Schmidheiny: «Eine logische Fortsetzung»

Nach der Holcim-GV äussert sich Thomas Schmidheiny, grösster Aktionär von Holcim, im Interview mit cash.ch zum Zusammenschluss des Zementriesen mit Lafarge - und was Aktionäre von der Fusion erwarten dürfen.
10.05.2015 12:01
Interview: Daniel Hügli, Zürich Oerlikon
Thomas Schmidheiny bleibt bei LafargeHolcim grösster Aktionär.

cash: Herr Schmidheiny, die Zustimmung der Holcim-Aktionäre zur Kapitalerhöhung, das heisst zum Zusammenschluss von Holcim mit Lafarge, war mit 94 Prozent unerwartet hoch. Hat Sie das Resultat auch überrascht?

Thomas Schmidheiny: Eigentlich nicht dermassen. Wir haben im Vorfeld gesehen, dass die grossen Fonds wie Harris ihre Zustimmung geben würden. Ein Schlüssel war sicher auch die Haltung von ISS (einflussreicher US-Aktionärsberater, Anm. der Red.) heute. ISS hat schlussendlich ebenfalls gesagt: 'Do it'. Das hat sehr viel geholfen. 

Die Hauptkritik an einem Zusammenschluss dieser Grösse ist ja, dass jahrelang Ressourcen gebunden werden. Rechnen Sie mit einer Durststrecke für die neue Firma, auch für den Aktionär?

Es wurde kommuniziert, dass wir Synergien in drei Jahren sehen werden. Und die Integrationsteams sind übrigens schon seit acht Monaten am Werk. Da ist also schon enorm viel gearbeitet worden. Diese Leute wissen, was beim 'Day One', der ja übrigens nicht heute ist, zu tun ist. In der Konzernleitung wird es eine sehr starke Gruppe geben, die länderbezogen arbeiten wird. Diese Leute sind alle mehr oder weniger bekannt. Ich finde, das ist eine gute Voraussetzung.

Früher Holderbank, jetzt Holcim, in Zukunft LafargeHolcim. Welcher Stellenwert hat der heutige Tag für Sie als Holcim-Hauptaktionär?

Für mich persönlich als Unternehmer ist der heutige Tag fast eine logische Fortsetzung. Wir haben schon 2002 eine Grundlage geschaffen mit der Einführung der Namenaktie und 'One share, one vote'. Holcim ist ein Unternehmen, das global gesehen immer nur eine mittlere Grösse hatte. Wir sind zum Schluss gekommen, dass das nicht richtig ist. Attraktiv sind nun zwei Sachen: Lafarge ist in Sachen Innovationen klar weiter. Das zweite: Wir können zusammen nun Märkte bearbeiten, in denen Holcim nie präsent war. Im Mittleren Osten waren wir bislang nur im Libanon. Das andere ist Afrika, wo Lafarge traditionell in französischsprachigen Ländern gut vertreten ist. Ich persönlich bin der Meinung, dass Afrika in Sachen Infrastruktur einer der interessantesten Märkte sein kann.

Und zur Feier des Tages gönnen Sie sich heute ein feines Nachtessen mit einer Flasche guten Wein?

Nein. Ich habe heute Abend meine Primarschulkollegen eingeladen, weil wir dieses Jahr alle 70 werden (lacht).