Rundum-Enttäuschung setzt Nestlé-Aktie zu

Nestlé kann bei Analysten weder mit dem Jahresergebnis, noch mit dem Ausblick punkten und will nichts von einer Jubiläumsdividende wissen. Das setzt der Aktie und damit auch dem SMI zu.
18.02.2016 11:26
Von Lorenz Burkhalter
Es läuft bei Nestlé, aber halt nicht ganz so gut wie erwartet. Im Bild: Nestlé-Chef Paul Bulcke.
Es läuft bei Nestlé, aber halt nicht ganz so gut wie erwartet. Im Bild: Nestlé-Chef Paul Bulcke.
Bild: cash

In den letzten Wochen verhinderte die über weite Strecken stabile Aktie von Nestlé ein stärkeres Abrutschen des Schweizer Aktienmarktes. Anlässlich der Jahresergebnispräsentation von heute Donnerstag zieht sie den Swiss Market Index (SMI) jedoch in die Tiefe.

Der Grund: Die erhoffte Wachstumsbelebung blieb im Schlussquartal weitestgehend aus. In der Folge liegt der Zahlenkranz sowohl beim Umsatz als auch beim operativen Gewinn sowie beim Reingewinn hinter den jeweiligen Analystenerwartungen zurück. Auch vom Ausblick hatten sich Experten im Vorfeld mehr erhofft.

Auch wer auf eine Sonderdividende oder ein Aktienrückkaufprogramm zum 150. Firmenjubiläum gehofft hatte, wird enttäuscht. Bislang gibt es keine Andeutungen für ein "Geldgeschenk" an die Aktionäre.

An der Schweizer Börse SIX gerät die Nestlé-Aktie deshalb unter Verkaufsdruck. Das Indexschwergewicht verliert zur Stunde noch 3,4 Prozent auf 71,55 Franken und kostet den SMI gut 65 Punkte.

Der für die Bank Vontobel tätige Analyst bezeichnet den vorliegenden Zahlenkranz als uneinheitlich. Während sich die Umsatzentwicklung knapp mit den bankeigenen Erwartungen decke, sei die Marge überraschend gefallen. Wie der Experte weiter schreibt, hätte er sich rückblickend anlässlich der Neunmonatszahlen erste Anhaltspunkte in Bezug auf die Margenentwicklung erhofft.

Wachstumsausblick weiss nicht zu überzeugen

Seines Erachtens sollte Nestlé möglichst rasch das Firmenportfolio optimieren und sich von bremsenden Geschäftsbereichen trennen. Nur so sei das Unternehmen für den intensiveren Wettbewerb gerüstet. Obschon der Analyst seine Gewinnschätzungen im tiefen einstelligen Prozentbereich reduzieren wird, hält er an der Kaufempfehlung sowie am Kursziel von 80 Franken für die Aktie fest.

Auch sein Berufskollege von der UBS Investmentbank stösst sich am Margenrückgang. Er erklärt sich diesen mit höheren Marketingausgaben, einmaligen Kosten für den Rückruf von Maggi-Nudeln in Indien sowie mit Rabattanpassungen im Geschäft mit Hautprodukten.

Spekulationen auf einen "Jubiläums-Batzen" waren voreilig

Enttäuscht zeigt sich der Analyst aber insbesondere vom Ausblick, hätten er und andere Experten im laufenden Jahr doch mit einer organischen Wachstumsbelebung auf 4,7 Prozent gerechnet. Die Nestlé-Aktie wird bei der UBS Investmentbank mit "Neutral" und einem Kursziel von 73 Franken eingestuft.

Der für Kepler Cheuvreux tätige Experte hatte sich hingegen mehr vom 150. Firmenjubiläum erhofft und mit einem milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm gerechnet. Damit war er nicht alleine. Wie der Analyst nun schreibt, hätten die im letzten Jahr bei der Barmittelgenerierung erzielten Fortschritte durchaus ein solches zugelassen. Trotz dieses Rückschlags hält er sowohl an seiner Kaufempfehlung als auch am Kursziel von 80 Franken fest.

Andere Banken halten sich hingegen zurück, was Aussagen zur regulären Dividende und zu den ausbleibenden Aktienrückkäufen anbetrifft. Händler machen nach den Spekulationen der vergangenen Wochen hingegen kein Geheimnis aus ihrer Enttäuschung.