Schweizer Aktien - Die diskrete Rückkehr der SMI-Schwergewichte

Nach langem Kriechgang stehen die Schweizer Börsen-Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche wieder in der Anlegergunst.
11.07.2018 17:13
Von Ivo Ruch
Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey.
Der Hauptsitz von Nestlé in Vevey.
Bild: Bloomberg

Und plötzlich stehen sie wieder zuoberst: Die Genussscheine von Roche (+6,2 Prozent) und die Aktien von Nestlé (+5,9 Prozent) sind mit Blick auf die letzten vier Wochen die besten Titel des Swiss Market Index (SMI). Auch das dritte Schwergewicht, Novartis, kommt mit 1,5 Prozent auf eine positive Bilanz. Zusammen sind die drei Titel für mehr als 50 Prozent der SMI-Performance verantwortlich.

Vor kurzem sah das noch ganz anders aus. Nach einem durchzogenen 2017 starteten die SMI-Zugpferde schwach ins neue Jahr. Nach den ersten sechs Monaten blieben Nestlé, Novartis und Roche in ihrer Kursentwicklung alle hinter dem Gesamtmarkt zurück (cash berichtete). Das Fazit lautete damals: abwarten und beobachten.

Wer jüngst eingestiegen ist, wurde jedoch belohnt. Besonders eindrücklich ist der Turnaround beim Pharmakonzern Roche. Alleine seit Anfang Juni und dem tiefsten Stand in mehr als fünf Jahren (206 Franken) hat sich der Titel rund 8 Prozent verteuert. Für Roche-Anleger ist das allerdings nur ein schwacher Trost. Im Vergleich zu vor einem Jahr steht der "Bon" immer noch 8 Prozent im Minus (siehe Tabelle am Artikelende).

Roche: Plötzlich alles gut?

Wie der folgende Chart zeigt, hat sich Roche über die letzten Monate mehrheitlich schlechter entwickelt als der SMI. Immer noch sind die Zeiten weit weg, als Kurse von fast 300 Franken bezahlt wurden wie zuletzt im Dezember 2014.

Skepsis herrschte in jüngster Zeit vor allem aufgrund auslaufender Patente umsatzstarker Medikamente. Ungewissheit ging zudem vom Massnahmenpaket der US-Regierung zur Eindämmung ausufernder Medikamentenpreise aus. Roche-CEO Severin Schwan musste sich in seinem zehnten Amtsjahr immer wieder den Vorwurf der Ideenlosigkeit anhören.

Roche-Genussschein (rot) und SMI (grün) in den letzten fünf Jahren (Quelle: cash.ch)

Sind diese Zweifel nun plötzlich weggefegt? Roche konnte in den letzten Wochen einige Erfolge vermelden. So zum Beispiel positive Studiendaten zum Krebsmittel Tecentriq oder Fortschritte bei der Behandlung von Bluterkrankheiten mit Hemlibra.

Im Fall von Novartis war es in erster Linie der angekündigte Spin-off der Augensparte Alcon, der einen Kursschub auslöste. Bei Nestlé wiederum scheint das Vertrauen in die gross angelegten Umbaupläne von CEO Mark Schneider allmählich zuzunehmen.

Zykliker unter Druck

Die defensiven Schwergewichte dürften aber auch von den jüngsten politischen Entwicklungen, insbesondere den Handelsstreitereien, profitiert haben. Die nicht enden wollenden Drohgebärden zwischen den USA und China schüren die Angst vor einem internationalen Handelskrieg. Viele Ökonomen gehen deshalb davon aus, dass der globale Konjunkturaufschwung seinen Höhepunkt schon hinter sich hat.

Aktien, die besonders sensibel auf konjunkturelle Schwankungen reagieren, haben in den letzten vier Wochen denn auch am meisten verloren, darunter ABB, Sika, Swatch, LafargeHolcim oder Richemont (alle zwischen -7 und -10 Prozent). An ihrer Stelle sind nun die defensiven Aktien in der Anlegergunst gestiegen, die in der Tendenz auch attraktivere Dividenden bezahlen.

Viele Marktbeobachter rechneten schon viel früher mit einem Comeback der Schwergewichte. Roche zum Beispiel gehörte zu Jahresbeginn bei vielen Aktienstrategen zu den Favoriten. Fondsmanagerin Meret Gaugler sagte im März zu cash.ch, die zu erwartenden News aus der Medikamenten-Pipeline von Roche würden vom Markt noch zu wenig berücksichtigt.

Ob man bei Nestlé, Novartis und Roche bereits von einem Comeback sprechen kann, ist allerdings fraglich. Die Aktienmärkte sind in den letzten Wochen wieder deutlich nervöser geworden, Stimmungswechsel können schnell vonstattengehen. Dasselbe gilt für die unberechenbaren Manöver des US-Präsidenten im viel beachteten Handelsstreit. In einem stark fallenden Markt würden die defensiven Aktien vermutlich weniger Schaden nehmen als andere Titel. Wenigstens das.

Die SMI-Titel in den letzten vier Wochen

Titel Perf. 4 Wo., in % Perf. 52 Wo., in %
Roche +6,9 -8,0
Nestlé +6,1 -5,2
Givaudan +5,3 +24,3
Lonza +3,5 +30,9
Swisscom +2,3 -2,4
Novartis +1,9 -5,4
SGS +1,2 +14,0
SMI +0,7 -3,5
Swiss Re -0,8 -3,4
Zurich -1,0 +2,1
Geberit -1,9 -5,7
Swiss Life -1,5 +0,4
Julius Bär -2,7 +14,7
Adecco -3,8 -19,4
UBS -4,4 -11,1
CS -4,6 +1,2
ABB -6,9 -11,9
Sika -7,2 +28,2
Swatch -7,6 +30,6
LafargeHolcim -9,4 -17,6
Richemont -9,9 +5,3

Quelle: cash.ch (Stand 11.07.18, 13:15 Uhr)