Schweizer Anleger halten sich vor US-Machtwechsel zurück

Vor der mit Spannung erwarteten Antrittsrede des 45. US-Präsidenten Donald Trump haben die Anleger an der Schweizer Börse die Füsse still gehalten.
20.01.2017 17:40
Ampel bei der Schweizer Börse SIX in Zürich zeigt orange.

Der Handel am Freitag verlief laut Börsianern in ruhigen Bahnen. "Und wenn nicht noch kleiner Eurex-Verfall wäre, sähe es noch viel trauriger aus", sagte ein Händler. An der Derivatbörse Eurex laufen Optionen auf Indizes und Aktien aus. Dabei kann es bei guten Umsätzen zu grösseren Kursausschlägen kommen.

Der SMI notierte mit 8275 Punkten praktisch unverändert. Am Donnerstag war der Leitindex 0,5 Prozent gefallen.

Der Freitag stehe ganz im Zeichen des Machtwechsels in den USA. Die Anleger hielten sich daher zurück. Die Euphorie, die an den Märkten nach dem Wahlsieg Trumps aufkam, sei weitgehend verflogen. Die Marktteilnehmer seien verunsichert, ob Trump die hochgesteckten Erwartungen tatsächlich erfüllen könne. "Nun wollen die Marktteilnehmer sehen, wie sich die neue Regierung den Wandel vorstellt", sagte ein Händler. Die Zeremonie in Washington beginnt um 17.30 Uhr (MEZ).

Gewinner und Verlierer hielten sich bei den Schweizer Standardwerten ungefähr die Waage. Die kräftigsten Verluste verbuchten die Aktien von Swisscom, die nach einer Verkaufsempfehlung und Kurszielsenkung auf 420 von 450 Franken durch JP Morgan 1,1 Prozent auf 441,6 Franken sanken.

Gewinnmitnahmen belasteten die Anteile von Actelion, die 1,6 Prozent verloren. Händler sagten, die Verhandlungen über eine Kooperation mit Johnson&Johnson könnten noch andauern und ein Erfolg sei nicht in Stein gemesselt.

Syngenta gesucht

Die Titel von Syngenta stiegen um 1,4 Prozent. ChemChina habe bei den US-Wettbewerbshütern grünes Licht für die Übernahme des Basler Agrochemiekonzerns beantragt. Dem Antrag sei eine gute Abstimmung mit dem zuständigen Prüfern vorausgegangen. "Der Kursanstieg zeigt, dass der Markt die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Abschlusses nun als sehr hoch beurteilt", sagte ein Händler.

Die Aktien von LafargeHolcim erholten sich von anfänglichen Abschlägen etwas. Dem Zementkonzern droht Ärger in Frankreich. Bereits im Oktober habe die dortige Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Geschäften der Vorgängerfirma Lafarge in Syrien aufgenommen, sagte eine mit der Situation vertraute Person zu Reuters. Sie ginge dabei dem Verdacht nach, der Konzern habe Zollbestimmungen verletzt.

Die Aktien der Credit Suisse stiegen um ein Prozent. Die Anteile von Rivale UBS waren dagegen 0,5 Prozent tiefer.

Die Versicherungen tendierten etwas fester. Zurich Insurance gewannen 0,5 Prozent. Der Versicherer greift erneut zur Axt und streicht in Grossbritannien 240 Jobs.

Die Anteile zyklischer Firmen zeigten sich uneinheitlich. Die Titel des Personalvermittlers Adecco waren knapp gehalten, während der Elektrotechnikkonzern ABB 0,7 Prozent vorrückte.

Bei den als krisenresistent geltenden Schwergewichten notierte der Pharmawert Novartis schwächer, während Rivale Roche um 0,2 Prozent vorrückte. Roche hat von der US-Behörde FDA grünes Licht für eine Nachfolgeversion seines Bluttests Troponin T zur rascheren Diagnose von Herzinfarkten bekommen. Der Lebensmitteltitel Nestle war leicht im Plus.

Am breiten Markt waren Energiedienst um 2,6 Prozent höher. Der Energiekonzern hat 2016 voraussichtlich ein Betriebsergebnis (Ebit) von 45 Millionen Euro erzielt - und damit mehr als die zum Halbjahr in Aussicht gestellten 30 bis 40 Millionen Euro.

Die Anteile der Telekommunikationsfirma Sunrise stiegen nach einer Kaufempfehlung von JP Morgan um 1 Prozent.

Arbonia setzten den Kursrückgang fort und verloren 2,5 Prozent. Gewinnmitnahmen nach einem nicht ganz so gut wie erwarteten Ergebnis und eine Empfehlungsänderung auf "Hold" von "Buy" durch Kepler Cheuvreux belasteten die Anteile des Bauausstatters.

Die Aktien von Evolva standen 8,2 Prozent tiefer. "Die Aktie verbucht stets hohe Ausschläge - nach oben und unten", sagte ein Händler. Am Donnerstag war der Hersteller von Nahrungsmittelzusätzen um 17 Prozent geklettert. 

(Reuters)