Santhera-CEO: «Wir geben uns nicht geschlagen»

Santhera steigerte im ersten Halbjahr den Umsatz, musste im Juli in den USA aber einen Rückschlag einstecken. Im cash-Interview sagt CEO Thomas Meier, wie er nun das Aktionärsvertrauen zurückgewinnen will.
06.09.2016 14:39
Von Pascal Züger
Thomas Meier, CEO von Santhera.
Bild: cash

Der 14. Juli war kein guter Tag für das Spezialitätenpharma-Unternehmen Santhera: Die US-Behörde FDA durchkreuzte die Zulassungspläne für das Medikament Raxone bei der muskulären Erbkrankheit Duchenne (DMD) in den USA. Santhera muss weitere Studien nachreichen, damit das Medikament in den USA zugelassen werden kann.

Diese Nachricht kam an der Börse alles andere als gut an: Die Santhera-Aktie fiel an jenem Handelstag um ganze 37 Prozent – und hat sich seither auch nicht mehr erholen können. Anleger erhofften sich zuvor, dass Raxone zur Behandlung von DMD bereits ab nächstem Jahr Umsatz generieren kann. Nun könnte sich die Markteinführung bis 2020 verzögern.

Santhera kämpft um Zulassung in den USA

"Unklarheiten, was den regulatorischen Zulassungsweg und auch die Timeline betrifft, verunsichert die Aktionäre immer", zeigt Santhera-CEO Thomas Meier im cash-Video-Interview ein gewisses Verständnis für die extreme Reaktion der Investoren. Es sei nun Santheras Aufgabe, durch weitere Arbeit mit der FDA die Timeline wieder gerade zu rücken und auch klare Vorgaben geben zu können, um das Vertrauen der Anleger in die Aktie zurückzugewinnen.

Und Meier gibt sich kämpferisch: "Wir geben uns nicht geschlagen." Konkret suche man das Gespräch mit der amerikanischen Behörde, um eine beschleunigte Zulassung des Medikaments in den USA zu ermöglichen. Man wolle nicht diese drei Jahre abwarten, bis die endgültigen Studien vorliegen. Bis wann und ob eine beschleunigte Zulassung umsetzbar ist, sei jedoch nur schwer abschätzbar, da der Ball bei der US-Behörde liege: "Wir sind auf jeden Fall parat und könnten das Dossier in wenigen Wochen oder Monaten bereitstellen."

Eine Zulassung in den USA wäre für Santhera enorm wichtig, gelten die Vereinigten Staaten doch als wichtigster Medikamente-Markt weltweit. Dies würde das Liestaler Pharma-Unternehmen in andere Sphären hieven: Experten schätzen das kommerzielle Potenzial von Raxone in den USA und in Europa von jährlich 460 Millionen Franken - das ist mehr es der aktuelle Börsenwert Santheras.

Markteinführung in Europa kommt voran

Die USA als Markt ist jedoch Zukunftsmusik. Aktuell generiert Santhera den Umsatz mit dem Verkauf von Raxone bei sogenannten LHON-Patienten (Leber Hereditärer Optikusneuropathie) - eine seltene Augenkrankheit - in Europa. In der ersten sechs Monaten 2016 stieg der Umsatz – hauptsächlich durch höhere Verkäufe in Deutschland und Frankreich – auf 7,2 Millionen Franken, nach 1,7 Millionen Franken im Vorjahr.

Das Medikament ist noch nicht in ganz Europa zugelassen: Meier erwartet im zweiten Halbjahr 2016 und Anfang 2017 Erstattungsentscheidungen seitens verschiedener europäischer Behörden, "so dass wir auch mit Umsatzsteigerungen im zweiten Halbjahr und dann auch noch im nächsten Jahr rechnen werden", sagt Meier.

Santhera habe in allen Ländern Europas Anträge gestellt. In welcher Reihenfolge die Zulassung erfolgen wird, sei aber nur schwer abschätzbar. "Wir sind auch an grossen Ländern wie Italien dran, Grossbritannien kommt vielleicht erst nächstes Jahr", so Meier.

Vorerst weiterhin Verluste

Auch wenn die Chancen gut stehen, dass Santhera durch Produkteinführungen in verschiedenen europäischen Ländern den Umsatz über die nächste Zeit erhöhen kann, so ist ein unmittelbarer Weg aus den roten Zahlen noch nicht in Sicht. Im ersten Halbjahr belief sich der Reinverlust auf 18 Millionen Franken.

Zwar will Meier mit dem Produkt für die LHON-Indikation im nächsten Jahr erstmals profitabel sein, doch werde man auf Kompanieebene derzeit und auch in Zukunft weiterhin investieren, so dass sich erstmalige Gewinne vorerst noch hinauszögern würden. Das ist auch nicht das unmittelbare Ziel: "Wir wollen zeigen, dass wir Produkte auf den Markt bringen und Wachstum sowie Wertsteigerungen für unsere Aktionäre generieren können", sagt Meier. Und dafür seien Vorabinvestitionen notwendig. 

Im Video-Interview mit cash sagt Meier ausserdem, wann mit einer Zulassung von Raxone bei DMD-Patienten in Europa gerechnet werden kann und wie viele Tage vom positiven Zulassungsentscheid bis zur Markteinführung vergehen.

(Mit Material von AWP)