Schlechte Performance - Bei diesen ETF sind Sie hoffentlich nicht investiert

Die schlechtesten ETF seit der Finanzkrise haben Anlegern nicht nur Verluste eingebracht, sie sind auch noch teuer. Und: Es sind keine Finanzfonds, wie man vielleicht annehmen könnte.
19.09.2018 13:21
Ölpipeline in Alaska: Mit amerikanischen Rohstoff-ETF konnte man viel Geld verlieren.
Ölpipeline in Alaska: Mit amerikanischen Rohstoff-ETF konnte man viel Geld verlieren.
Bild: Pixabay

Bei einer Negativ-Rendite von 32 Prozent innerhalb von zehn Jahren und dazu einer Kostenquote von 1,3 Prozent kann man eigentlich nur eines sagen: Ein schlechtes Geschäft. Der Fonds "United States Natural Gas" weist aber genau diese Eckwerte auf. Trotz der schlechten Zahlen verwaltet die auf Rohstoffe spezialisierte kalifornische Fondsgesellschaft USCF in diesem Vehikel netto 288,5 Millionen Dollar an angelegten Geldern.

Die amerikanische Finanznachrichtenwebsite Financial Planning hat die am schlechtesten performenden, in den USA gehandelten ETF in den vergangenen zehn Jahre aufgelistet. Dabei fällt sofort auf, dass es ich vor allem um Rohstoff-ETF handelt. Öl und Gas beziehungsweise die Ausrüster der Förderindustrien dominieren die Liste.

Erstaunlich ist dies angesichts der Ölpreisentwicklung nicht: Im September 2008 befand sich der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte West Texas Intermediate bei über 100 Dollar - im Sommer jenes Jahres hatte der Preis gar bei 140 Dollar gelegen. Heute kostet so ein Fass Öl 70 Dollar.  Auffallend ist auch der zweitschlechteste Fonds: Es handelt sich um ein Anlageprodukt aus der Solarinsustrie.

Die zehn schlechtesten ETF seit der Finanzkrise

Fonds Anbieter Perfomance 10 Jahre Kostenquote Nettovermögen (Dollar)
United States Natural Gas USCF -32,1 Prozent 1,30 Prozent 288,5 Mio.
Invesco Solar ETF Invesco -18,7 Prozent 0,70 Prozent 306,6 Mio.
iPath S&P GSCI Crude Oil iPath
(Barclays)
-18,6 Prozent 0,75 Prozent 380,3 Mio.
ProShares Short QQQ ProShares
(ProFunds)
-18,4 Prozent 0,95 Prozent 375,8 Mio.
United States Oil USCF -16,4 Prozent 0,77 Prozent 1,631 Mrd.
ProShares Short S&P500 ProShares
(ProFunds)
-13,6 Prozent 0,89 Prozent 1,311 Mrd.
Invesco DB Oil Invesco -11,3 Prozent 0,75 Prozent 372,8 Mio.
iShares S&P GSCI
Commodity-Index Trust
iShares
(Blackrock)
-11,1 Prozent 0,75 Prozent 1,343 Mrd.
iPath Bloomberg
Cmdty TR ETN
iPath
(Barclays)
-8,4 Prozent 0,75 Prozent 879,0 Mrd.
SPDR S&P Oil & Gas
Equipment & Svcs ETF
SPDR
(State Street)
-7,7 Prozent 0,35 Prozent 355,6 Mrd.

Quellen: www.financial-planning.com

Interessant ist aber auch eine weitere Beobachtung, die Financial Plannung angestellt hat: Die hohen Kosten. Mit einer Ausnahme haben die zehn schlechtesten US-ETF eine Expense Ratio von mindestens 0,7 Prozent. In den USA, wo ETF-Kosten in der Breite noch etwas tiefer sind als in Europa, sind 0,2 Prozent Kostenquote eher die Regel als die Ausnahme. Eine solche Expense Ratio gibt nicht alle Fondskosten wieder - sie bietet aber einen Anhaltpunkt und erlaubt Vergleiche zu den Kosten von Fonds.

ETF oder Exchange Traded Funds sind börsengehandelte Fonds, die alle möglichen Arten von Indices abbilden. Bezeichnet werden sie auch als passive Fonds oder passiv gemanagte Investments. Hinter ihnen stecken keine Fondsmanager und Spezialistenabteilungen, die Fonds aktiv verwalten und daher höhere Gebühren verlangen. Aber selbst bei kostenbewussten aktiv gemanagten Fonds gibt es Beispiele, bei denen die Expense Ratio 0,7 Prozent oder gar tiefer sein kann.

Spezialisierung kommt teuer

Somit können diese schlecht performenden US-ETF nicht einmal voll überzeugend das Kostenargument ins Feld führen. Für den relativ hohen Kostenanteil bei diesen Rohstoff-ETF gibt es Erklärungen. Je tiefer man in gewisse Sektoren geht, oder auch wenn länderspezifisch angelegt wird, dann gehen die Kosten nach oben. Der erwähnte ETF United States Natural Gas beispielsweise investiert in kurzfristige Gas-Futures, die in New York gehandelt werden und versucht dabei, den entsprechenden Benchmark nachzubilden. Gerade solche Spezialisierungen wollen ETF-Häuser oft anbieten.

Bei Aktien-ETF ist der Spread einer der Kostenträger, also die Differenz zwischen dem nachgefragten und dem angebotenen Kurs im Handel. Bei sehr liquiden Anlagen ist dieser klein, bei weniger liquiden und spezialisierten Investments höher.

Private Schweizer Anlegerinnen und Anleger werden wohl kaum in einen der oben aufgelisteten ETF investiert sein - aber die Anschauung verdeutlich noch einmal, dass auch bei ETF, die generell als billig gelten, auf die Kosten geschaut werden muss. "Plain Vanilla" auf gängigen Indizes wie dem SMI oder Dax oder auf Inidizes auf wichtigen Sektoren oder liquiden Märkten zu investieren bringt, mindestens bei den Kosten, den Anlegern mehr.

(cash)