«Schweiz soll kein Spekulationsobjekt sein»

Weitere Interventionen der SNB und Devisen-Kontrollen sind denkbar, um den Franken zu schwächen, sagt Ökonom Hans-Werner Sinn im Video-Interview. Und: Die EZB könne es sich nicht leisten, die Zinsen anzuheben.
01.04.2015 13:58
Von Ivo Ruch
Wenn Hans-Werner Sinn etwas sagt, hören viele genau hin.
Bild: cash

In den letzten Wochen ist der Franken zum Euro erneut stärker geworden und mittlerweile bei 1,042 angekommen. Die starke Heimwährung werde für die Schweizer Exportwirtschaft schon problematisch, sagt Hans-Werner Sinn im Video-Interview. "Vielleicht geht der Kurs auch Richtung Parität", so der Präsident des einflussreichen Ifo-Instituts in München. Gehe es noch weiter, müsste man erneut intervenieren oder zu einer Kontrolle des Devisenverkehrs mit dem Ausland übergehen. "Denn es kann nicht sein, dass die Schweiz nur als Spekulationsobjekt verwendet wird", so Sinn.

Als einer der meist zitierten deutschsprachigen Ökonomen erhebt Hans-Werner Sinn seine Stimme schon lange für einen Konkurs Griechenlands und für den Austritt des Landes aus der Euro-Zone. Doch gleichzeitig glaubt er nicht, dass es soweit kommen wird. Die Europäische Union werde mit weiterem Geld versuchen, Griechenland in der Euro-Zone zu halten, glaubt Sinn. Vor allem wegen der aussenpolitischen Implikationen, die ein Austritt hätte. "Man denke nur an Russland und damit verbundene Gefahren", so Sinn.

Dennoch haben sich die Märkte schon lange auf einen sogenannten "Grexit" vorbereitet. Die Märkte seien unbeeindruckt von der Griechenland-Gefahr, sagt der Ifo-Chef. "Die Begründung ist, dass die privaten Investoren sich aus Griechenland schon lange zurückgezogen haben. Es fällt keine europäische Bank um wegen Griechenland."

Zinsen noch lange tief

Griechenland ringt seit Wochen mit seinen internationalen Geldgebern um die Bedingungen für weitere Finanzhilfen. Sie müssen grünes Licht geben für einen Reformplan aus Athen, der Basis für die Auszahlung von 7,2 Milliarden Euro aus dem Rettungsprogramm von insgesamt 240 Milliarden Euro werden soll. Wie bereits im Vormonat hätten auch im März rund 37 Prozent der Anleger mit dem Austritt mindestens eines Landes aus der Eurozone gerechnet, teilte das Analysehaus Sentix am Dienstag nach einer Umfrage unter rund 1000 Investoren mit.

Die weitaus grössere Gefahr für die Euro-Zone sieht Hans-Werner Sinn in der Geld- und Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). "Ich weiss nicht, wie die EZB jemals wieder rauskommen will aus ihrer Politik." Wenn die EZB zu normalen Zinsen zurückkehren würde, würden reihenweise Staaten und Banken purzeln, so Sinn. Die Konsequenz: "Die Zinsen werden noch ganz lange ganz niedrig bleiben müssen."

Im Video-Interview sagt Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zudem, ob die Hausse an den Aktienmärkten seiner Meinung nach weiter geht.

(mit Material von AWP)