Schweizer Anleger wagen sich vor US-Wahlen nicht vor

Wenige Tage vor Wahl des neuen US-Präsidenten haben sich die Anleger an der Schweizer Börse bedeckt gehalten. Die Kurse sanken am Freitag weiter.
04.11.2016 17:40
Ihn fürchten die Anleger wie der Teufel das Weihwasser: «Börsenschreck» Donald Trump.
Ihn fürchten die Anleger wie der Teufel das Weihwasser: «Börsenschreck» Donald Trump.
Bild: Bloomberg

Die Anleger seien nervös, weil sich die Chancen für den Republikaner Donald Trump vor dem Wahltermin stetig verbessert hätten, sagen Händler. Trump gilt wegen seiner Unberechenbarkeit als "Börsenschreck". Von der Demokratin und ehemaligen Aussenministerin Hillary Clinton erhofften sich Investoren dagegen eine stabile Wirtschaftspolitik.

Der SMI gibt bis Handelsschluss 0,6 Prozent auf 7593 Punkte nach und realisiert damit den sechsten Wochenverlust in Folge. Der Leitindex notiert so tief wie seit Ende Juni nicht mehr, als das überraschende Votum der Briten für einen Austritt ihres Landes aus der EU für Turbulenzen gesorgt hatte.

"Die Marktteilnehmer sind frustriert, weil sich der Markt nach mehreren Wochen mit fallenden Kursen immer noch nicht stabilisiert", sagt ein Börsianer. "Der Salami-Crash wird wohl noch bis zu den US-Präsidentenwahlen anhalten. Dann, so hoffe ich, kommt es endlich zur Erleichterungsrally", erklärt ein anderer Händler.

US-Jobdaten ohne Einfluss

Kaum Einfluss auf die Kurse hatten die US-Arbeitsmarktdaten. "Wahlen, Wahlen aber keine Zahlen bestimmen das Geschäft", sagt ein Händler. Der Boom am US-Arbeitsmarkt hielt im Oktober an. Private Firmen und der Staat schufen insgesamt 161'000 Stellen. Die Erwerbslosenquote fiel um einen Tick auf 4,9 Prozent. Damit ist praktisch Vollbeschäftigung erreicht - eines der erklärten Ziele der US-Notenbank. Diese dürfte im Dezember erstmals seit einem Jahr die Zinsen anheben.

Im Mittelpunkt stand Richemont. Der Luxusgüterhersteller reagiert auf die anhaltende Nachfrageflaute nach teuren Uhren und Schmuck mit einem Führungswechsel. Konzernchef Richard Lepeu geht Ende März 2017 in Pension. Finanzchef Gary Saage tritt Ende Juli 2017 zurück und wird von seinem Vize Burkhart Grund ersetzt. Zudem war das Halbjahresergebnis weniger schlecht als befürchtet und im Oktober lief das Geschäft gut. Dies dürfte Anleger, die auf schwache Zahlen gewettet hatten, auf dem falschen Fuss erwischt haben. Deckungskäufe trieben den Aktienkurs vorübergehend 10 Prozent hoch, zuletzt notieren die Titel noch um 5,2 Prozent höher.

Beflügelt durch die besseren Aussichten ziehen auch die Aktien von Konkurrentin Swatch 1,7 Prozent an.

Lafarge-Holcim erfüllt mit den Quartalszahlen die Erwartungen

Um 1,2 Prozent höher sind die Aktien von Lafarge-Holcim. Der Zementkonzern steigerte sein Ergebnis in den ersten drei Quartalen um 2 Prozent auf 4,21 Milliarden Franken - so wie von Analysten erwartet. Unter dem Strich fuhr der schweizerisch-französische Konzern einen Gewinn von 1,4 Millionen Franken ein und konnte zudem die Verschuldung deutlich senken.

Die Pharmaschwergewichte Novartis und Roche büssen jeweils 1,2 Prozent ein. Roche notiert auf dem tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren. Novartis nähern sich dem Jahrestief. Biotech-Wert Actelion gibt 1,3 Prozent nach. Händler sagen, die Verkäufer trennten sich vor den US-Wahlen von den Pharmatiteln.

Die Anteile von Nestlé sinken um 0,4 Prozent. Der Nahrungsmittelkonzern baut mit einer Beteiligung am US-Biopharma-Unternehmen Aimmune Therapeutics sein Engagement im wachsenden Gesundheitssektor aus. Die Nestlé-Sparte Health Science investiert 145 Millionen Dollar in die Firma, die unter anderem auf die Behandlung von Lebensmittelallergien spezialisiert ist. Händler führten die stabile Kursentwicklung auch auf das überraschend starke Wachstum bei L'Oreal zurück. Der französische Kosmetikkonzern, an dem Nestlé beteiligt ist, steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal um 5,6 Prozent auf 6,15 Milliarden Euro gesteigert.

Bankaktien im Verkauf

Auf den Verkaufszetteln standen auch Bankaktien. Der europäische Branchenindex sinkt um 1 Prozent. UBS, Credit Suisse und Julius Bär büssen über 1 Prozent und damit etwas mehr an Wert ein. Die Versicherungswerte schwächen sich ebenfalls ab.

Am breiten Markt stechen die Anteile von Meyer Burger mit einem Absturz von 13,7 Prozent auf 2,64 Franken heraus. Bei drei Franken sei ein Verkaufslimit ausgelöst worden, sagt ein Händler. Zudem habe sich die US-Solarfirma First Solar zurückhaltend zu den Aussichten für die Branche geäussert.

(Reuters)