Schlagabtausch in der Syngenta-Aktie

Syngenta erleidet in der ersten Jahreshälfte einen Gewinneinbruch. Obschon die Erwartungen klar verfehlt werden, legt die Aktie leicht zu. Es tobt ein erbitterter Kampf zwischen Haussiers und Baissiers
22.07.2016 11:43
Von Lorenz Burkhalter
Syngenta blickt auf ein schwaches erstes Halbjahr zurück. Im Bild: CEO Erik Fyrwalk.
Syngenta blickt auf ein schwaches erstes Halbjahr zurück. Im Bild: CEO Erik Fyrwalk.

Der Saatguthersteller Syngenta muss auf eine schwierige erste Jahreshälfte zurückblicken. Aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse in Europa und Nordamerika bleiben der Umsatz und der operative Gewinn (EBITDA) hinter den jeweiligen Konsensschätzungen zurück.

Ermutigend fallen hingegen die Aussagen zur Übernahme durch ChemChina aus. Syngenta weiss von konstruktiven Gesprächen mit den Regulierungsbehörden zu berichten und zeigt sich zuversichtlich, die Transaktion bis Ende Jahr unter Dach und Fach bringen zu können.

Davon lassen sich die Anleger allerdings nur bedingt beeindrucken, gewinnen die Aktie an der Schweizer Börse SIX doch magere 0,5 Prozent auf 389,90 Franken. Im bisherigen Handelsverlauf wurden schon Kurse zwischen 384,10 und 389,70 Franken bezahlt, was auf einen erbitterten Schlagabtausch zwischen Haussiers und Baissiers schliessen lässt.

Lateinamerika besser als erwartet

In einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank kann der Verfasser seine Enttäuschung über den vorliegenden Zahlenkranz nicht verbergen. Der Agrarchemiehersteller habe die Erwartungen im ersten Halbjahr nicht erfüllen können, so schreibt er. Als schwach bezeichnet der Experte insbesondere die Absatzentwicklung in Europa. Doch auch bei den Margen hatte er sich deutlich mehr erhofft.

Auch der Analyst der UBS Investmentbank gewinnt dem Zahlenkranz grundsätzlich positive Aspekte ab, beispielsweise in Form einer besser als erwarteten Barmittelgenerierung oder eines leichten organischen Umsatzwachstums im zweiten Quartal. Er stuft die Aktie mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 395 Franken ein.

Auch optimistisch fällt das Urteil des für Baader Helvea tätigen Berufskollegen aus. Er berichtet von einer Beschleunigung bei den Kosteneinsparungen und zeigt sich von der Geschäftsentwicklung in Lateinamerika positiv überrascht.

Übernahme durch ChemChina auf Zielkurs

Dem Experten zufolge geht das Halbjahresergebnis mehr oder weniger "in Ordnung". Als ermutigend bezeichnet er hingegen die in der heutigen Pressemitteilung zum Übernahmeprozess gemachten Aussagen. Die Botschaft des Analysten: Dass Syngenta nach dem jüngsten Rückschlag bei der amerikanischenBehörde CFIUS noch immer mit einem Vollzug der Übernahme bis Ende Jahr rechne, sei ermutigend. Er sieht weiterhin eine hohe Wahrscheinlichkeit eines Zustandekommens der Transaktion und empfiehlt die Aktie deshalb mit einem Kursziel von 449 Franken zum Kauf.

Anders der für die Zürcher Kantonalbank tätige Experte. Obschon der Kurs aktuell knapp 20 Prozent unter dem Barangebot von ChemChina liegt, wird die Aktie von Syngenta durch ihn nur mit "Marktgewichten" eingestuft. Dieser Bewertungsabschlag sei Ausdruck der bestehenden Skepsis am Zustandekommen der Transaktion, so schreibt er.

Zuversichtlicher zeigt man sich hingegen im Berufshandel. Dort wird der prozentual zweistellige Abschlag zum rechnerischen Barangebot von ChemChina als übertrieben beurteilt. Was den regulatorischen Übernahmeprozess betreffe, so seien keine Neuigkeiten eigentlich gute Neuigkeiten. Zumindest sehe sich Syngenta selber auf Zielkurs, die Transaktion bis Ende Jahr unter Dach und Fach zu bringen.