Rohstoffe - Minenfirmen schicken Kupfersucher in mongolische Wüste

Die Mongolei gerät zunehmend in den Fokus der Rohstoffirmen. Fehlende Rechtssicherheit, eine kaum ausgebaute Infrastruktur und extreme Witterungsbedingungen wirken aber abschreckend.
18.03.2018 00:14
Ulan Bator, Hauptstadt der Mongolei.
Ulan Bator, Hauptstadt der Mongolei.
Bild: pixabay.com

Bagger und Radlader stören schon bald die Ruhe der Pferde- und Schafherden in den Hochebenen der Mongolei. Weil die Kupfer -Vorkommen anderswo zunehmend erschöpft sind, schicken immer mehr ausländische Bergbaufirmen ihre Geologen in das zentralasiatische Land, um dort nach bislang unentdeckten Lagerstätten zu fahnden.

Große Hoffnungen setzen sie dabei auf die Wüste Gobi. Dort ist als bislang einziger internationaler Konzern Rio Tinto bei der zwölf Milliarden Dollar schweren Erschließung des Oyu Tolgoi-Vorkommens aktiv. Die Lagerstätte hat ihren Namen - "Türkisfarbener Hügel" - von den Flecken oxidierten Kupfers auf den Steinen. "Oyu Tolgoi wurde 2001 entdeckt", sagt Jamie Wilkinson, Chef-Forscher für Mineral-Vorkommen beim Londoner Natural History Museum. "Seitdem gab es einige kleinere Funde, aber nichts in dieser Größenordnung. Da ist großes Potenzial für künftige Entdeckungen."

Der Bedarf an Kupfer, das unter anderem für Stromkabel benötigt wird, nimmt unter anderem Dank der zunehmenden Verbreitung von Elektroautos kontinuierlich zu. Gleichzeitig sind die Lagerstätten in Chile, dem bislang weltgrößten Exporteur, größtenteils ausgebeutet. Außerdem steigen dort die Lohnkosten. Vor diesem Hintergrund interessiert sich auch der staatliche chilenische Kupfer-Förderer Codelco für die Mongolei, den nördlichen Nachbarn des weltgrößten Kupfer-Abnehmers China.

In den vergangenen beiden Jahren stieg der Kupferpreis um etwa 50 Prozent auf aktuell rund 7000 Dollar je Tonne. Die Bestände in den Lagerhäusern der weltweit führenden Metallbörse LME sind dagegen mit etwa 300'000 Tonnen nur noch etwa halb so groß sie 2013.

Vorreiter bei der Kupfersuche im Geburtsland von Dschingis Khan sind kleinere Firmen wie Xanadu aus Australien oder Kincora aus Kanada. Letztere hat sich die Grabungslizenz für 1400 Quadratkilometer Land gesichert. Kincora habe im vergangenen Jahr 4,5 Millionen Dollar bei Investoren eingesammelt und wolle seine Grabungen Ende März oder Anfang April intensivieren, sagte Firmenchef Sam Spring. Sein Kollege Andrew Stewart von Xanadu hofft darauf, in den kommenden Monaten ausreichend Informationen zu sammeln, um über den Aufbau einer Mine zu entscheiden.

2016 am Rand der Pleite

Der Chef des weltgrößten Bergbaukonzerns BHP Billiton, Andrew Mackenzie, äußert sich dagegen zurückhaltend. Er moniert unter anderem die fehlende Rechtssicherheit in der jungen Demokratie. Eine kaum ausgebaute Infrastruktur und extreme Witterungsbedingungen schrecken viele Firmen bislang ebenfalls ab.

Mit einer Fläche von fast 1,6 Millionen Quadratkilometern ist die rohstoffreiche Mongolei etwa fünf Mal so groß wie Deutschland. Das asiatische Land hat aber nur etwa drei Millionen Einwohner. Knapp die Hälfte von ihnen lebt in der Hauptstadt Ulan Bator. In dem zentralasiatischen Land herrschen Temperaturen von minus 40 bis plus 40 Grad. Die Steppen werden zudem häufig von Stürmen heimgesucht, die mehrere Tage andauern können.

Daher beschränkt sich der Bergbau, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes, auf die Monate März bis November. In Chile wird dagegen ganzjährig Kupfer gefördert. Die Wirtschaftsleistung in der Mongolei liegt bei umgerechnet knapp neun Milliarden Euro und damit auf dem Niveau Armeniens und Madagascars. Knapp ein Drittel der Bevölkerung lebt in Armut.

2016 stand das Land wegen fallender Rohstoffpreise und hoher Haushaltsdefizite am Rand der Pleite. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sprang mit einem 5,5 Milliarden schweren Hilfskredit bei. Dennoch biete die Mongolei Investoren großes Potenzial, betont Iain Watt, Großbritannien-Chef der Bergbaufirma IGI. Daher suche auch sein Unternehmen nach Vorkommen in diesem und anderen zentralasiatischen Ländern. "Die Mongolei ist im Kommen. Sie ist aber nichts für Verzagte." 

(Reuters)