Sabic-Deal - Clariant will mit Verkauf bis zu zwei Milliarden einnehmen

Den Spezialchemiekonzern Clariant wird für den Deal mit der saudi-arabischen Sabic Firmenteile für bis zu zwei Milliarden Franken verkaufen.
09.10.2018 07:07
Hariolf Kottmann, CEO Clariant.
Hariolf Kottmann, CEO Clariant.
Bild: ZVG

Clariant dürfte die Mehrheit am Gemeinschaftsunternehmen mit dem saudi-arabischen Grossinvestor Sabic zwischen einer und zwei Milliarden Franken kosten. Bezahlen will das Clariant-Chef Hariolf Kottmann mit dem Verkauf von weniger dynamischen Geschäftsteilen.

Die ersten Analystenberichte sprächen von einer Zahlung zwischen ein und zwei Milliarden an Sabic, sagte Kottmann in einem Interview mit den Tamedia-Medien vom Dienstag. "Die Summe entspricht dem, was wir aus dem geplanten Verkauf erlösen dürften." Es sei der Wunsch von Sabic, dass sich das Kreditrating von Clariant nicht verschlechtere.

Pläne für das Gemeinschaftsunternehmen und den Verkauf von Geschäftsteilen hatte Clariant Mitte September bekannt gegeben. Der Baselbieter Chemiekonzern löst das Geschäft mit Additiven und höherwertigen Masterbatches aus der Sparte Plastics & Coatings heraus und legt es mit Teilen des Spezialchemiegeschäfts von Sabic zusammen.

Clariant bringt Geschäfte mit einem Umsatz von rund 1,1 Milliarden Franken in die neue Einheit ein, Sabic steuert Produkte mit einem Jahresumsatz von 1,9 Milliarden und damit den grösseren Teil bei. Am operativ von Clariant geführten Gemeinschaftsunternehmen werden die Baselbieter die Mehrheit halten - deshalb zahlt Clariant Sabic einen Ausgleich. Die weniger zukunftsträchtigen Teile der Sparte bringen einen Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Franken auf die Waage.

Kein Stellenabbau geplant

Die Zusammenarbeit mit Sabic war nach der geplatzten Fusion mit dem US-Konkurrenten Huntsman zustande gekommen. Der Chemiekonzern Sabic ist erst seit Anfang Jahr mit einem Anteil von knapp 25 Prozent Grossaktionär von Clariant.

"Lassen sich alle unsere Pläne mit der saudi-arabischen Sabic umsetzen, bekommen wir aber eine bessere Lösung, als es ein Zusammenschluss mit Huntsman oder einem anderen Wettbewerber gewesen wäre", sagte Kottmann. Bei einer Fusion gingen Synergien mit einem Stellenabbau einher. Ein Abbau sei nun vom Tisch. "Das Projekt mit Sabic ist ein Wachstumsprojekt und kein Kostensenkungsprojekt", sagte Kottmann. "Es wird keinen Personalabbau geben, das sichere ich Ihnen zu."

Kottmann soll seinen Chefposten in wenigen Tagen an Ernesto Occhiello, der von Sabic kommt, abgeben. Er selbst soll dann Rudolf Wehrli an der Verwaltungsratsspitze ablösen. Angesprochen darauf, ob eine solcher Wechsel einer modernen Unternehmensführung entspreche, sagte Kottmann: "In der Schweiz ist das nicht so ungewöhnlich." Zudem habe er das nicht selbst initiiert, sondern sei darauf angesprochen worden.

Eine Vollübernahme von Clariant durch Sabic soll es nicht geben. "Es gibt keinen Vertrag, der gegen eine Aufstockung durch Sabic spricht, aber es wird kein Angebot für eine Vollübernahme geben."

Grosse Sorgen, dass Sabic bald vom saudischen Ölriesen Aramco übernommen werden könnte, mache er sich derzeit auch nicht. "Das ist alles reine Spekulation." Sollte diese Übernahme allerdings tatsächlich zustande kommen, entstünde ein solch riesiger Konzern, "von dem wir nicht wissen können, ob er sich für die kleine Clariant interessieren würde."

(AWP)