Schock? Schweizer Börse nach Trump-Wahl im Höhenrausch

Die Schweizer Börse hat am Mittwoch nach der Wahl des Republikaners Donald Trump zum 45. US-Präsidenten kräftig zugelegt.
09.11.2016 17:35
In New York wird der Wahlsieg Donald Trumps gefeiert - und die Schweizer Börse feiert mit.
In New York wird der Wahlsieg Donald Trumps gefeiert - und die Schweizer Börse feiert mit.
Bild: Bloomberg

Der Schock, dass der wegen seiner Unberechenbarkeit als Börsenschreck geltende Trump ins Weisse Haus einzieht, habe rasch einer breiten Erleichterung unter den Anlegern Platz gemacht, heisst es am Markt. "Die Marktteilnehmer haben aufgeatmet, dass die lange Phase der Ungewissheit, wer Präsident wird, endlich vorbei ist", sagt ein Händler.

Der SMI baut die Gewinne bis Börsenschluss auf 2 Prozent aus und notiert bei 7896 Punkten. Im vorbörslichen Handel war der Leitindex noch um 3 Prozent tiefer indiziert worden.

"Das Unerwartete ist eingetreten. Hillary Clinton hat die Wahlen verloren", sagt ein Händler. "Wie heisst es so schön? Politische Börsen haben kurze Beine", sagt ein anderer. Es gebe Sachzwänge, über die sich niemand hinwegsetzen könne. "Wir dürften rasch mit der neuen Lage zurechtkommen", sagt ein anderer Börsianer.

Pharmatitel auf Höhenflug

Die Pharmainvestoren seien erleichtert, weil dies für die Branche hinsichtlich der Medikamentenpreise positiv sei. Die unterlegene demokratische Präsidentschaftskandidatin hatte Massnahmen gegen hohe Medikamentenpreise geplant. Im Gesundheitssektor dürfte sich die Angst vor drakonischen Preissenkungen und damit auch vor schrumpfenden Gewinnmargen damit nun legen, erklären Händler.

Der grösste Teil der Indexgewinne ist denn auch den Pharmaschwergewichten Roche und Novartis geschuldet. Sie steigen um 5 und 4,4 Prozent. Der Biotechnologiewert Actelion rückt um 5,2 Prozent vor. Diese drei Titel machen 139 der insgesamt fast 154 Zähler aus, um die der SMI steigt.

Am breiten Markt führen ebenfalls Aktien aus dem Gesundheitsbereich die Gewinner an: Basilea steigen um 4,5 Prozent und die Titel der Beteiligungsgesellschaft BB Biotech legen 12,6 Prozent zu. Auch die Titel von Galenica, Cosmo und Santhera reihen sich unter die Gewinner ein.

Die Aktien der ebenfalls als defensiv eingestuften Lebensmittelhersteller schwächen sich ab. Nestlé sinken um 1,1 Prozent. Barry Callebaut, Aryzta und Lindt & Sprüngli ermässigen sich ebenfalls.

Zykliker drehten ins Plus

Aktien zyklischer Firmen drehten in die Gewinnzone. Die Anteile des Personalvermittlers Adecco, des Uhrenherstellers Swatch, des Elektrotechnikkonzerns ABB und des Zementriesen Lafarge-Holcim rücken um bis zu 3,8 Prozent vor. Die Industriewerte Oerlikon und Sulzer steigen mehr als 1 Prozent. Die Papiere des Luxusgüterherstellers Richemont verlieren 0,3 Prozent.

Zu den wenigen schwächeren Bluechips zählen auch die Titel von Syngenta mit minus 1,2 Prozent. Die Anleger sorgten sich, dass wegen des US-Wahlergebnisses die Übernahme des Saatgutherstellers durch Chem China weiter verzögert werden könnte, sagt ein Händler. Trump gilt als eher protektionistisch und hat im Wahlkampf Strafzölle unter anderem gegen China angekündigt. "Gerade hier könnte Trump einen Pflock einschlagen", sagt ein Börsianer.

Die Anteile der UBS machen mit plus 1,6 Prozent die Abschläge mehr als wett. Credit Suisse notieren 3,6 Prozent fester. Julius Bär steigen um 3,1 Prozent.

Versicherngsaktien ebenfalls im Lift nach oben

Die Assekuranztitel stimmten ebenfalls in den Aufwärtstrend ein. Swiss Life sind 1,2 Prozent höher. Der grösste Schweizer Lebensversicherer ist nach neun Monaten mit angezogener Handbremse unterwegs. Die Prämieneinnahmen sanken um 8 Prozent auf 13,36 Milliarden Franken. Konzernchef Patrick Frost bekräftigte, dass Swiss Life auf Kurs zu seinen Jahreszielen ist. Gewinnzahlen veröffentlicht das Unternehmen nur zum Halbjahr und am Jahresende.

Zurich gewinnen am Tag vor dem Quartalsbericht 1,2 Prozent.

(Reuters)