Schliesstechnik-Unternehmen - Dormakaba-CEO will nichts von neuem Übergangsjahr wissen

Investoren und Analysten sind bei Dormakaba nach der Gewinnwarnung im Juli etwas misstrauisch geworden, sie glauben nicht so recht an baldige Verbesserungen. Dem widerspricht CEO Riet Cadonau im cash-Video-Interview.
11.09.2018 15:49
Von Daniel Hügli
Riet Cadonau, CEO von Dormakaba.
Bild: cash

Am Dienstagmorgen veröffentlichte der Schliesstechnikkonzern Dormakaba die Zahlen für das Geschäftsjahr 2017/2018 (per Ende Juni). Das eigentliche Ereignis dazu fand aber bereits am 19. Juli statt. Damals veröffentlichte Dormakaba eine Gewinnwarnung und kündigte an, dass die Mittelfristziele um zwei Jahre verschoben werden müssen. Das Resultat: Die Aktie tauchte 20 Prozent - an einem Tag.

"Die Ergebnisse waren unter unseren Erwartungen und wir hatten erwartet, dass die Aktie nach unten ausschlagen würde", sagt Riet Cadonau im cash-Video-Interview rückblickend.  "Ich möchte aber betonen, dass das Unternehmen 13 Prozent wächst und dass wir ein sehr gesundes Unternehmen sind."

Trotzdem dauerte es noch ein paar Tage, bis sich die Aktie von dieser negativen Überraschung erholt hatte. Seit dem Tiefpunkt am 24. Juli hat sie nun wieder 18 Prozent zugelegt. Der Titel liegt dennoch immer noch rund 30 Prozent unter dem Rekordstand von 1000 Franken, der im letzten Oktober erreicht wurde. 

Einige Investoren und Analysten, die von der Gewinnwarnung überrumpelt wurden und entsprechend konsterniert waren, erwarten bei Dormakaba ein weiteres Übergangsjahr, wie etwa die Bank Vontobel. Eine Sichtweise, die Riet Cadonau fast ein wenig erzürnt. Er widerspricht heftig. "Wir wollen uns linear verbessern bis ins Jahr 2021", sagt er im cash-Video-Interview.

Hinter den Erwartungen zurück geblieben waren im letzten Geschäftsjahr vor allem die Geschäfte in Deutschland und den USA. Beide Märkte tragen etwa 30 Prozent zum Gesamtumsatz von Dormakaba bei. In Deutschland verzögerte sich ein geplanter Stellenabbau aufgrund von Verhandlungen mit den deutschen Gewerkschaften. In den USA verlangsamten sich das Geschäft mit Bankomatschlössern wie auch das Servicegeschäft mit Drittprodukten. "Sowohl in den USA und in Deutschland müssen wir die Integration abschliessen", sagt Cadonau.

Juli und August im Rahmen der Erwartungen

Bei den Bankomaten konnte das Wachstum in Indien das Minus in den USA nicht kompensieren, sagte Cadonau zudem an der Medienorientierung. Und im Wachstumsmarkt China sei das Potenzial dieses Geschäfts aufgrund der zunehmenden Beliebtheit mobiler Bezahlsysteme begrenzt.

"Wir müssen die Effizienz steigern in den Fabriken, und wir müssen aufgrund der hohen Investitionen ein profitables Wachstum hinkriegen", erklärt Cadonau die Zielvorgaben. Auszahlen sollen sich auch die Ausgaben bei der Digitalisierung. Mindestens 4 Prozent des Umsatzes sollen für Forschung und digitale Transformation verwendet werden. 

Der Umsatz von Dormakaba, die Weltnummer zwei im Schliesstechnikmarkt, stieg wie bereits früher kommuniziert um knapp 13 Prozent auf rund 2,84 Milliarden Franken. Das wichtige organische Wachstum betrug rund 2,6 Prozent gegenüber 4,3 Prozent im Vorjahr. Das organische Umsatzwachstum soll sich im laufenden Geschäftsjahr auf dem Niveau des Vorjahres bewegen. Der Reingewinn stieg 6,3 Prozent auf 239 Millionen Franken. Die Aktionäre erhalten 15 Franken Dividende pro Aktie, das ist 1 Franken mehr als im Vorjahr. 

Statt wie ursprünglich geplant 2018/19 soll die Ebitda-Marge erst spätestens bis im Geschäftsjahr 2020/21 auf 18 Prozent anwachsen. Das organische Umsatzwachstum soll dann bei 200 Basispunkten über dem Wachstum des Bruttoinlandprodukts der für Dormakaba relevanten Märkte liegen. Für das laufende Geschäftsjahr geht das Unternehmen von einer Ebita-Marge im Bereich von 16 bis 16,5 Prozent aus. Die Monate Juli und August 2018 verliefen laut Cadonau gut und im Rahmen der Erwartungen.

Im cash-Video-Interview äussert sich Riet Cadonau auch zur Kritik wegen seines Doppelmandates CEO/Verwaltungsratspräsident, das im Oktober wirksam wird.