Schweizer Anleger vor Brexit-Votum vorsichtig

Angesichts des ungewissen Ausgangs der Brexit-Abstimmung haben sich die Anleger am Dienstag an der Schweizer Börse zurückgehalten.
21.06.2016 17:30
Seitenansicht des UBS-Hauptsitzes am Paradeplatz in Zürich.
Seitenansicht des UBS-Hauptsitzes am Paradeplatz in Zürich.
Bild: cash

Zwei Tage vor dem Votum stand die Entscheidung auf Messers Schneide. Je nach Umfrage ergebe sich ein anderes Bild, hiess es. "Da wollten die Anleger keine Risiken mehr eingehen. Die Baissepositionen wurden bereits glattgestellt", sagte ein Händler.

Der SMI notierte mit 7936 Punkten 0,5 Prozent im Plus. Am Montag war der Leitindex wegen schwindender Brexit-Sorgen noch um 2,4 Prozent gestiegen.

Keine stärkeren Impulse gingen von der US-Notenbank Fed aus. Chefin Janet Yellen sagte bei der halbjährlichen Anhörung vor dem US-Kongress, ein Ja der Briten zum Brexit könnte bedeutende wirtschaftliche Auswirkungen haben. Die Fed beobachte die globale Entwicklung genau. Eine vorsichtige Herangehensweise bei Zinserhöhungen bleibe angemessen.

Aktien der UBS gesucht

Die Standardwerte tendierten mehrheitlich schwächer. In allen Sektoren machten Händler Gewinner und Verlierer aus. So führten die Aktien der Grossbank UBS die Gewinner mit einem Plus von 1,4 Prozent an. Julius Bär legten um 1,1 Prozent zu. Die Anteile von Rivale Credit Suisse legten dagegen nur um 0,4 Prozent zu.

In einem internen Memo hat CS-Konzernchef Tidjane Thiam Spekulationen auf eine Kapitalerhöhung eine Absage erteilt. Hinter dem jüngsten Aktienkursverfall stünden auch Hedgefonds, die auf fallende Kurse setzten, hatte Thiam vergangene Woche in einer Mitteilung an die Belegschaft mitgeteilt.

Die Assekuranzwerte neigten mehrheitlich zur Schwäche. Zurich erholten sich zum Schluss dann aber und schliessen mit einem Plus von 0,5 Prozent.

Bei den zyklischen Werten fielen die Aktien von Swatch mit einem Minus von 1,3 Prozent auf. Die Titel von Rivale Richemont verloren 0,8 Prozent. Im Mai gingen die Schweizer Uhrenexporte erneut zurück. Der Rückgang betrug fast zehn Prozent. Erneut zeigte sich der grösste Einzelmarkt Hongkong mit minus 17 Prozent stark rückläufig. Der Trend bleibe klar negativ. "Schwach, aber im Rahmen der Erwartungen", hiess es in einem Händlerkommentar.

Dagegen konnten sich die Papiere von Anlagen- und Maschinenbauern verbessern. ABB stiegen um 0,5 Prozent, Sulzer und Oerlikon legten leicht zu. Baunahe Werte wie LafargeHolcim, Geberit und Implenia waren schwächer.

Bei den Anteilen der als krisenresistent geltenden Pharmafirmen waren Novartis 0,5 Prozent höher und Roche schlossen quasi unverändert.

Der Nahrungsmittelwert Nestle erwies sich mit einem Kursgewinn von 1 Prozent als Stütze des Marktes.

Syngenta dreht ins Plus

Die Papiere von Syngenta drehten nach frühen Abschlägen mit 0,4 Prozent in die Gewinnzone. Händler sagten, die Käufer hofften, dass die Übernahme durch ChemChina wie geplant zustande kommt. Zuletzt hatten Befürchtungen am Markt die Runde gemacht, die US-Regierung könnte die Übernahme des Schweizer Agrochemiekonzerns blockieren. Ein Syngenta-Sprecher bekräftigte frühere Angaben, wonach der Deal bis Ende Jahr abgeschlossen werden dürfte.

Am breiten Markt stachen die Anteile von Huber + Suhner mit einem Kursplus von 5,9 Prozent heraus. Der Kabelhersteller hat die Umsatz- und Gewinnprognose für das erste Halbjahr erhöht. Die Firma rechnet mit einem markant höheren Konzerngewinn.

Bobst rückten um 6,3 Prozent vor. Der Kartonverpackungsmaschinen-Hersteller habe auf der Fachmesse Drupa in Düsseldorf zahlreiche Verkaufsabschlüsse an Land ziehen können, erklärte die Firma.

Die Aktien von Gottex Fund Management brachen vorübergehend ein, schlossen dann aber unverändert. Der Asset Manager will bis zu 100 Millionen neue Aktien ausgeben.

(Reuters)