Schlussquartal - Die Credit Suisse überrascht endlich mal positiv

Die Credit Suisse schneidet im Schlussquartal besser als die Konkurrenz ab. Sowohl auf Gruppenebene als auch in der Vermögensverwaltung werden die Erwartungen übertroffen. Dennoch gerät die Aktie unter Verkaufsdruck.
14.02.2019 11:42
Von Lorenz Burkhalter
Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse Group.
Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse Group.
Bild: Bloomberg

Nach enttäuschenden Jahresabschlüssen bei Julius Bär und UBS lag eigentlich auf der Hand, dass auch die Credit Suisse im Schlussquartal letzten Jahres nicht brillieren würde. Allerdings wartet die Nummer Zwei unter den Schweizer Grossbanken am frühen Donnerstagmorgen mit einem überraschend soliden Quartalsergebnis auf. Trotz einem rückläufigen Geschäftsertrag übertreffen sowohl der Vorsteuergewinn als auch der Reingewinn selbst die höchsten Analystenschätzungen.

Das gilt insbesondere für die beiden wichtigen Geschäftszweige "International Wealth Management" und "Swiss Universal Bank". Doch selbst im Investment Banking fällt der Vorsteuergewinn etwas höher als erwartet aus.

Nach einem frühen Vorstoss bis auf 12,29 Franken wird die CS-Aktie an der Schweizer Börse SIX zur Stunde noch mit einem Minus von 2,4 Prozent auf 11,73 Franken abgestraft. Die Tagestiefstkurse liegen gar  in der Nähe von 11,65 Franken. Beobachter erklären sich den plötzlichen Stimmungsumschwung mit einem allgemein schwächeren europäischen Bankensektor.

Kostenseitige Fortschritte werden gelobt

Wie der Bankenanalyst der Zücher Kantonalbank schreibt, ist es der CS in einem widrigen Umfeld möglich gewesen, ein respektables Ergebnis zu erzielen. Wie er weiter schreibt, überraschen insbesondere die Vermögensverwaltungseinheiten. Etwas enttäuscht zeigt sich der ZKB-Analyst hingegen von der Dividende. Seines Erachtens könnte diese manchen Investoren nicht gefallen. Dasselbe gilt für die geringere Nettoneugeldentwicklung, wobei die Grossbank aber immer noch deutlich besser als die Konkurrenz abschneidet. Das Anlageurteil lautet deshalb weiterhin "Übergewichten".

Die für die Royal Bank of Canada tätige Berufskollegin lobt hingegen die auf der Kostenseite erzielten Fortschritte. Die Kosten seien im Schlussquartal um 7 Prozent tiefer als erwartet ausgefallen, schreibt sie. Auch am starken Ergebnisbeitrag aus dem "Wealth Management" findt die Analystin sichtlich Gefallen. Einziges Haar in der Suppe sei das etwas enttäuschende Abschneiden bei Global Markets, so heisst es weiter. Die CS-Aktie wird bei der Royal Bank of Canada mit "Outperform" und einem Kursziel von 14,50 Franken zum Kauf empfohlen.

Der Bankenanalyst der UBS räumt hingegen ein, die Widerstandsfähigkeit der Erträge bei der CS rückblickend unterschätzt zu haben. Er sieht seine Schätzungen an den Vorsteuergewinn im vierten Quartal um das Doppelte übertroffen. Die leicht rückläufige Kernkapitalquote und die nicht gerade sehr grosszügige Dividende erklärt sich der UBS-Analyst mit einem starken Neugeschäft und den damit verbunden höheren risikogewichteten Aktiven. Diese binden zusätzliches Kapital. Auch bei der UBS wird die CS-Aktie zum Kauf empfohlen. Das 12-Monats-Kursziel lautet 15 Franken.

Wieviel Negatives steckt im Aktienkurs?

Die Bank Julius Bär sieht die Versprechen der CS mit dem stärker als erwartet ausgefallenen Schlussquartal vollumfänglich erfüllt. Sie spielt damit auf die anlässlich des Investorentages vom Dezember kommunizierten Zielvorgaben an. Dennoch empfiehlt Julius Bär die CS-Aktie mit "Reduce" und einem Kursziel von 10 Franken weiterhin zum Verkauf.

Seit Ende Dezember konnte die CS-Aktie zwar zu einer Gegenbewegung ansetzen und um knapp 12 Prozent zulegen. Allerdings errechnet sich im Jahresvergleich noch immer ein sattes Minus von fast 30 Prozent. Damit schneidet die Aktie deutlich schlechter als der um fast 3 Prozent höhere Swiss Market Index (SMI) ab.

Auf den diesjährigen Analystenerwartungen errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von gerademal 9. Das ist weniger als Anleger für die Aktien der beiden engsten Rivalen UBS und Julius Bär zu bezahlen bereit sind. Händler begründen die offensichtliche Diskrepanz mit der höheren Kapitalbindung sowie den dadurch verhalteneren Dividendenaussichten. Allerdings spiegle sich schon viel Negatives im Aktienkurs wider, so heisst es weiter. Im Wissen um das vergleichsweise solide Abschneiden der Grossbank trauen dieselben Händler der CS-Aktie eine kräftige Kurserholung zu.