Schlägt die Stunde der Bankaktien?

Strategen trauen dem vernachlässigten europäischen Bankensektor eine Aufholjagd zu. Aus Anlegersicht gibt es jedoch gleich mehrere Dinge zu beachten.
31.03.2015 07:52
Von Lorenz Burkhalter
Schweizer Bankaktien stehen nicht sonderlich hoch in der Gunst europäischer Analysten.
Schweizer Bankaktien stehen nicht sonderlich hoch in der Gunst europäischer Analysten.
Bild: Bloomberg

Die Berenberg Bank und ihr Bankenanalyst sind schon seit Jahren für ihre pessimistische Meinung über die europäischen Bankaktien bekannt. In seiner neusten Branchenstudie schlägt der Verfasser jedoch ungewohnt versöhnliche Töne an und macht auf das zweite Quartal bezogen einen gewissen Nachholbedarf aus.

Ein solcher besteht auch in der Schweiz. Denn während der breit gefasste Swiss Performance Index in den vergangenen 12 Monaten um knapp 13 Prozent zulegen konnte, erwiesen sich diese für den Unterindex für Bankaktien als ein Nullsummenspiel. Ähnlich gestaltet sich die Situation in den umliegenden Nachbarländern.

Nicht alle Bankaktien versprechen den gleichen Erfolg

Allerdings kommt die Empfehlung des für die Berenberg Bank tätigen Analysten eher halbherzig daher, wähnt er den europäischen Bankensektor doch weiterhin in einem strukturellen Bärenmarkt. Die historisch tiefen Zinsen und der Schuldenabbau im Privatsektor würden auf die Gewinnentwicklung und die Rentabilität drücken, so schreibt er. Der Analyst rät den eigenen Anlagekunden deshalb zu einem selektiven Ansatz und dazu, auf zukünftige Gewinner wie Handelsbanken, HSBC, ING, Nordea, Swedbank oder UBS zu setzen.

Deutlich konstruktiver gibt sich sein Berufskollege von Kepler Cheuvreux. Er stuft den europäischen Bankensektor von "Neutral" auf "Übergewichten" hoch. In Erwartung einer wirtschaftlichen Wachstumsbelebung und einer dadurch stärkeren Kreditnachfrage traut er diesem eine gegenüber dem breiten Markt überdurchschnittliche Kursentwicklung zu.

Ergebnis- und Dividendenfantasien

Der Stratege setzt die Aktie der spanischen CaixaBank auf die Liste der Branchenfavoriten. Letztere setzt sich ausserdem aus den Valoren von Aareal, BBVA, BNP Paribas und Deutsche Bank zusammen. Abgeraten wird den Anlagekunden hingegen von der Aktie von Julius Bär, welche mit einem optisch tiefen Kursziel von 29 Franken zum Verkauf empfohlen wird. Doch auch an den Valoren von Banco Sabadell, Commerzbank, Natixis und Nordea findet man bei Kepler Cheuvreux keinen sichtlichen Gefallen.

Der europäische Bankensektor steht in diesen Tagen nicht ohne Grund in der Gunst der Anleger. Das erste Quartal gilt seit jeher als das stärkste des ganzen Jahres. Die ab Mitte April anstehende Unternehmensberichterstattung für die ersten drei Monate dürfte überzeugend ausfallen. Ausserdem besteht bei vielen Banken nach Jahren der Stärkung der Eigenkapitalbasis finanzieller Spielraum für eine grosszügigere Dividendenpolitik. Auch davon geht zumindest aus Sicht der Aktionäre Fantasie aus. Doch längst nicht alle Unternehmen sind gleichermassen auf Rosen gebettet, was die Eigenkapitalsituation anbetrifft. Ein selektiver Ansatz wie ihn die Berenberg Bank empfiehlt, ist daher sicher nicht falsch.