Schwache Wirtschaft beschäftigt Japans Notenbank

Schwache Daten der Industriebetriebe und des Einzelhandels bringen die japanische Notenbank weiter unter Zugzwang.
31.10.2016 07:15
Die Bank of Japan in Tokio bei Regen.
Die Bank of Japan in Tokio bei Regen.
Bild: Bloomberg

Vor allem die überraschende Stagnation bei der Industrieproduktion dürfte ein wichtiges Thema bei der am Montag beginnenden, zweitägigen Sitzung der Währungshüter sein - ist sie doch ein Beleg dafür, wie schwer es ist, die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Nachdem die Produktion im August noch einer der wenigen Hoffnungsschimmer für die japanische Konjunktur gewesen war, blieb sie im September weit hinter den Erwartungen zurück.

Das Volumen der Industrieproduktion habe sich im September im Vergleich zum Vormonat nicht verändert, teilte die Regierung am Montag in Tokio mit. Von Bloomberg befragte Analysten hatten dagegen mit einem Anstieg um fast ein Prozent und damit einer Fortsetzung des jüngst positiven Trends bei diesem Indikator erwartet. Experten wie der Mizuho-Volkswirt Toru Suehiro rechnen jetzt auch mit schwachen Daten beim Bruttoinlandsprodukt. Diese werden in zwei Wochen veröffentlicht.

Keine langfristigen Treiber

Es gebe keinen Bereich, der die Konjunktur langfristig antreibt. Aus diesem Grund dürften die Rufe nach weiteren Massnahmen der Regierung und Notenbank wieder lauter werden, sagte Suehiro. Eines der grössten Probleme für Japan ist der in den vergangenen Monaten starke Yen.

Die heimische Währung zog im bisherigen Jahresverlauf trotz der Bemühungen der Notenbank, diese zu schwächen im Vergleich zum Dollar um 15 Prozent an. Dies belastet den für Japan wichtigen Export von Waren und damit die Investitionsbereitschaft von Unternehmen.

Die in den vergangenen Wochen veröffentlichten Konjunkturdaten wie die Verbraucherpreise oder Daten vom Aussenhandel hatten ein schwaches Bild der Wirtschaft mit wenigen Hoffnungsschimmern gezeichnet. So blieb die Preisentwicklung weiter deutlich hinter dem Ziel der japanischen Notenbank (BoJ) zurück. Diese will die Inflation auf zwei Prozent erhöhen und versucht dies seit Jahren mit einer extrem lockeren Geldpolitik.

Anleihenrenditen im Minus

Da sie das unter anderem mit massiven Anleihekäufen erreichen will, waren die Renditen japanischer Staatsanleihen mit langer Laufzeit zuletzt deutlich ins Minus gerutscht. Dies ist vor allem für die Banken ein Problem. Um diesen Trend zu stoppen, hatte sich die Notenbank vor kurzem mehr Spielraum verschafft.

Mit dem Ziel, die Renditen von zehnjährigen Anleihen nicht noch weiter zu drücken, könnten die Notenbanker künftig verstärkt Wertpapiere mit kürzeren Laufzeiten kaufen. Denkbar ist auch, dass die Notenbanker stärker auf risikoreichere Wertpapiere wie Indexfonds auf Aktien (ETFs) setzen. Am Dienstag veröffentlicht die Notenbank ihre neue Prognose zu den Inflationserwartungen und äussert sich zu ihrer Politik.

(AWP)