Schweizer Anleger streichen Gewinne ein

Die Schweizer Börse hat am Dienstag nachgegeben. Händler erklärten, nach der guten Vorwoche würden die Anleger nun Gewinne einfahren. Aufgrund schwacher Pharmaaktien kann sich der SMI nur knapp über 8100 Punkten halten.
19.07.2016 17:38

Zudem trübte der unerwartet stark gesunkene ZEW-Index für Deutschland die Stimmung. Als grösste Belastung für den Gesamtmarkt erwiesen sich über weite Strecken die Aktien der Pharmakonzerne Roche und Novartis, nachdem letzterer einen durchzogenen Halbjahresbericht vorgelegt hatte.

Der SMI verlor 0,6 Prozent auf 8111 Punkte. Am Montag hatte der Leitindex noch leicht angezogen, nachdem er in der Vorwoche insgesamt um rund 1,4 Prozent gestiegen war. In Deutschland - der grössten Volkswirtschaft Europas - trübte das Brexit-Referendum den Optimismus von Börsenprofis: Das Barometer für die Erwartungen in den nächsten sechs Monaten fiel im Juli um 26 Punkte auf minus 6,8 Zähler und damit auf den niedrigsten Stand seit November 2012.

Experten hatten lediglich einen Rückgang auf plus neun Punkte erwartet. Für gute Stimmung sorgte am Nachmittag hingegen der Halbjahresabschluss der US-Investmentbank Goldman Sachs, die im zweiten Quartal deutlich mehr verdient hatte als geplant.

Pharmaaktien unter Druck

Bei den Schweizer Standardwerten büsste die Novartis-Aktie zeitweise 1,2 Prozent ein - erholte sich dann aber im späten Handel. Der Pharmakonzern hat wegen der Kosten für die Markteinführung seines Herzmedikaments Entresto und der Umsatzeinbussen beim wichtigen Blutkrebsmittel Glivec seine Gewinnprognose leicht gesenkt. Der Arzneimittelhersteller schliesst nicht mehr aus, dass der um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsgewinn dieses Jahr unter Ausschluss von Wechselkursschwankungen um einen niedrigen einstelligen Prozentbetrag sinkt. Im zweiten Quartal ging der Nettogewinn um drei Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar zurück.

Die Titel des Konkurrenten Roche, der seinen Halbjahresbericht am Donnerstag präsentieren will, sanken um 1,1 Prozent. Auch das dritte Index-Schwergewicht, der Nahrungsmittelkonzern Nestle, verlor an Wert.

Mit einem Minus von 2,9 Prozent fuhr Lafargeholcim die höchsten Kursverluste ein. Die Titel von Givaudan büssten 2,9 Prozent ein. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem die Aktien des Aromen- und Riechstoffherstellers am Vortag im Zuge von guten Halbjahreszahlen 2,4 Prozent geklettert waren.

Uhrenfirmen weiter unter Druck

Die Luxusgütertitel Swatch und Richemont sanken um 2,1 und 2,5 Prozent. Händler erklärten, viele Investoren rechneten angesichts möglicher weiterer Anschläge damit, dass Touristen Europa fernbleiben könnten. Dies dürfte die Geschäfte mit teuren Uhren und Mode beeinträchtigen. Swatch, der weltgrösste Uhrenproduzent, hatte in der Vorwoche für das erste Halbjahr einen Gewinneinbruch um 50 bis 60 Prozent angekündigt.

Die Aktien von ABB führten mit einem Plus von 1,2 Prozent die Gewinnerliste an. Der Elektronikkonzern hat Aufträge im Wert von über 300 Millionen Dollar für eine Ultrahochspannungsleitung in China erhalten.

Bei den Banken verloren UBS (-0,5 Prozent) an Wert, während Credit Suisse knapp im Plus schloss. Die Aktien des Vermögensverwalters Julius Bär büssten 1,4 Prozent ein. Bär baut die Konzernleitung um. Schweiz-Chef Barend Fruithof verlasse die Gesellschaft aufgrund von unterschiedlichen Vorstellungen über die organisatorischen Änderungen der Bank. Bär führe Anfang September eine neue Struktur ein, um die Effizienz des Unternehmens zu steigern.

Meyer Burger mit weiterem Auftrag

Auch beim Logistikkonzern DKSH (-0,7 Prozent) kommt es zu Änderungen an der Spitze. CEO Jörg Wolle übernimmt im März das Verwaltungsratspräsidium. Nachfolger als Konzernchef werde der vom britischen Inspektions- und Zertifizierungsunternehmen Intertek kommende Stefan Butz.

Der Halbjahresbericht des Vermögensverwalters Bellevue (-2,6 Prozent) vermochte die Investoren nicht zu begeistern. Nach der Veröffentlichung eines Halbjahres-Gewinns von knapp drei Millionen Franken sanken die Aktien um 2,2 Prozent.

Die Titel des Solarausrüsters Meyer Burger (+0,6 Prozent) profitierten dagegen von einem weiteren grossen Auftrag und stiegen um 0,8 Prozent.

(cash/Reuters)