Schweizer Anleger im Verkaufsmodus

Am SMI überwiegen am Dienstag die negativen Vorzeichen. Neben schwachen Daten aus China, müssen Investoren hierzulande eine regelrechte Zahlenflut im breiten Markt verarbeiten.
08.03.2016 10:30
Schlechte Vorzeichen für die Schweizer Börse: Die Kurse geben am Dienstag nach.
Schlechte Vorzeichen für die Schweizer Börse: Die Kurse geben am Dienstag nach.
Bild: cash

Zudem dürfte mit der immer näher rückenden Zinsentscheidung der EZB am Donnerstag die Vorsicht unter den Marktteilnehmern zunehmen.

In China sind die Exporte im Februar so stark eingebrochen wie seit 2009 nicht mehr. Binnen Jahresfrist sanken die Ausfuhren um 25,4% und damit rund doppelt so stark wie von Volkswirten erwartet. Die Einfuhren gingen mit 13,8% ebenfalls stärker als prognostiziert zurück. Die gesenkten Wachstumsprognosen der Konjunkturforscher von BAK Basel Economics drücken ebenfalls auf die Stimmung. Neu rechnen die Forscher für 2016 mit einem Wachstum von 0,8% (zuvor +1,1%), für 2017 mit +1,5% (+2,0%). Eine deutliche Erholung sei also erst für 2018 zu erwarten.

SMI gibt fast 0,8 Prozent ab

Der Swiss Market Index (SMI) steht um 09.30 Uhr 0,76% tiefer bei 7'958,25 Punkten. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, sinkt um 0,80% auf 1'225,02 und der breite Swiss Performance Index (SPI) um 0,89% auf 8'404,91 Stellen. Von den 30 SMI/SLI-Titel liegen 29 im Minus. Lediglich Syngenta (+0,5%) gewinnen.

Der Agrochemiekonzern ist unter den Blue Chips auch der Wert, der mit kursrelevanten Nachrichten aufwarten kann: Hier gibt es nun das offizielle Übernahmeangebot von ChemChina. Die Angebotsfrist dauert zunächst vom 23. März 2016 bis zum 23. Mai 2016. Eine Verlängerung behält sich ChemChina vor. Wie Syngenta in einer eigenen Mitteilung schreibt, wird der Abschluss der Transaktion bis Ende des Jahres erwartet. Laut ZKB wird damit die Übernahme durch die Chinesen immer wahrscheinlicher.

Ansonsten ist die Kurstafel der Blue Chips rot gefärbt. Ein Trend ist dabei nicht auszumachen. Die Aktien der Swiss Re (-2,0%) und von Transocean (-1,9%) konkurrieren dabei um den letzten Platz. Bei dem Rückversicherer hatte zuvor die Citigroup das Rating gesenkt und dies unter anderem mit tieferem Gewinnwachstumspotenzial begründet.

Die Aktien der beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS (beide -1,0%) fallen ebenso überdurchschnittlich wie die Aktien der Versicherer Bâloise (-1,5%) und Zurich Insurance Group (-1,1%). Die Aktien von Zyklikern wie LafargeHolcim und ABB (beide -0,9%) geraten dagegen mit den schwachen China-Daten wieder unter Verkaufsdruck.

Dass sich die Aktien von Clariant (-0,2%) und Sika (-0,1%) vergleichsweise besser als der Markt halten, könnte nicht zuletzt an der Kursentwicklung der Chemie-Aktien am Montag in den USA liegen. Hier hatten Spekulationen um ein Gegengebot von BASF für DuPont vom Wochenende für Wirbel gesorgt.

Die drei Schwergewichte Novartis, Roche und Nestlé (alle -0,8%) fallen in etwa mit dem Markt und tragen so zum schwächeren Gesamtbild bei.

"Grosskampftag"

Im breiten Markt kann dieser Morgen auch als "Grosskampftag" bezeichnet werden. Nicht weniger als zehn Unternehmen sind zum Zahlenrapport angetreten, darunter der Maschinenhersteller Mikron (+1,5%), Huber+Suhner (+0,3%), der Schokoladehersteller Lindt&Sprüngli (+0,1%), das Industrieunternehmen Bucher (-1,0%) und das Messtechnikunternehmen Inficon (-3,7%).

In fast jedem Bericht gibt es an diesem Morgen Licht und Schatten. So war Huber+Suhner 2015 zwar vom starken Franken belastet, 2016 soll aber die Rückkehr zu Wachstum gelingen, was laut ZKB zuversichtlich stimmt. Lindt&Sprüngli dagegen schnitt bei der Marge klar besser ab als erwartet, was bei Analysten lobend hervorgehoben wird. Bei Bucher fielen laut erstem Vontobel-Kommentar die Gewinne etwas schwächer als erwartet aus.

Eine der stärksten Kursreaktionen verzeichnet allerdings kein "Zahlenkind". Die Anteilsscheine der Bank Vontobel brechen um knapp 11% ein. Der Grund: Am Vorabend hatte die Bank den Abgang des Star-Fondsmanagers Rajiv Jain mitgeteilt.

Zudem dürfte der Kurszettel schon bald um einen Wert reicher sein. Die VAT Group plant ein Going Public an der Schweizer Börse.

(AWP)