RSA-Deal würde Zurich einiges bringen

Die Zurich Insurance Group streckt die Fühler weiter in Richtung Grossbritannien aus. Die Übernahme der RSA-Finanzgruppe könnte etwas von einem enttäuschenden ersten Halbjahr ablenken.
06.08.2015 09:13
Das Übernahmeziel RSA hat im ersten Halbjahr deutlich besser gewirtschaftet als die Zurich.
Das Übernahmeziel RSA hat im ersten Halbjahr deutlich besser gewirtschaftet als die Zurich.
Bild: Bloomberg

Die Zurich Insurance Group hat im ersten Halbjahr einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Besonders über Erwarten hohe Schadenskosten drückten auf das Ergebnis der Nichtleben-Versicherung, wogegen die Zurich im Lebengeschäft zulegen konnte. In einer Übernahme des britischen Versicherers RSA sieht CEO Martin Senn derweil für die Aktionäre "erhebliche Vorteile".

Der operative BOP (Business Operating Profit) sank im Halbjahr um 15% auf 2,24 Mrd USD und der Reingewinn um 3% auf 2,06 Mrd. Das Geschäftsvolumen verminderte sich derweil um 4% auf 36,0 Mrd, wie die Zurich am Donnerstag mitteilte. Dabei ging das Volumen im Nichtleben-Geschäft (General Insurance) um 7% (+3% in LW) zurück, während bei Global Life die Einnahmen um 4% (+22%) wuchsen. Die Eigenkapitalrendite auf dem Betriebsgewinn nach Steuern belief sich auf 11,6% und lag damit unterhalb der Zielbandbreite von 12-14%. Mit dem Ergebnis hat die Zurich die Vorgaben der Analysten, aber auch die firmeneigenen Erwartungen verfehlt.

Während sich der positive Trend bei Global Life sowie Farmers fortgesetzt habe, hätten sich erhebliche Grossschäden - insbesondere in Grossbritannien und im US-Geschäft von Global Corporate - sowie ein höherer Kostensatz negativ auf die Profitabilität bei General Insurance ausgewirkt, sagte CEO Senn an einer Telefonkonferenz.

Gewinneinbruch bei Nicht-Leben

In der Schadenversicherung (General Insurance) war der BOP-Rückgang mit 31% (-27% in LW) auf 1,17 Mrd USD besonders ausgeprägt, wobei sich der Schaden-Kostensatz (Combined Ratio) auf 98,3% nach 95,7% verschlechterte. Für das zweite Quartal allein weist die Zurich eine Combined Ratio von gar 100,0% (Q2 2014: 95,6%) aus. Allerdings hätten im Vorjahr auch einmalige Effekte die Kostenbasis positiv beeinflusst, heisst es.

Die Kosten für grosse Naturkatastrophen belasteten die Combined Ratio im zweiten Quartal mit 3,4 (VQ 2,3) Prozentpunkten über Erwarten deutlich, während die Ratio durch Reserveauflösungen für Geschäft aus früheren Jahren um lediglich 1,3 Punkten entlastet wurde. Aber auch die Loss Ratio, die sich auf die restlichen Schäden bezieht, verschlechterte sich um hohe 2,6 Punkte.

Bereits seien eine Reihe von Massnahmen zur Verbesserungen der Rentabilität in Teilen des Bereichs General Insurance ergriffen worden, so Senn. Wie am Investorentag im Mai dargelegt, will die Zurich über die ganze Gruppe hinweg bis 2016 Einsparungen von rund 300 Mio USD erzielen. Die Bemühungen dürften sich ab Anfang nächsten Jahres positiv auswirken.

Leben und Farmers auf Kurs

Im kleineren Lebengeschäft (Global Life) legte der BOP um 6% auf 673 Mio USD zu. In Lokalwährungen wäre der Anstieg mit 21% noch deutlicher ausgefallen, wobei das Wachstum im Bankvertrieb einträglich war. Allerdings hätten sich auch Einmaleffekte positiv ausgewirkt, heisst es in der Mitteilung.

Bei Farmers fiel der BOP um 5% auf 719 Mio USD. Dabei stand ein verbessertes Ergebnis bei Farmers Re den rückläufigen Erträgen und etwas höheren Kosten der Farmers Managements Services gegenüber. Allerdings entwickle sich der US-Partner Farmers Exchanges, für den die Zurich Dienstleistungen erbringt, gut, meinte Senn.

Hohe Mittelzuflüsse

Das Eigenkapital der Gruppe nahm derweil auf 31,88 Mrd von 34,74 Mrd per Ende 2014 ab, und auf den durchschnittlichen Kapitalanlagen wurde eine Rendite von (nicht annualisiert) 2,0% (H1 2014: 2,1%) erzielt.

Betreffend Finanzziele sieht Senn die Zurich weiterhin auf Kurs. So befand sich die Quote des Zurich Economic Capital Model zum Q1-Ende mit 120% am oberen Ende des Zielbereichs. "Zweitens erwarten wir, dass die Mittelzuflüsse für das Gesamtjahr bei über 3,5 Mrd USD liegen werden", wird er in der Mitteilung zitiert. Für den Zeitraum 2014-2016 dürfte der Betrag somit über 10 Mrd betragen (bisheriges Ziel: 9 Mrd).

RSA passt zur Zurich

Zu der möglichen Übernahme des britischen Versicherers RSA, welche die Zurich derzeit prüft, gab CEO Martin Senn wenig preis: "Wir sind überzeugt, dass eine Transaktion für uns und unsere Investoren erhebliche Vorteile mit sich bringen könnte, da sich das Geschäft von RSA und unser eigenes strategisch ideal ergänzen und ein Zusammenschluss auch aus finanzieller Sicht attraktiv wäre."

Nun gehe es darum, den Evaluationsprozess fortzusetzen. Gemäss britischem Recht hat die Gruppe bis zum 25. August Zeit, um entweder den RSA-Aktionären ein Angebot zu unterbreiten oder sich aus dem Bieterverfahren zurückzuziehen.

Auch RSA hat heute die Zahlen zum ersten Halbjahr vorgelegt. Die sich im Umbau befindende Gruppe steigerte die Prämieneinnahmen im Kerngeschäft um 2% auf 3,23 Mrd GBP, während die Kern-Combined Ratio sich auf 96,9% von zuvor 100,3% verbesserte. Der Gruppengewinn erhöhte sich deutlich auf 215 Mio von zuvor 6 Mio.

Im Management der Zurich kommt es übrigens noch zu geringfügigen Mutationen: CFO George Quinn übernimmt zusätzlich die Verantwortung über die Region Europa, Naher Osten und Afrika und wird Chairman von Zurich Insurance (Ireland). Und die HR-Chefin Isabelle Welton übernimmt die Leitung des Lateinamerika-Geschäfts.

(AWP)