Rückschlag bei Schlüsselmedikament - Novartis enttäuscht bei Serelaxin - Aktie tiefer

Serelaxin galt bei Novartis bisweilen als möglicher Verkaufsschlager. In Studien zeigt das Herzmedikament jedoch nicht die erhoffte Wirkung. Nach einem frühen Kursrückschlag fängt sich die Aktie.
22.03.2017 11:36
Von Lorenz Burkhalter
Für Novartis-Chef Joe Jimenez sind die Studienergebnisse zu Serelaxin ein herber Rückschlag.
Für Novartis-Chef Joe Jimenez sind die Studienergebnisse zu Serelaxin ein herber Rückschlag.
Bild: cash

Viele Analysten hatten dem von Novartis entwickelten Medikament Serelaxin eine grosse Zukunft vorhergesagt. Einige von ihnen hatten dem Präparat in der Behandlung von Patienten mit akutem Herzversagen sogar Milliardenumsätze zugetraut.

Seit dem frühen Mittwochmorgen steht nun allerdings fest: Soweit wird es wohl nicht kommen. Denn wie der Gesundheitskonzern aus Basel meldet, konnte in Studien in Kombination mit Standardtherapien keine Reduktion der Sterblichkeit nachgewiesen werden.

Der produktseitige Rückschlag kommt bei den Anlegern verständlicherweise nicht gut an. An der Schweizer Börse SIX taucht die Novartis-Aktie zur Stunde noch um 1,3 Prozent auf 73,50 Franken. Im frühen Handel wurden vorübergehend sogar Kurse um 72,50 Franken bezahlt.

In einem Kommentar von Kepler Cheuvreux zeigt sich dessen Autor sichtlich enttäuscht und bezeichnet die Studienergebnisse zu Serelaxin als "bedeutenden Rückschlag". Der Analyst hatte dem Präparat bis Ende 2020 einen Jahresumsatz von 2 Milliarden Dollar zugetraut.

Umsatzschätzungen von bis zu 2 Milliarden Dollar

Den ihm vorliegenden Informationen zufolge liegen die Konsensschätzungen allerdings "nur" bei einem Jahresumsatz von 500 Millionen Dollar, weshalb er gegebenenfalls mit einem um 3 Prozent tieferen Aktienkurs rechnet.

Bei Kepler Cheuvreux ist Serelaxin hingegen für knapp 9 Prozent des 90 Franken lautenden Kursziels verantwortlich. Noch wird die Novartis-Aktie mit "Buy" eingestuft.

Auch der für die Bank Vontobel tätige Berufskollege hatte für Serelaxin bisweilen einen Spitzenumsatz von 2 Milliarden Dollar angesetzt. Aufgrund seiner geringen Überzeugung gegenüber diesem Präparat nahm er auf diesem Wert allerdings eine hohe Risikobereinigung um 50 Prozent vor. Durch die Herausnahme von Serelaxin aus dem Bewertungsmodell wird die Erhöhung nach der jüngsten Zulassung des Medikaments Kisqali zunichte gemacht. Das Anlageurteil für die Novartis-Aktie lautet folglich weiterhin "Hold" und das Kursziel 81 Franken.

"Man kann Novartis keinen Vorwurf machen"

Wie es bei der Zürcher Kantonalbank heisst, ist Serelaxin die rekombinante Form eines im Körper von Männern und Frauen natürlich vorkommenden Hormons, das kardioprotektive Wirkung besitzt. Erhöhte Werte würden sich bei Schwangeren feststellen, weshalb das Herz bis zur Geburt vor erhöhten Anstrengungen geschützt werde, so der ZKB-Analyst.

Die Idee, mit solch einer natürlichen Substanz eine positive Einrichtung der Natur nachzuahmen bezeichnet er als bestechend. Seines Erachtens hat bei Serelaxin einmal mehr die Theorie nicht den realen Anforderungen einer Krankheit standgehalten, weshalb man Novartis keinen Vorwurf machen könne. Er rechnet bei der mit "Übergewichten" empfohlenen Aktie nur mit einer begrenzt negativen Kursreaktion.

Für den Experten der UBS Investmentbank sind die Studienergebnisse zum Herzpräparat dennoch ein weiterer fallender Block auf dem Weg von Novartis zurück auf den Wachstumspfad. Er sagt dem Pharmageschäft der Basler über die kommenden fünf Jahre gerademal ein jährliches Umsatzwachstum von 1,3 Prozent vorher. Das erklärt auch, weshalb die Novartis-Aktie bei der Schweizer Grossbank nur mit "Neutral" und einem 70 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel eingestuft wird.

Heruntergespielt wird der produktseitige Rückschlag bei Julius Bär. Die gescheiterte Serelaxin-Studie sei nicht von materieller Bedeutung für Novartis, so schreibt der Analyst der Zürcher Traditionsbank. Er gibt nach der zuletzt überdurchschnittlichen Kursentwicklung der Aktie jedoch dem Genussschein des Platzrivalen Roche den Vorzug. Offiziell wird die Novartis-Aktie bei Julius Bär mit "Hold" und einem Kursziel von 77 Franken eingestuft.