Schliesst die CS zu US-Grossbanken auf?

Bei den Drittquartalszahlen der Credit Suisse richten sich die Augen aufs Investmentbanking. Kann das Handelshaus mit Anleihen- und Aktienhandel Zuwächse verbuchen wie die US-Grossbanken? Analysten geben Antworten.
22.10.2014 00:59
Von Marc Forster
Die Credit Suisse stellt morgen ihr Ergebnis für das dritte Quartal vor.
Die Credit Suisse stellt morgen ihr Ergebnis für das dritte Quartal vor.
Bild: Bloomberg

Die deutsche Commerzbank sagt der Credit Suisse (CS) einen Gewinn von 933 Millionen Franken voraus, was im Vergleich zum Vorjahr in etwa eine Verdoppelung des Reinergebnisses bedeuten würde. Dabei dürfte die zweitgrösste Schweizer Bank davon profitieren, dass die Belastungen durch Rechtsfälle gesunken sind.

"Wir glauben, dass ein Rückgang bei Rechtskosten von 1,81 Milliarden Franken im zweiten Quartal auf 250 Millionen Franken im dritten Quartal in erster Linie für diesen positiven Umschwung sorgt", schreibt Analyst Michael Dunst in einem Kommentar. Zur Erinnerung, die 2,8-Milliarden-Dollar-Busse hat der CS das zweite Quartal verhagelt und einen Reinverlust von 700 Millionen Franken beschert.

Lob für Investmentbank

Vor Steuern dürfte die CS 1,26 Milliarden Franken verdienen, nach 910 Millionen im zweiten Quartal. In der weltweiten Vermögensverwaltung für reiche Kunden profitiert die CS vom stärkeren Dollar, der ihre in Franken anfallenden Kosten verbilligt. Die Investmentbank dürfte ihren Vorsteuergewinn auf 444 Millionen Franken fast verdoppeln, so die Prognose der Commerzbank.

Nicht zuletzt der Anleihenhandel trägt dazu bei: Die Bankenexperten von Goldman Sachs rechnen im Geschäft mit festverzinslichen Papieren, Währungen und Rohstoffen (FICC) mit einer 11-Prozent-Steigerung und im Aktienhandel mit einem 6-Prozent-Anstieg beim Ertrag auf 1,14 beziehungsweise 1,17 Milliarden Franken.

FICC hat sich bei den grossen US-Banken (Bank of America, Morgan Stanley, JP Morgan und Citigroup), die ihre Drittquartalszahlen schon vorgestellt haben, zuletzt gut entwickelt. Dort kletterten die Erträge im FICC um 6 Prozent, im Aktienhandel um 4 Prozent und in den übrigen Investmentbanksparten um 15 Prozent. "Folglich erwarten wir ähnliche Quartalstrends in Europa", schreibt Goldman Sachs.

Vor Steuern dürfte die Investmentbank laut Goldman Sachs mit 793 Millionen Franken 18 Prozent mehr als im Vorjahr und das Wealth Management mit 958 Millionen Franken 19 Prozent mehr als im Vorjahr verdient haben. Goldman Sachs bewertet die CS-Investmentbank gar als die am besten aufgestellte in Europa und verweist ebenso auf die deutlich gesunken Belastungen für Rechtsangelegenheiten.

Dollar schiebt an

Da gut ein Drittel der bei der CS verwalteten Kundenvermögen in Dollar gebucht sind, dürfte allein der um 8 Prozent erstarkte Dollar zu höheren Assets under Management (AuM) und damit besseren Erträge gesorgt haben. Beim Vorsteuergewinn erwarten die Amerikaner 1,11 Milliarden Franken, das wären 30 Prozent mehr als im Vorjahr.

Insgesamt schätzt Goldman Sachs den Reingewinn der Gesamtbank mit 823 Millionen Franken tiefer ein als die Commerzbank. Aber auch dies wäre noch eine Steigerung von ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr.