Rohstoff - Heisser Weizenmarkt: Glühende Hitze trimmt globale Ernten

Weizen hat sich stark verteuert. Extreme Hitze und unerbittliche Dürre in grossen Anbaubetrieben von Frankreich bis Russland beschneiden die Ernten und sorgen für das erste Produktionsdefizit in sechs Saisons.
12.08.2018 08:34
Ein Weizenfeld in der Nähe von Fulbourn, Grossbritannien.
Ein Weizenfeld in der Nähe von Fulbourn, Grossbritannien.
Bild: Bloomberg

Australien und USA haben ebenfalls unter Trockenheit gelitten und die Bedingungen in Kanada sind unterschiedlich. Das besorgniserregende Wetter hat dazu beigetragen, die Preise in Chicago auf ein Dreijahreshoch zu treiben, und die Pariser Terminkontrakte sind so teuer wie seit 2013 nicht mehr. Das ist eine ziemliche Umkehrung gegenüber den letzten Saisons, als Rekordernten eine längere Talfahrt der Futures auslösten. Hedgefonds wetten, dass die Erholung weitergehen wird und haben ihre Wetten auf steigende Preise so stark erhöht wie seit Oktober 2012 nicht mehr.

"Die dramatische Veränderung der Fundamentaldaten bei Weizen gerade in den letzten Monaten ist wirklich atemberaubend", sagt Louise Gartner, Eigentümerin von Spectrum Commodities in New Richmond, Ohio. "Europa wird keine grosse Rolle spielen. Das öffnet die Tür für US-Exporte. Und ich denke, das unterstützt den Markt bis weit in den Frühling. "

Die gestiegenen Sorgen im Hinblick auf das Angebot haben die Händler äusserst empfindlich gegenüber Anzeichen einer weiteren Verknappung gemacht. Am Donnerstag kletterten die Preise in Chicago um ungefähr sechs Prozent, nachdem die Ukraine erklärt hatte, sie plane die Lieferungen von Mahlweizen zu begrenzen. Das Ministerium versuchte später, seine Position zu klären und sagte, man habe nicht über "strikte Begrenzungen" diskutiert. Danach gaben die Preise fast alle Gewinne wieder auf, übrig blieb ein Plus von lediglich 0,7 Prozent. Die Pulverfass-Qualität des Marktes hat die 60-tägige historische Volatilität für die meisten aktiven Weizen-Futures auf die höchste seit sechs Jahren getrieben.

Hedgefonds positionieren sich für mehr Gewinne 

Laut den am Freitag veröffentlichten Daten der US-Commodity Futures Trading Commission (CFTC) besassen die Investoren per 31. Juli Netto-Long-Positionen in Höhe von 52.932 Futures und Optionen. Die Zahl, die den Unterschied zwischen Wetten auf einen Preisrückgang und Wetten auf steigende Preise misst, hat sich gegenüber der Vorwoche mehr als verdoppelt. Short-Only-Wetten auf sinkende Preise fielen dagegen die fünfte Woche in Folge auf den niedrigsten Stand seit Juli 2015.

Die weltweite Weizenproduktion dürfte dem US-Landwirtschaftsministerium zufolge aufgrund geringerer Ernten in Teilen Europas, einschliesslich der Schwarzmeerregion, und dem ersten Rückgang der russischen Produktion in sechs Jahren auf ein Dreijahrestief fallen. Ein drohender El Nino kann die Produktionsprobleme noch schüren, und insbesondere Australien achtet auf das Wettermuster, das üblicherweise trockeneres Wetter für den Osten des Kontinents bringt.

Die Wetterängste "begannen mit Sorgen in einem Bereich und plötzlich sah es danach aus, dass Europa Sorgen hat", sagt Joe Lardy, Research Manager für CHS Hedging in Inver Grove Heights, Minnesota. "Die Sorgen haben mehr und mehr zugenommen."

Nervöser Markt

Die Aussichten des US-Landwirtschaftsministeriums für die Produktion könnten immer noch zu optimistisch und "weit entfernt" von der Realität in Europa sein, sagt Stefan Vogel, Leiter der Agrarrohstoff-Analyse der Rabobank in London.

Die Exporte aus der Schwarzmeerregion einschliesslich Kasachstan, Russland und der Ukraine, dürften im kommenden Jahr fallen, sagt Vogel. "Der Markt ist sehr nervös, über die ganze Region hinweg."

Trotz aller Produktionsprobleme in anderen Ländern hatten die Weizenexporte der USA einen schwachen Start in die Saison. Die Lieferungen in den 12 Monaten, die am 1. Juni begannen, sind um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, und die Verkaufsverpflichtungen haben sich um 28 Prozent verringert.

Amerikanische Lieferungen könnten jedoch später im Jahr ansteigen, sagt Vogel. "Die Welt wird kommen und nach Weizen Ausschau halten, und von dort muss das Angebot herkommen."

(Bloomberg)