächst auf der Angebotsseite abspielen: "Höhere Ölpreise kommen den US-Schieferölproduzenten entgegen, die Produktionsmengen werden dort wöchentlich erhöht", so Suchet. "Das könnte zu einer Preiskorrektur führen." 

Tatsächlich registriert die IEA ein Erwachen der US-Produzenten. Im April 2018 zählte man 844 Anlagen, das sind so viele wie seit März 2015 nicht mehr. US-Schieferölanlagen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Produktion sehr schnell einstellen bzw. aufnehmen können. Beim aktuell hohen Ölpreis von 78 Dollar ist die Schieferöl-Produktion sehr attraktiv, da gemäss Expertenmeinungen die Herstellungskosten irgendwo zwischen 50 bis 70 Dollar liegen sollen.

Die meisten Analysten rechnen gerade wegen den flexiblen US-Produzenten wieder mit einem tieferen Ölpreis. So sieht Rohstoffexperte Duncan Goodwin von Baring Asset Management den Rohölpreis langfristig bei 65 Dollar (cash berichtete). Julius Bär prognostiziert denselben Preis. Für Autofahrer würde dies eine Entlastung zum aktuellen Benzinpreis bedeuten. Discountpreise wie Anfang 2016, als Öl unter 30 Dollar fiel und Benzin nur noch 1,32 Franken pro Liter kostete, zeichnen sich hingegen nicht ab.