Schliessen Europa-Aktien zu den USA auf?

Schon seit Monaten stehen die europäischen Aktienmärkte im Schatten der amerikanischen Leitbörse. Die UBS nennt nun konkrete Aktien-Ideen für eine lukrative Aufholjagd.
11.11.2014 08:23
Von Lorenz Burkhalter
Die Adecco-Aktie ist eine von zwei europäischen Schlüsselempfehlungen der UBS.

Nach einem vorübergehenden Rückschlag in der ersten Hälfte Oktober hat der amerikanische Aktienmarkt seine Rekordjagd wieder aufgenommen. Mittlerweile liegt der breit gefasste S&P-500-Index wieder um 10 Prozent über dem Stand von Anfang Jahr. Aus Sicht eines in Franken rechnenden Anlegers beträgt das Plus sogar knapp 17 Prozent, dem starken Dollar sei Dank.

Die europäischen Aktienmärkte stehen hingegen schon seit Monaten im Schatten der amerikanischen Leitbörse. Am viel beachteten Stoxx-600-Index gemessen, erweist sich das bisherige Börsenjahr für die Anleger bestenfalls als ein Nullsummenspiel.

In einer Strategiestudie bläst die UBS Investmentbank nun allerdings zu einer Aufholjagd. Den Studienverfassern zufolge hat die unterschiedliche Aktienmarktentwicklung dies- und jenseits des Atlantiks mittlerweile bizarre Züge angenommen. Deshalb sehen die Experten bei den europäischen Aktien ein nicht unbeträchtliches Aufwärtspotenzial.

Dem Stoxx-600-Index räumen die Strategen bis Ende nächsten Jahres ein Aufwärtspotenzial von 13 Prozent auf 380 Punkte ein. Im besten Fall sehen sie ihn in dieser Zeit sogar um 30 Prozent auf 440 Zähler klettern.

Der eigenen Anlagekundschaft raten die Experten auf Aktien aus den Sektoren Banken, Luxusgüter, Technologie, Medien und Investitionsgüter zu setzen. Konkret favorisieren sie die Titel der beiden Schweizer Firmen Richemont und Adecco sowie ING, Société Générale, Alstom, Marks & Spencer, Fresenius Medical Care, BSkyB, ITV und Alcatel Lucent.

Fünf gute Gründe für eine Aufholjagd

Während amerikanische Unternehmen ihre Gewinne seit 2007 um 27 Prozent steigern konnten, liegen jene europäischer Firmen noch immer um 23 Prozent hinter dem damaligen Rekord zurück. Damit sei innerhalb von gerade einmal sieben Jahren eine Differenz von 50 Prozent entstanden, so die Strategen der UBS Investmentbank.

Selbst unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Branchenzugehörigkeit der Unternehmen errechnen die Experten noch immer eine Lücke von 35 Prozent bei der Gewinnentwicklung. Diese halten sie für übertrieben.

Die Studienverfasser nennen fünf Gründe, weshalb sich die Situation in Europa bereits spürbar verbessert hat:
 

  • Die Überprüfung der Qualität der Bankaktiven durch die Europäische Zentralbank (EZB) wurde abgeschlossen und die Bilanzen sind solider als in der Vergangenheit

 

  • Gemäss den EZB-Statistiken liegt die Kreditgewährung auf dem höchsten Stand seit sieben Jahren

 

  • Die Eurozone profitiert vom tiefen Ölpreis sowie vom höchsten Realwachstum der Löhne seit fünf Jahren

 

  • Der schwächere Euro verbessert die Umsatzaussichten

 

  • Es gibt erste Anhaltspunkte für eine Verbesserung bei den Unternehmensmargen