Rubin Ritter - CEO verzichtet für seine Frau auf möglichen 100-Millionen-Bonus

Rubin Ritter, einer der drei Chefs des Online-Modehändlers Zalando, beendet seine Karriere zugunsten seiner Frau. Das könnte ihn mehr als 100 Millionen Dollar kosten.
13.12.2020 10:05
Die Zalando-Chefs Robert Gentz, Rubin Ritter und David Schneider (l-r)  2019 in Berlin.
Die Zalando-Chefs Robert Gentz, Rubin Ritter und David Schneider (l-r) 2019 in Berlin.
Bild: imago images / Sven Simon

Der 38-Jährige will nächstes Jahr nach der Hauptversammlung zurücktreten, damit seine Frau sich verstärkt auf ihr Karriere konzentrieren kann, während er sich um die Kinder kümmert. Der Entschluss könnte ihn bis zu 93 Millionen Euro aus verwirkten Optionen aus einem Anreizprogramm kosten, das 2018 ins Leben gerufen wurde. Der Karriere seiner Frau räumt er damit buchstäblich einen hohen Wert ein. Das Paar erwartet sein zweites Kind.

"Ich möchte mich nun mehr meiner wachsenden Familie widmen", sagte Ritter in einer Erklärung am 6. Dezember. "Meine Frau und ich sind uns einig, dass in den kommenden Jahren ihr Beruf Priorität haben soll." Ritters Frau ist Richterin.

Die Entscheidung dürfte der öffentlichen Wahrnehmung des Berliner Unternehmens gut tun, stand es doch bisher in der Debatte um Gleichstellung der Geschlechter auf der falschen Seite. Zalando, dessen Kunden mehrheitlich Frauen sind, hat einen fünfköpfigen Vorstand bestehend ausschliesslich aus Männern. Letztes Jahr hagelte es öffentliche Kritik, nachdem das Unternehmen eine Zielquote für Frauen im Vorstand von Null verkündet hatte.

Medienwirksamer Schritt? 

Seitdem hat sich Zalando verpflichtet, den Frauenanteil in den fünf obersten Führungsebenen einschliesslich Vorstand bis 2023 auf 40 Prozent zu erhöhen. Mit Ritters Ausscheiden besteht für Zalando eine "echte Chance zu zeigen, dass es ihnen Ernst ist mit der im vergangenen Herbst medienwirksam verkündeten Zielsetzung – der freiwerdende Posten kann nur mit einer Frau besetzt werden", so AllBrights Geschäftsführerin Wiebke Ankersen.

Ungleichheit der Geschlechter ist in Deutschland weit verbreitet. Das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen ist unter den höchsten in Europa und laut AllBright hinkt der Anteil weiblicher Führungskräfte den meisten anderen Industrieländern hinterher. Nur 9,3 Prozent der Vorstände der 160 grössten deutschen Unternehmen im vergangenen Jahr waren Frauen.

Dreiköpfige Führungsspitze

Ritters Ausstieg wird Zalando-Gründer Robert Gentz und David Schneider ihren Strategiechef nehmen sowie das Gesicht des Unternehmens nach aussen. Die dreiköpfige Führungsspitze ist ebenso einzigartig wie die Kombination von Mode-, Software- und Logistikexpertise, die Zalando zum grössten Online-Einzelhändler für Kleidung in Europa gemacht hat.

Zalando ist berühmt für seine Unternehmenskultur, die einem kalifornischen Technologieunternehmen ähnelt - mit einem Kindergarten, einem Yoga-Studio und einem Basketballplatz auf dem Dach am Hauptsitz. Vergütungen von Führungskräften im Silicon Valley-Stil brachte das Unternehmen ebenfalls nach Deutschland, mit magerem Grundgehalt und Optionspaketen, die extrem an Wert zulegen können.

Ritter kam vor 11 Jahren zu Zalando und half, das Unternehmen, welches 2014 an die Börse ging, zu einem der erfolgreichsten deutschen IPOs des letzten Jahrzehnts zu machen.

Ritter ist schon reich

Ritter und seine Frau werden nicht darben müssen, haben frühere Optionsprogramme ihn doch zu einem reichen Mann gemacht. Fast die Hälfte der 1,75 Mio. Optionen, die Ritter im Rahmen des 2018 eingeführten Anreizprogramms gewährt wurden, wird wahrscheinlich unverfallbar sein, wenn er nach der Hauptversammlung 2021 ausscheidet.

Jede dieser Optionen hat einen Maximalwert von 97,14 Euro, was bedeutet, Ritters Anteil aus diesem Plan könnte nach Ablauf der Wartezeit im Dezember 2022 bis zu 76 Mio. Euro wert sein. Voraussetzung ist, dass die Aktie von Zalando nochmal deutlich steigt und der Umsatz des Unternehmens weiterhin mit mindestens 15 Prozent pro Jahr wächst.

Zum 31. 12. 2019 hielt Ritter ausserdem 2,7 Mio. Optionen aus dem Incentiveplan von 2013, ein Paket, das bei Ausübung zum heutigen Aktienkurs rund 170 Mio. Euro wert wäre. Ritter verkaufte laut Pflichtmitteilungen zwischen Mai und September Zalando-Aktien im Wert von 39,2 Mio. Euro.

So überrascht es auch nicht, dass der Manager am 6. Dezember Zalandos Entwicklung skizzierte als "eine atemberaubende Erfolgsgeschichte, die meine wildesten Träume übertroffen hat".

(Bloomberg)