Schweden-Pensionsfonds ist glücklich fast ohne Bonds

Im Gegensatz zu vielen anderen Pensionsfonds kann sich der schwedische AP7 Fonds im Volumen von 300 Milliarden Kronen (31 Milliarden Euro) grösstenteils von den Bondmärkten fernhalten.
15.10.2016 09:35
Der schwedische Pensionsfonds AP7 setzt auch bei stürmischer See auf Aktien.
Der schwedische Pensionsfonds AP7 setzt auch bei stürmischer See auf Aktien.
Bild: pixabay.com

Richard Grottheim - der Fondsmanager - ist bemerkenswert positiv gestimmt. Angesichts zunehmender politischer Risiken in Europa und den USA und von Zentralbanken, die immer neue Geldfluten über den Finanzmärkten ausgiessen, sagte Grottheim, es werde schon alles gut werden. Zumindest wenn man 40 Jahre nach vorne blickt.

"Man kann darüber reden, wie langfristiges Potenzialwachstum und die Gewinnentwicklung in der Welt von den Dingen beeinflusst werden, die wir jetzt sehen", erklärte er im Interview mit Bloomberg News. "Es ist schwer zu sehen, wie sich der Ausblick fundamental verändert hat, auch wenn es, natürlich, eine Anzahl kurzfristiger Risiken gibt."

AP7 ist einer von fünf staatlichen schwedischen Pensionsfonds und hält weniger als acht Prozent seiner Investments in Bonds, die zudem eine kurze Duration von rund zwei Jahren haben. Zum Vergleich: im Durchschnitt hielten Pensionsfonds in der OECD im vergangenen Jahr mehr als 50 Prozent ihres Portfolios in Bonds, wie aus einer Studie vom Juni hervorgeht. Und das wird teuer, in einer Zeit, die von negativen Zinsen dominiert wird.

AP7 betreut zwei Fonds: einen Aktienfonds im Volumen von 281 Mrd. Kronen und ein 23 Mrd. Kronen schweres Portfolio für Festverzinsliche. Für die letzten zwei Jahre kommt der Aktienfonds auf einen Ertrag von durchschnittlich zehn Prozent, während die Bonds 1,4 Prozent eingebracht haben.

In Schwellenländermärkte investieren

Der Pensionsfonds will nun die Erträge steigern, indem er stärker in kleine Aktien und Schwellenländermärkte investiert.

"Wenn die Emerging Markets wachsen, werden neue Märkte für Unternehmen geschaffen, und das ist gut für die Gewinne", sagte Grottheim. "Das Wachstum in China ist schwächer geworden, ja, aber das muss nicht negativ sein", da chinesische Politiker ziemlich klar sagten, dass sie eine vom Konsum geleitete Wirtschaft wollen, was gut für die Welt sei.

Andere Risiken, wie etwa die Brexit-Entscheidung der Briten oder die potenzielle Wahl von Aussenseitern wie Donald J. Trump in den USA und Marine le Pen in Frankreich, werden Grottheim zufolge nur begrenzte Auswirkungen auf die Märkte haben.

Protektionismus und Nationalismus sind zwar Risiken, sie sind aber auch ein Symptom der Globalisierung, die harmlos und gut für Aktien ist, da sie das Wirtschaftswachstum ankurbelt.

Zinsanstieg wird problematisch

"Ein Grund, weshalb es schwierig ist, die Inflation anzuschieben, ist, dass wir ein unglaubliches Überschussangebot beim Faktor Arbeit weltweit haben", sagte Grottheim. "Das ist gut, aber auch ein Druck, der die politischen Kräfte stärkt, die wir heute sehen."

Die niedrigen Zinsen seien eine Herausforderung für Pensionsfonds, die in ihren Portfolios grössere Anteile an Bonds halten, meinte Grottheim. Die grössten Sorgen müsse man sich dann an dem Tag machen, an dem die Zinsen zu steigen beginnen, "insbesondere am langen Ende der Kurve", sagte er, "dagegen kann man sich schwer wappnen."

"Ich wäre beunruhigt, wenn ich ein 40:60 Portfolio aus Zinsen und Aktien hätte und eine lange Laufzeit, weil man dem eindeutig schwer entfliehen kann", wenn die Zinsen steigen, sagte Grottheim.

(Bloomberg)