Schweizer Aktienmarkt - Vom US-Hilfspaket gehen bestenfalls psychologische Impulse aus

Der Durchbruch beim zwei Billionen Dollar schweren US-Hilfspaket gegen die Coronavirus-Krise beflügelt die Aktienkurse auch in der Schweiz. Beobachter sehen hierzulande jedoch nur wenige Unternehmen davon profitieren.
25.03.2020 13:08
Von Lorenz Burkhalter
Schweizer Flagge vor Engadiner Berglandschaft.
Schweizer Flagge vor Engadiner Berglandschaft.
Bild: Pixabay

Nach Tagen des politischen Seilziehens haben sich Demokraten und Republikaner in Washington auf ein Konjunkturpaket in Höhe von rund zwei Billionen Dollar geeinigt. Das zumindest erklärten Dienstagnacht die Verhandlungsführer der beiden Lager (cash berichtete). Noch muss im Kongress über das Paket abgestimmt werden. Dass es durchgewinkt wird, gilt allerdings als reine Formsache.

Die Fortschritte rund um das US-Hilfspaket zur Linderung der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie sorgen auch am Schweizer Aktienmarkt für Anschlusskäufe. Nach einem Vorstoss auf 9136 Punkte gewinnt der Swiss Market Index (SMI) zur Stunde noch 1,5 Prozent auf einen Stand von 8860 Punkte. Bereits am Vortag konnte das Börsenbarometer um gut 7 Prozent zulegen.

Gefragt sind insbesondere die beiden Grossbankaktien von UBS (+1 Prozent) und Credit Suisse (+4 Prozent). Ihnen hilft die Hoffnung, dass dank dem Hilfspaket grössere Ausfälle im US-Kreditgeschäft ausbleiben. Gefragt sind zudem konjunkturabhängige Titel wie jene von ABB (+3 Prozent) und Adecco (+3 Prozent). Die als defensiv geltenden Schwergewichte Nestlé (+1 Prozent) und Roche (unv.) bremsen den SMI hingegen etwas.

«America first» gilt auch für das Hilfspaket

Beobachter warnen jedoch vor zu viel Euphorie. Zum einen sei bisweilen nur bekannt, dass das US-Hilfspaket Gelder für Krankenhäuser sowie für die Bundesstaaten und Kommunen vorsehe. Finanzielle Hilfe sehe das Paket auch für die angeschlagenen Fluggesellschaften sowie für die Öl- und Gasindustrie vor.

Davon könnten aus Schweizer Sicht höchstens Unternehmen wie Sulzer (+4 Prozent) oder der Flughafen Zürich (+1 Prozent) profitieren - und auch das bloss indirekt. Als Pumpenhersteller ist Sulzer von der Investitionsbereitschaft von Kunden aus der Öl- und Gasindustrie abhängig. Je höher der Ölpreis, desto höher die Investitionsbereitschaft dieser Kunden. Der Flughafen Zürich ist seinerseits darauf angewiesen, dass die grossen US-Fluggesellschaften die Krise überstehen. Die Hoffnung auf eine baldige Belebung des Reiseverkehrs beflügelt auch die gebeutelte Aktie von Dufry (+11 Prozent).

SMI im Bann der New Yorker Börse

Wie aus den Handelsräumen hiesiger Banken verlautet, gehen vom US-Hilfspaket denn auch vorwiegend psychologische Impulse für den Schweizer Aktienmarkt aus. Steigen die Aktienkurse in New York, würden sie für gewöhnlich auch hierzulande steigen, so ist man sich einig. Man ortet die Gewinner des Pakets vorwiegend in den USA selbst.

Und dies nicht ohne Grund, liess die US-Regierung unter dem republikanischen Präsidenten Donald Trump in den letzten Jahren doch keine Zweifel daran, dass US-Unternehmen für sie an erster Stelle kommen.

Begrüsst wird die Aussage Trumps, die Einschränkungen für das zivile und wirtschaftliche Leben in den USA möglichst rasch wieder zurückzufahren. Je früher die Wirtschaft wieder zum courant normal übergehe, desto besser auch für die international tätigen Unternehmen aus der Schweiz.