Schlüsselmedikament - Roche: Bringt die Ocrevus-Zulassung die erhoffte Wende?

Roche darf das MS-Medikament Ocrevus neuerdings auch in Europa verkaufen. Analysten sind zuversichtlich, dass sich der US-Verkaufserfolg wiederholen lässt.
12.01.2018 10:33
Von Lorenz Burkhalter
Das Roche-Gebäude in Rotkreuz.
Das Roche-Gebäude in Rotkreuz.
Bild: Bloomberg

Roche ist bei den Unternehmen aus dem Swiss Market Index (SMI) für gut 15 Prozent der Gesamtkapitalisierung verantwortlich. Das macht den Genussschein des Basler Pharma- und Diagnostikkonzerns zur drittgewichtigsten Indexkomponente.

Und dennoch fristet der Genussschein von Roche an der Börse seit langem ein Mauerblümchen-Dasein. Am Donnerstagnachmittag tauchten die Kursnotierungen gar auf 244 Franken und damit unter den Stand rund um den Jahreswechsel. Für die vergangenen 12 Monate errechnet sich ein eher mageres Plus von 7 Prozent.

Das könnte sich nun ändern, meldet der Pharma- und Diagnostikkonzern am frühen Freitagmorgen doch die Marktzulassung für das MS-Medikament Ocrevus durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA. Das kommt nach der Zulassungsempfehlung einer Fachgruppe vom November zwar nicht völlig unerwartet, wird in Analystenkreisen jedoch begrüsst.

An der Schweizer Börse SIX erholt sich der Roche-Genussschein folglich um 0,8 Prozent auf 246,50 Franken. Die Tageshöchstkurse liegen bei 247,10 Franken.

Absatzerfolg in den USA lässt hoffen

Ocrevus kommt in Europa sowohl bei der Behandlung von schubförmiger Multipler Sklerose (RMS), als auch als erstes Medikament einer Klasse gegen eine primär progredienter Form der Krankheit (PPMS) zur Anwendung. In den USA ist Ocrevus bereits seit dem letzten Jahr zugelassen und lässt dort die Kasse von Roche klingeln.

Analysten hoffen denn, dass Roche mit Ocrevus auch in Europa Erfolge feiern kann. Die Basler sind dringender denn je auf solche angewiesen, verlieren über die nächsten Jahre doch langjährige Verkaufsschlager wie Rituxan, Avastin und Herceptin den Patentschutz. Ab dann ist es den Herstellern von günstigeren Nachahmerprodukten möglich, eigene Versionen dieser drei Krebsmedikamente anzubieten.

Wie der für die Bank Vontobel tätige Stefan Schneider schreibt, ist die Zulassungsmeldung ein wichtiger Fortschritt bei der Behandlung von an PPMS erkrankten Patienten ein wichtiger Fortschritt. Der Analyst hatte die Marktzulassung von Ocrevus jedoch bereits erwartet und behält deshalb seine Schätzungen unverändert bei. Er empfiehlt den Roche-Genussschein weiterhin mit einem Kursziel von 281 Franken zum Kauf.

Sein Berufskollege Dr. Michael Nawrath von der Zürcher Kantonalbank rechnet aufgrund der deutlich besseren Wirksamkeit bei moderatem Nebenwirkungsprofil mit einer schnellen und mit 40 Prozent relativ hohen Durchdringung in Europa. Helften dürfte auch der rund 25 Prozent tiefer angesetzte Preis im Vergleich zu den modernen oral verfügbaren MS-Medikamenten. Nawrath stuft den Genussschein wie bis anhin nur mit "Marktgewichten" ein.

Wie verkaufte sich Ocrevus im Schlussquartal?

Kurz zuvor in den USA zugelassen, setzte Roche mit Ocrevus im zweiten Quartal 2017 bereits 192 Millionen Franken um. Damit wurden die bei gerade 54 Millionen Franken liegenden Markterwartungen um ein Mehrfaches übertroffen. Im dritten Quartal schwoll der Umsatz sogar auf 308 Millionen Franken an und liess die Erwartungen einmal mehr weit hinter sich zurück.

Am 1. Februar wird Roche im Rahmen der Jahresergebnispräsentation darüber informieren, wie sich Ocrevus im Schlussquartal 2017 verkauft hat. Analysten gehen von einem Umsatzbeitrag zwischen 400 und 480 Millionen Franken aus.

Längerfristig wird dem Multiple-Sklerose-Medikament ein Spitzenumsatz von jährlich 6 Milliarden Franken zugetraut. Damit zählt Ocrevus neben Hemlibra (Hämophilie) und Tecentriq (Krebsimmuntherapie) zu den drei zukünftigen Schlüsselprodukten von Roche.