Schweizer Anleger ziehen sich vor Fed-Protokoll zurück

Gewinnmitnahmen haben am Mittwoch das Geschäft an der Schweizer Börse geprägt. Der SMI verlor 0,8 Prozent auf 8151 Punkte.
17.08.2016 17:30
Das Gebäude der Schweizer Börse SIX: Die Anleger gaben sich am Mittwoch zurückhaltend.
Das Gebäude der Schweizer Börse SIX: Die Anleger gaben sich am Mittwoch zurückhaltend.
Bild: cash

Vor der der Veröffentlichung der Protokolle der letzten Sitzung der US-Notenbank (Fed) im Juli strichen die Anleger einen Teil der jüngst erzielten Gewinne ein. Verstärkt wurde die Abwärtsbewegung Händlern zufolge von Spekulationen auf eine baldige Zinserhöhung in den USA. Die stärksten Abschläge verbuchten Aktien von Banken und zyklischen Firmen.

Am Dienstag hatten prominente US-Währungshüter eine Zinserhöhung im September ins Gespräch gebracht, was viele Marktteilnehmer bislang ausgeschlossen hatten. Von der Mitschrift, die nach Börsenschluss in Europa veröffentlicht wird, erhoffen sich die Anleger diesbezüglich klarere Hinweise. "Die Andeutungen wichtiger US-Notenbanker, dass die Zinsen gegen alle Markterwartungen noch vor dem Jahresende angehoben werden könnten, hat die Anleger überrascht", sagte ein Händler.

Meyer Burger gibt nach

Im Zentrum des Interesses stand Meyer Burger. Die Aktien der stark in der Solarindustrie verhafteten Firma sanken um 1,7 Prozent. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem die Titel im Vorfeld des Halbjahresberichts rund ein Fünftel an Wert gewonnen hatten. Meyer Burger kehrte in den ersten sechs Monaten mit einem Betriebsgewinn (Ebitda) von 6,2 Millionen Franken operativ die schwarzen Zahlen zurück. Die Jahresprognose für ein solides Umsatzwachstum und einen Gewinn auf Stufe Ebitda wurde bekräftigt. "Die Zahlen waren in Ordnung, die Firma hat deutliche Fortschritte gemacht", sagte ein Händler. "Die Aktie bleibt eine Turnaround-Geschichte mit grossem Potenzial - nach oben wie unten."

Von den 20 Bluechips trotzten einzig Swatch und Syngenta mit leichten Zugewinnen dem Abwärtstrend. Die Anteile von Geberit hielten sich mit 0,2 Prozent Abschlag vergleichsweise gut. Am Dienstag hatte die Sanitärtechnikfirma gute Zahlen veröffentlicht.

Die stärksten Kurseinbussen verzeichneten die Aktien der Privatbank Julius Bär, die 2,2 Prozent an Wert verloren, gefolgt von den Aktien des Luxusgüterherstellers Richemont mit 2,1 Prozent Minus. Die Aktien der Grossbanken UBS und Credit Suisse sanken um 1,4 und 1,2 Prozent. Finanzwerte standen europaweit unter Druck.

Auch die Aktien des Zementkonzerns LafargeHolcim und des Personalvermittlers Adecco waren mit Abschlägen von mehr als einem Prozent weit oben in der Verliererliste zu finden.

Versicherungswert Swiss Re schwächten sich um 1,6 Prozent ab. Baloise und Zurich ermässigten sich um 1,2 und 0,6 Prozent.

Nestlé vor Zahlen im Minus

Die an sich als krisensicher geltenden Index-Schwergewichte rutschten ebenfalls ab. Die Aktien von Nestle gaben am Tag vor der Halbjahresbilanz 0,8 Prozent nach. Analysten prognostizieren für den Lebensmittel-Weltmarktführer einen leichten Umsatzanstieg und ein fünfprozentiges Gewinnplus. Das organische Wachstum dürfte mit 3,8 Prozent unter dem langfristigen Konzernziel von fünf bis sechs Prozent liegen.

Die Pharmawerte Novartis und Roche verloren 0,7 und 0,6 Prozent. Die Schmiergeld-Untersuchungen gegen Novartis in der Türkei dauern an.

Am breiten Markt gaben die Basilea-Aktien 3,8 Prozent nach. Die Pharmafirma hat ihre Vertriebskooperation mit der Firma Hikma auf die Region Naher Osten und Nordafrika ausgedehnt.

Die Aktien von Galenica sanken nach der Zurückstufung auf "Reduce" von "Hold" durch die Bank Vontobel um 3,9 Prozent.

Ein enttäuschendes Ergebnis drückte die Anteile von Ascom um 5,1 Prozent ins Minus. Der Telekom-Ausrüster rutschte im ersten Halbjahr in die roten Zahlen und wies einen Verlust von 5,6 Millionen Franken aus.

(Reuters)