Russische Firmen steuern alte Zeiten an

Anleger haben wieder Appetit auf russische Anlagewerte. Das bewegt dortige Unternehmen, erneut Rubel-Eurobonds aufzulegen.
18.09.2016 15:45
Der Kurs des Rubel hat stabilisiert.
Der Kurs des Rubel hat stabilisiert.
Bild: Pixabay

Russische Unternehmen liebäugeln wieder mit einem Finanzierungsinstrument, das es zuletzt zu Zeiten von Währungskontrollen und uneingeschränktem Zugang zum internationalen Kapitalmarkt gab: Rubel-Eurobonds.

VTB bereitet nach eigenen Angaben "einige" in Rubel denominierte Anleiheemissionen für ausländische Investoren vor. Citigroup zufolge, die fünf der acht Transaktionen begleitet hat, die im Jahr 2013 an den Markt kamen, sind die Konditionen "förderlich" für ein Finanzierungsinstrument, das während der rekordhohen Volatilität der russischen Währung nach der Freigabe des Wechselkurses im November 2014 ein Auslaufmodell wurde.

Nun, da die Kursausschläge des Rubel abebben und Investoren Geld in russische Anlagewerte pumpen, prüfen Unternehmen Wege, wie sie rund 40 Mrd. Dollar (35,6 Mrd. Euro) an Auslandsanleihen refinanzieren können, die in den nächsten zwei Jahren fällig werden.

Die internationalen Sanktionen gegen Russland behindern die Emission von Eurobonds in Fremdwährungen weiterhin. Doch der wiederkehrende Appetit der Anleger bringt grössere Geldmengen in Reichweite der Unternehmen - für längere Laufzeiten als mit Rubel-Anleihen im Heimatmarkt möglich wäre.

Flucht vor negativen Renditen

"Wir schauen uns das an und haben seit Mitte des Jahres Gespräche mit Emittenten geführt" über die Auflegung von Rubel-Eurobonds, sagt Andrey Solovyev, weltweiter Leiter Anleihekapitalmärkte bei VTB Capital in London. "Investoren sind der Ansicht, dass sich der Rubel mehr oder weniger auf dem derzeitigen Niveau stabilisiert hat und kaufen eifrig."

Ausländische Investoren strömen nach Russland auf der Flucht vor negativen Renditen bei Anleihen aus Industrieländern im Volumen von 9 Billionen Dollar. Der Anteil der russischen Rubel-Bonds, genannt OFZ, in den Händen ausländischer Anleger kletterte im Juni auf den Rekordbetrag von 1,35 Billionen Rubel (18,6 Mrd. Euro) oder 25 Prozent des ausstehenden Volumens.

Das geht aus Daten der Zentralbank vom 9. September hervor und hat dazu beigetragen, dass die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen auf 8,1 Prozent gesunken ist. Dies Renditeniveau gab es zuletzt vor den Sanktionen der Europäer und US-Amerikaner als Antwort auf die Rolle Russlands in der Ukraine-Krise im März 2014.

"Der Risikoappetit auf russische Anleihen ist auf ein Niveau zurückgekehrt, das es lange Zeit nicht gegeben hat", sagt Blazej Dankowski, Direktor und Leiter Anleihekapitalmärkte Russland und Kasachstan bei Citigroup in London. "Die Renditen sind wieder auf das Niveau von Anfang 2014 zurückgekehrt."

Rubel-Bonds preiswerter als Dollar-Bonds

Unternehmen, die Rubel-Anleihen im Heimatmarkt aufgelegt haben, konnten sich durchschnittlich 4,4 Mrd. Rubel für weniger als sechs Jahre beschaffen. Das zeigen von Bloomberg zusammengestellte Daten. Zum Vergleich: Bei einem Eurobond würden sie nach Angaben von Sberbank CIB 20 Mrd. Rubel für bis zu zehn Jahre bekommen können.

Auch könnte ein Rubel-Eurobond für Unternehmen, die Erträge in der russischen Währung erwirtschaften, preiswerter sein als eine Dollar-Emission, wenn die Kosten für den Währungsswap berücksichtigt werden. So implizieren die Dollar-Bonds der russischen Eisenbahn JSC mit Fälligkeit 2017 einen Zins von 10,8 Prozent nach der Konvertierung in Rubel, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht. Demgegenüber rentiert der Rubel-Eurobond der Eisenbahn mit Fälligkeit 2019 zu 9,2 Prozent.

Potenzielle Emittenten von Rubel-Eurobonds wären nach Einschätzung von Solovyev von VTB staatliche Unternehmen oder private Blue-Chips.

Dollar-Neigung

Eurobonds in Landeswährung galten immer als eine Ergänzung zu Auslandsanleihen, die überwiegend in Dollar oder Euro denominiert waren, und kamen nur auf einen Anteil von weniger als zehn Prozent des Gesamtvolumens zum Höhepunkt im Jahr 2012.

Für Bryan Carter, Leiter Festverzinsliche Schwellenländermärkte bei BNP Paribas Investment Partners in London werden Rubel-Eurobonds eine Nische bleiben. "Der Appetit für Dollar-Bonds bleibt stärker", sagt er. Globale Käufer seien weniger enthusiastisch in Bezug auf lokale Währungen, und viele Fonds engagierten sich nur in harter Währung.

Gleichwohl, die Erholung des Rubel, der dieses Jahr dem Ölpreisverfall zum Trotz 15 Prozent zugelegt hat und damit nur hinter dem brasilianischen Real zurücksteht, sowie die Wirtschaft des Landes, die im nächsten Jahr wohl eine Rezession abschütteln wird, dürften für einige ausländische Fonds unwiderstehlich sein.

"Internationale Investoren sehen es wahrscheinlich als gute Gelegenheit, sich im Rubel zu engagieren - mit Blick auf eine weitere Aufwertung", sagt Stefan Weiler, Leiter Anleihekapitalmärkte Mittel- und Osteuropa, Naher Osten und Afrika bei JPMorgan Chase in London.

(Bloomberg)