Schokolade - Lindt&Sprüngli senkt den Ausblick

Der Premiumschokoladen-Hersteller Lindt & Sprüngli hat im ersten Halbjahr 2017 zwar etwas mehr umgesetzt und verdient, bleibt aber hinter den Schätzungen zurück. Zudem senkt der Konzern den Ausblick.
25.07.2017 08:26
Geschäft von Lindt & Sprüngli in Paris.
Geschäft von Lindt & Sprüngli in Paris.
Bild: cash

Der Premiumschokoladen-Hersteller Lindt & Sprüngli hat im ersten Halbjahr 2017 zwar etwas mehr umgesetzt und verdient, bleibt aber hinter den Schätzungen zurück. Vor allem die vor einiger Zeit übernommene US-Firma Russell Stover schwächelt. Für das Gesamtjahr 2017 erwartet der Konzern deshalb ein Umsatzwachstum leicht unter Vorjahr. Dies ist etwas weniger als bisher kommuniziert.

Der Umsatz stieg im Berichtssemester um 3,1% auf 1,55 Mrd CHF. Das organische Wachstum der Gruppe lag damit bei 3,6%, ohne Russell Stover wären es +6,6%. Der Betriebsgewinn (EBIT) der Gruppe stieg derweil um 6,7% auf 105,0 Mio mit einer leichten Margenverbesserung auf 6,8% (+20 BP). Unter dem Strich blieb ein 5,7% höherer Reingewinn von 76,3 Mio CHF. Die vorgelegten Zahlen liegen vor allem bezüglich organischem Wachstum klar unter den Schätzungen.

«Schwierige Rahmenbedingungen»

Lindt spricht in der Mitteilung von "unverändert für die gesamte Industrie äusserst schwierigen Rahmenbedingungen" im ersten Halbjahr. Stagnierende bis nur leicht wachsende Schokolademärkte, eine weitreichend verhaltene Konsumentenstimmung und Veränderungen in der Handelslandschaft hätten die Branche vor grosse Herausforderungen gestellt. Lindt & Sprüngli sei es dennoch gelungen, Marktanteile in strategisch wichtigen Märkten zu gewinnen.

Von "gutem Wachstum" spricht Lindt in Europa. Das Segment erwirtschaftete einen Umsatz von 759,8 Mio CHF und wuchs damit organisch um 6,0%. Der Schweizer Heimatmarkt habe trotz Einkaufstourismus und zunehmender Expansion der Hard-Discount-Ketten ein positives Umsatzresultat erzielt. Besonders hervorzuheben seien aber die "sehr guten Ergebnisse" der Tochtergesellschaften in Deutschland und England. Erfreulich sei auch die Entwicklung in den Aufbaumärkten Russland, Polen und Tschechien.

Im Segment "Nafta" ergab sich wegen Russell Stover ein organischer Rückgang von 3,0%, der Umsatz erreichte 558,1 Mio CHF. Die strategische Neuausrichtung des traditionsreichen US-Schokolade-Herstellers schreite zwar voran, benötige aber mehr Zeit als ursprünglich angenommen, so Lindt in der Mitteilung. Nach der Eliminierung von nicht profitablen Produkten seien neue Konzepte entwickelt worden, um das Geschäft wieder anzukurbeln. Für die zweite Jahreshälfte sei zudem der Relaunch der zuckerfreien Linie geplant.

Das US-Geschäft sei aber auch vom stagnierenden Gesamtschokolademarkt und einer sich verändernde Handelslandschaft beeinflusst worden. So gewinne der E-Commerce-Kanal immer mehr an Bedeutung, und der für das US-Geschäft wichtige Drug-Store-Kanal befinde sich in einer Umstrukturierung hin zu gesünderen Produkten. Die beiden anderen US-Marken Lindt und Ghirardelli wuchsen den Angaben zufolge derweil leicht schneller als der Markt.

Ausblick: Weniger Umsatz als im Vorjahr

Das Segment "Rest der Welt" habe vor allem in den Aufbaumärkten Brasilien, China, Japan und Südafrika "sehr erfreuliche Fortschritte" erzielt, so Lindt weiter. Der Umsatz des Segments belief sich auf 230,8 Mio CHF, was einem organischen Wachstum von 14,0% entspricht. Auch das Global Retail Geschäft mit eigenen Lindt-Shops befinde sich "weiterhin auf Erfolgskurs". Im ersten Halbjahr gab es laut Lindt über 20 Neueröffnungen an attraktiven Premium-Shoppinglagen in Japan, Kanada und Europa.

Bezüglich Ausblick ist Lindt wegen Russell Stover etwas vorsichtiger geworden als noch vor ein paar Monaten. Das Management erwartet für das zweite Halbjahr 2017 zwar eine Beschleunigung des Umsatzwachstums. Aufgrund der momentanen Entwicklungen in Nordamerika gehe man jedoch davon aus, dass das Wachstum im Gesamtjahr leicht unter demjenigen des Vorjahrs ausfallen werde, dies bei einer höheren Betriebsgewinnmarge, heisst. Bisher war von einem organischen Wachstum im Rahmen des Vorjahres (6,0%) mit steigender Marge die Rede gewesen.

"Wir sind aber weiterhin zuversichtlich, innerhalb unserer Industrie immer noch weit überdurchschnittlich zu wachsen", betont Lindt. Das strategische Langfristziel von einem jährlichen organischen Wachstum von 6-8% sowie einer Verbesserung der EBIT-Marge um 20 bis 40 Basispunkte wird denn auch bestätigt, wie einer Präsentation zu den Halbjahreszahlen zu entnehmen ist. Ausserdem seien Effizienz- und Kostensparprogramme zur zusätzlichen Cash-Generierung bereits am Laufen, heisst es. Die Einsparungen daraus sollen zumindest teilweise in zukünftiges Wachstum investiert werden.

(AWP)