Schweizer Aktien unter einem Franken - Die Rückkehr der «Penny Stocks»

Mehrere Aktien mit wenigen Rappen an Wert sorgen an der Schweizer Börse für Aufsehen - diesmal positiv. Beim Einstieg ist dennoch Vorsicht geboten, weil solche Kursfeuerwerke rasch verglühen können.
08.05.2017 00:05
Von Ivo Ruch und Pascal Züger
Der Haupsitz von Meyer Burger in Thun: Die Aktie ist 83 Rappen wert.
Der Haupsitz von Meyer Burger in Thun: Die Aktie ist 83 Rappen wert.
Bild: ZVG

Fallen Aktien unter die Marke von einem Franken, werden sie "Penny Stocks" genannt. In Anlegerkreisen ist das Prädikat auch deshalb negativ behaftet, weil solche Rappen-Titel selten gehandelt werden, deshalb besonders schwankungsanfällig sind und mit Risiken behaftet sind.

Gleichzeitig kann sich das Wagnis "Penny Stock" aber auch lohnen. Beispielsweise dann, wenn sich ein Unternehmen operativ so stark verbessert, dass der Aktienkurs zurückkehrt in den Franken-Bereich. An der Schweizer Börse sind einige "Billigst"-Aktien in der jüngsten Vergangenheit stark angestiegen. Seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent zulegen konnten etwa Von Roll, Tornos, Schmolz+Bickenbach, Addex oder Meyer Burger. Sie alle kosten weniger als fünf Franken. Nicht bei allen ist aber ein Einstieg angezeigt. Wir haben bei drei von ihnen genauer hingeschaut.

Meyer Burger (86 Rappen)

Beim Zulieferer von Solaranlagen glänzt der Aktienkurs erst seit kurzer Zeit, denn die Vergangenheit war turbulent. Alleine zwischen März 2014 und November 2016 verlor die Aktie 91 Prozent ihres Werts und landete bei 46 Rappen. Das Allzeithoch bei knapp 11 Franken liegt bereits sechs Jahre zurück. Hintergrund für diesen Niedergang war eine deutlich verschärfte Konkurrenz aus China kombiniert mit der Kürzung von staatlichen Solar-Subventionen, die vielerorts für hohe Umsätze gesorgt hatten.

Turbulenter Verlauf: Aktie von Meyer Burger in den letzten zwölf Monaten, Quelle: cash.ch

Nach Jahren der Krise soll der Turnaround (mit einem neuen CEO) nun auf gutem Wege sein. Per Ende 2016 erwirtschaftete Meyer Burger auf Stufe Ebitda wieder einen Gewinn, Reingewinn soll in den kommenden Jahren wieder anfallen. Aufgrund dieser Aussichten hat sich auch der Aktienkurs aufgerappelt: Im laufenden Jahr steht er 28 Prozent im Plus. Analysten trauen der Aktie zwar einen Anstieg bis auf 1,10 Franken zu, volatil wird die Reise für Meyer-Burger-Aktionäre aber dennoch bleiben.

Schmolz + Bickenbach (92 Rappen)

2015 und 2016 litt der Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach stark unter dem fehlenden Schwung der Weltwirtschaft und den fallenden Rohmaterialpreisen. Entsprechend dümpelte auch der Aktienkurs zwölf Monate in der Spanne zwischen 60 bis 70 Rappen vor sich hin, ehe es in diesem Frühjahr plötzlich aufwärts ging. Seit Jahresbeginn kann die Aktie ein Plus von 35 Prozent verzeichnen.

Grund für das Lebenszeichen der Schmolz + Bickenbach-Papiere sind die Erstquartalszahlen 2017: Die abgesetzte Menge (+6 Prozent) und der Verkaufspreis für Stahl (+10 Prozent) erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr deutlich. In Verbindung mit einer grossangelegten Schlankungskur, welche im Gesamtjahr 2017 28 Millionen Euro an Kosten einsparen soll, kommt man endlich aus den roten Zahlen. Und auch das zweite Quartal verspricht aufgrund der Auftragslage sehr positiv zu werden. Wie CEO Clemens Illner anlässlich der Quartalszahlen vergangene Woche mitteilte, sei davon auszugehen, dass Schmolz + Bickenbach derzeit eher auf das obere Ende der eigenen Prognose für 2017 (Ebitda zwischen 160 bis 200 Millionen Euro) zusteuere. Die Aktie könnte im Jahresverlauf noch weiter ansteigen.

Von Roll (1,17 Franken)

Streng genommen ist Von Roll mit einem Kurs von aktuell 1,17 Franken seit Mitte April gar kein Penny Stock mehr. Ausserdem fällt die Kursperformance von plus 89 Prozent in diesem Jahr äusserst positiv aus. Doch all das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Produzent von Isolationsprodukten für den Elektrosektor, dessen Firmenhauptsitz diesen Sommer von Wädenswil ZH nach Breitenbach SO verlegt wird, noch sehr grosse Probleme zu bewältigen hat.

Seit 2008 konnte Von Roll nur einmal einen Jahresgewinn erzielen, ansonsten waren die Zahlen immer rot. Viele Standorte mussten weltweit bereits geschlossen werden, im letzten Jahr wurde der Personalbestand um 15 Prozent reduziert. Etwas Hoffnung verleiht den Anlegern der seit Oktober 2016 amtierende CEO Christian Hennerkes, der als Spezialist für Sanierungen gilt. Und prompt gibt es erste Lichtblicke beim Traditionsunternehmen: Mitte März gab Von Roll bekannt, dass es realistische Chancen gäbe, im laufenden Jahr 2017 wieder die Gewinnzone zu erreichen. Es ist quasi der letzte Strohhalm, woran sich Anleger noch festhalten können. Enttäuscht Von Roll dieses Jahr erneut, ist die Aktie bei vielen Anlegern wohl endgültig unten durch.