Schlafendes Geld - Milliarden an Vor-Euro-Währungen schlummern unter den Sofas

Wer zu den Bürgern eines Landes gehört, das einst seine nationale Währung für den Euro aufgegeben hatte, sollte vielleicht noch einmal unter seinem Sofa oder Bett nachschauen.
08.04.2017 08:45
Alte Deutsche Mark-Banknote der vierten Serie (ab 1989/90).
Alte Deutsche Mark-Banknote der vierten Serie (ab 1989/90).
Bild: ZVG

Mehr als 15 Milliarden Euro an veralteten Banknoten und Münzen in der Währungsunion sind bisher noch nicht abgegeben und für Euro eingetauscht worden. Das entspricht in etwa den jährlichen Kosten von Lettlands Importen. Etwas weniger als die Hälfte der versteckten Schätze liegen irgendwo im Bargeld-liebenden Deutschland. Dabei hatte die Nation einen Vorsprung von mehr als einem Jahrzehnt gegenüber neueren Eurozonen-Mitgliedern wie Lettland und Litauen erhalten.

Rund ein Drittel der Gesamtsumme an alten Devisen in der Region ist inzwischen wertlos. Grund: Zwölf nationale Notenbanken haben ihre Münz-Umtauschprogramme aufgegeben. Und in Frankreich, Italien, Finnland und Griechenland ist auch schon die Frist für Banknoten abgelaufen.

Für die Deutschen - glücklicherweise - gibt es keinen Grund zur Eile. Die Bundesbank will nach eigenen Angaben unbefristet unbegrenzte Beträge an Deutscher Mark umtauschen. Die portugiesischen Notenbanken hingegen hatten schon ab dem Ende des Jahres, als der Euro eingeführt wurde, keine Münzen mehr angenommen. Damit wurden 48 Prozent der noch im Umlauf befindlichen Escudos wertlos.

Fristen für den Geld-Umtausch haben sich als unangenehm für einige jener Bürger in der Eurozone herausgestellt, die die Chance verpassten, ihre Schätze anzudienen. Die Zentralbank von Italien war vergangenes Jahr angewiesen worden, umgerechnet 2,5 Millionen Euro an Lire umzutauschen. Zuvor hatten sich Bürger beim Verfassungsgericht des Landes beschwert, dass die Umtauschfrist im Jahr 2011 von der Notenbank unerwartet um drei Monate vorgezogen worden war.

(Bloomberg)