Schweizer Aktien - SMI 9000: Was es dazu braucht

Die Grundstimmung an der Schweizer Börse ist intakt, der Swiss Market Index bei 8700 Punkten angekommen. Auf dem Weg zu weiteren Kursgewinnen warten allerdings einige Risikofaktoren.
03.04.2017 23:01
Von Ivo Ruch
Noch ist die Anlegerlaune rund um den Globus optimistisch.
Noch ist die Anlegerlaune rund um den Globus optimistisch.
Bild: Bloomberg

Das erste Quartal 2017 ist Geschichte, Zeit für ein Zwischenfazit: Der Swiss Market Index (SMI) hat seit Anfang Jahr rund 5,5 Prozent zugelegt und ist am letzten Donnerstag auf den bislang höchsten Stand bei 8710 Punkten geklettert. Im internationalen Vergleich ist das allerdings ein Durchschnittswert: Der deutsche Dax, der Hang-Seng-Index aus China oder das amerikanische Technologie-Barometer Nasdaq sind im selben Zeitraum teils noch deutlicher angestiegen, wie die folgende Übersicht zeigt:

Aktienmarkt Performance seit Anfang 2017, in %
Nasdaq 100 +12
Hang Seng +10
Dax +7
SMI +6
Dow Jones +5
Nikkei -1

Quelle: cash.ch (Stand 03.04.17, 15 Uhr)

Zudem sind mehrere internationale Indizes in die Nähe ihre Allzeithochs oder sogar darüber gestiegen. Nicht so die Schweizer Börse: Vom höchsten Stand bei 9548 Punkten (im Juni 2007) ist der Schweizer Leitindex noch weit entfernt, und bis zur nächsten wichtigen Hürde bei 9000 Punkten fehlen derzeit knapp 4 Prozent Performance. Was bräuchte es, dass der SMI diese Marke knacken könnte?

"Das fundamentale Umfeld für Aktien ist gut", schreibt Thomas Heller, Anlagechef der Schwyzer Kantonalbank, auf Anfrage. Die Hauptgründe: Die Konjunktur läuft, die Unternehmen machen wieder mehr Gewinne und von der Preisfront droht weder Deflation noch ein Überschiessen der Inflation. Die Notenbanken wiederum passen ihre Geldpolitik sehr behutsam an.

Erste Hinweise zum Jahresstart

So viel zu den globalen Faktoren. Aus Schweizer Sicht ebenfalls entscheidend ist der Fitnessstand hiesiger Unternehmen. Nach der Berichtssaison ist vor der Berichtssaison: Eben erst noch standen die Umsatz-, Gewinn- und Dividendenzahlen des zurückliegenden Geschäftsjahres im Fokus der Anleger. Doch bereits in einer Woche veröffentlichen die ersten Firmen ihre Erstquartalszahlen.

Besonders wichtig sind dabei die Resultate der drei schwergewichtigen Aktien Nestlé (20.4.), Novartis (25.4.) und Roche (27.4.). Zusammen sind sie für rund 60 Prozent der SMI-Kursperformance verantwortlich. Gibt es eine negative Überraschung, spüren das Schweizer Investoren in ihren Portfolios.

Doch damit rechnen die wenigsten Marktbeobachter. Der Konsens deutet vielmehr auf weiterhin wachsende Unternehmensgewinne hin. Im Fall von Roche könnte das bereits im Kurs eingepreist sein. Der Genussschein steht seit Jahresbeginn 11 Prozent im Plus. Novartis (+1,3 Prozent) weist hingegen noch einiges an Aufholpotenzial gegenüber dem Gesamtmarkt auf.

Zuversichtlich stimmt auch die jüngste Umfrage unter Schweizer Einkaufsmanagern. Der sogenannte Purchasing Manager's Index (PMI, saisonbereinigt) nahm um 0,8 auf 58,6 Punkte zu und steht damit weiterhin klar in der Wachstumszone von über 50 Punkten. Damit notiert der wichtige Frühindikator für die Schweizer Wirtschaft auf dem höchsten Stand seit Februar 2011.

Politische Risiken in der Euro-Zone

Mit zu diesem soliden Umfeld beigetragen hat auch die zuletzt konstante Währungssituation. Zum Euro bewegt sich der Schweizer Franken in den letzten Monaten in einem Korridor zwischen 1,065 und 1,095. Doch die Stabilisierung der Währung kostet die Schweizerische Nationalbank viel Geld. Und es könnte bald noch mehr werden. Nämlich dann, wenn die politischen Turbulenzen im Euro-Raum zunehmen. Am 23. April und voraussichtlich am 7. Mai wählen die Franzosen ein neues Staatsoberhaupt. Gewinnt die rechtskonservative Marine Le Pen, befürchten viele mittelfristig das Auseinanderbrechen der Euro-Zone.

Eine andere Euro-Baustelle befindet sich in Griechenland, wo weiterhin um eine nachhaltige Staatsfinanzierung gerungen wird. Oder in Italien, wo der Ruf nach einer eigenen Währung immer lauter wird. Diese politischen Vorgänge haben durchaus das Potenzial von Störfaktoren für die Aktienmärkte. Bleiben sie hingegen aus, dürfte sich die optimistische Grundstimmung bei Investoren fortsetzen.

Warten auf «Trumponomics»

Wichtig für das Börsen-Sentiment ist stets auch die Situation an der Zinsfront. In den letzten Tagen sind nicht nur in den USA die langfristigen Zinsen wieder gesunken. Auch in der Schweiz rentieren zehnjährige Bundesobligationen wieder deutlicher unter Null. Das macht Aktien-Investments attraktiver im Vergleich mit Obligationen.

Die tieferen Kapitalmarktzinsen sind auch Folge bislang fehlender Konjunktur- und Inflationsimpulse der US-Regierung unter Donald Trump. Dennoch sind auch in den USA die wirtschaftlichen Vorlaufindikatoren wie Konsumentenvertrauen oder Geschäftsklima intakt. Es mehren sich aber die Stimmen, welche das Auseinanderdriften von "weichen" Umfragewerten und "harten" Konjunkturdaten befürchten. Wie die folgende Grafik von J.P. Morgan zeigt, müssen in naher Zukunft besser als erwartete US-Daten folgen, um nicht eine Enttäuschung zu erzeugen.

Das führt zur Beobachtung, dass an den Aktienmärkten viel Optimismus bereits eingepreist ist. Die Volatilitäten beispielsweise sind auf historisch tiefen Niveaus. "Die Zuversicht an den Aktienmärkten ist weiterhin ungebrochen. Gleichwohl scheint ein Rückschlag in Form einer temporären Korrektur jederzeit möglich", schreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in einem Marktkommentar vom Montag.

Entsprechend dürfe konjunkturell wie politisch nicht viel schief laufen. Auch laut Thomas Heller von der Schwyzer Kantonalbank hat sich ein gewisses Korrekturpotenzial aufgebaut: Politische Ereignisse und viel Optimismus, die auf hohe Aktienbewertungen treffen. Am SMI liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis momentan bei 16,2, bei einem historischen Durchschnittswert von 15. "Es ist also eher das Ausbleiben von negativen Faktoren, welches den SMI über die 9000 Punkte hieven kann", so das Fazit von Heller.

Die ZKB rät Anlegern, für einen Einstieg oder Zukäufe eine Schwächephase abzuwarten. Sie erwartet aber mittelfristig (in zwei bis drei Monaten) eine Fortsetzung der SMI-Aufwärtsbewegung Richtung 8950 Punkte. Auch die Privatbank Rahn+Bodmer traut dem Leitindex weitere Avancen zu. "Gelingt es dem SMI, die 8700 Punkte nachhaltig zu bestätigen kann relativ schnell mit einem Angriff auf die 9000-er Marke gerechnet werden", schreiben sie in einer Research-Mitteilung. Die meisten cash-Leser sind ebenfalls positiv eingestellt. Ein Drittel aller Teilnehmer an einer Online-Umfrage von Mitte März sahen den SMI bis Mitte Jahr 5 Prozent höher als damals. Diese Prognose entsprach ziemlich genau 9000 Punkten.