Schuldscheine - Konkurrenz für den wackligen Hochzins-Markt

Die wachsende Vorsicht der Investoren bei Hochzins-Anleiheemissionen könnte die Schuldner veranlassen, ihre Aufmerksamkeit auf den scheinbar unverwüstlichen Schuldscheinmarkt zu richten.
13.10.2018 16:29
Konkurrenz für den wackligen Hochzins-Markt
Bild: pixabay.com

In den letzten Wochen wurden fünf Euro-Bondemissionen abgesagt, darunter zwei hochverzinsliche Unternehmensanleihen, da die Sorgen mit Blick auf Italien und einen Brexit den Appetit der Anleger bremsten. Schuldscheine waren weniger betroffen, mehr als 20 Transaktionen wurden seit Anfang letzten Monat lanciert. Zwei der potenziellen Emittenten - der italienische Schiffbauer Fincantieri und die in Berlin ansässige ADO Properties - debütieren am Markt, nachdem sie zuvor in diesem Jahr Bondemissionen erwogen hatten.

Schuldscheinemissionen sind gegenüber finanzieller Volatilität robuster als Anleihen, zum Teil, weil der auf Deutschland konzentrierte Markt von Investoren, die die Papiere langfristig halten, dominiert wird und so weniger von kurzfristigen Schwankungen betroffen ist. Zudem müssen Kreditinstitute bei der Erstellung ihrer Bilanz keine Marktbewertung für Schuldscheine verwenden, was bedeutet, dass ein Ausverkauf sich nicht auf ihren Gewinn auswirkt.

Schuldscheininvestoren "fürchten keine Neuberechnungen zum Marktwert", so dass sie von schwachen Marktbedingungen weniger betroffen sind als Bond-Käufer, sagt Maron Grimme, leitender Direktor bei der NordLB. Er sagte auch, dass verschiedene Emittenten mit Refinanzierungsbedarf kürzlich auf Schuldscheine umgestiegen seien, ohne Namen zu nennen.

Absage wegen möglicher Bestechung

Fincantieri plant einen Schuldschein im Volumen von 100 Millionen Euro, nachdem die Gesellschaft sich im Mai gegen eine Anleiheemisison über 300 Millionen Euro entschied. Mit der Veränderung sollen "die Finanzierungsquellen in einem volatilen Umfeld diversifiziert werden", sagte Matteo Masi, Leiter Investor Relations beim Schiffsbauer. Die Erlöse sind für allgemeine Unternehmenszwecke vorgesehen.

Auch ADO-Properties hat einen 100-Millionen-Euro-Schuldschein am Markt. Seine beiden Versuche, Anleihen in diesem Jahr zu platzieren, wurden durch eine Bestechungsuntersuchung in Israel beeinträchtigt, die sich auf eine Tochtergesellschaft konzentrierte. Bei ADO selbst wird nicht untersucht, wie das Unternehmen mitteilte. Es hat nicht auf E-Mails von Bloomberg News bezüglich des Schuldscheins geantwortet.

Der Touristikkonzern TUI hat bereits in diesem Jahr die zunehmende Aufnahmefähigkeit des Schuldscheinmarktes gezeigt. Er konnte im Juni eine Transaktion über 425 Millionen Euro absetzen - mehr als das Doppelte des ursprünglich geplanten Volumens - ein paar Monate nach der Verschiebung einer geplanten Bondemission von 400 Millionen Euro.

Nachteil: Höhere Fremdkapitalkosten

Ein Nachteil von Schuldscheinen können höhere Fremdkapitalkosten sein, insbesondere für Emittenten aus nicht deutschsprachigen Ländern. Die Preise für fünfjährige Anleihen lagen dieses Jahr im Durchschnitt 82 Basispunkte über den Benchmark-Zinssätzen für alle Unternehmensschuldner, gegenüber 57 Basispunkten für Anleihen, gemäss Daten von Bloomberg.

Jedoch bieten Schuldscheine viel weniger Formalitäten als Anleihen, die Term Sheets sind selten mehr als ein paar Seiten lang sind und normalerweise sind keine Halbjahresergebnisse erforderlich. Transaktionen können auch auf verschiedene Währungen aufgeteilt werden. Die Nachfrage hat sich auch in diesem Jahr gehalten, Emittenten wie beispielsweise Deutsche Post und der Reifenhersteller Pirelli. weiteten in den letzten Monaten aufgrund des grossen Investoreninteresses geplante Emissionen aus.

"Schuldscheine bieten nicht die gleiche Tiefe bei der Marktliquidität wie Anleihen, aber für Beträge von bis zu 500 Millionen Euro und für Laufzeiten von nicht mehr als 10 Jahren ist es eine praktikable Alternative", sagte Reinhard Haas, von der Commerzbank.

(Bloomberg)