Schweizer Anleger ziehen sich zurück

Die Schweizer Börse hat am Mittwoch leicht Terrain eingebüsst. Nachdem der Aufwärtstrend etwas ins Stocken geraten sei, hätten die Anleger einen Teil der jüngst erzielten Gewinne eingestrichen.
21.12.2016 17:30
Ampel an der Schweizer Börse zeigt rot.

"Der SMI hat seit der Wahl Donald Trumps zum neuen Präsidenten der USA mehr als 600 Punkte zugelegt", sagte ein Händler. Zudem scheine der US-Leitindex Dow Jones bei seiner Rekordfahrt kurz vor der Marke von 20.000 Punkten zum Stehen gekommen zu sein. Die Umsätze seien der Jahreszeit entsprechend rückläufig. "Wir verfolgen vor allem die wenigen Spezialsituationen", sagte ein anderer Börsianer.

Der SMI notierte mit 8220 Punkten um 0,3 Prozent tiefer. Am Dienstag war der Leitindex um 0,1 Prozent gestiegen.

Actelion gesucht

Im Zentrum des Interesses standen bei den Standardwerten die Actelion-Aktien, die um 6,1 zulegten und damit das Vortagesminus wieder wettmachten. Der seit einigen Wochen im Bann von Übernahmespekulationen stehende Biotech-Wert setzte den achterbahnartigen Kursverlauf damit fort. Die Gespräche zwischen dem französischen Pharmakonzern Sanofi und der Biotechnologiefirma über einen Deal machen einem Insider zufolge Fortschritte. Actelion sei an einem Punkt angelangt, an dem das Unternehmen eine Transaktion unterschreiben müsse und die Verhandlungen nicht mehr abbrechen könne, ohne einen Aufstand von Investoren auszulösen, sagte eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Beide Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab.

Den Markt belastet hätten die beiden Schwergewichte aus dem Pharmabereich. Die Genussscheine von Roche sanken um 0,4 Prozent. Der Konzern muss einen Rückschlag bei einem wichtigen Hoffnungsträger verkraften. Die US-Arzneimittelbehörde FDA verlängerte die Zulassungsprüfung für das neuartige Multiple-Sklerose-Medikament Ocrevus bis zum 28. März 2017. Roche durfte ursprünglich auf eine Zulassung des Mittels, dem Analysten Milliardenumsätze zutrauen, noch in diesem Jahr hoffen, nachdem die FDA im Juni ein beschleunigtes Prüfverfahren (Priority Review Designation) bewilligt hatte. Die Anteile von Rivale Novartis waren 0,3 Prozent im Minus.

Banken schwächer

Die Aktien der Banken notierten mehrheitlich schwächer. Credit Suisse büssten 2,5 Prozent ein. Der Bank droht laut Insidern im US-Hypothekenstreit eine Multi-Milliarden-Strafe. Die von der Schweizer Wettbewerbsbehörde (Weko) gegen mehrere international tätige Banken wegen Absprachen bei Referenzzinssätzen und Zinsderivaten verhängten Strafen beeinflussten die Kurse hingegen kaum.

"Eine leidige Sache mehr, die abgeschlossen werden kann", sagte ein Händler. Zu den Banken gehören auch die CS und Rivale UBS. Die UBS-Aktien gaben 0,4 Prozent nach.

"Bussen wohin das Auge reicht, ein Ende des Reigens ist nicht abzusehen", sagte ein anderer Börsianer zur Schwäche der Bankaktien. Versicherungswerte waren ebenfalls auf der Verliererseite zu finden.

Gegen den Negativtrend stemmten sich die Anteile der Bank Vontobel, die gar den höchsten Kurs seit Januar 2008 erklommen.

Die Anteile zyklischer Firmen zeigten kein klares Bild. Die Aktien des Uhrenkonzerns Swatch konsolidierten den starken Kursanstieg vom Vortag und gaben 0,5 Prozent nach. Konkurrent Richemont sank um 1 Prozent. ABB und Geberit waren leicht schwächer. Der Zementkonzern LafargeHolcim konnte sich gut behaupten.

Am breiten Markt stiegen die Dormakaba-Aktien um 6,9 Prozent. Die Schliesstechnik-Firma wird in Nordamerika durch die Übernahme von Geschäftsteilen der US-Firma Stanley Black & Decker der drittgrösste Anbieter.

Evolva schiesst weiter hoch

Die Aktien von Evolva setzten ihre Rallye fort und kletterten um weitere 31,1 Prozent. Der Hersteller von Nahrungsmittelzusätzen hat in den USA jüngst ein Patent für den Süssstoff Stevia erhalten.

Die Aktien von Meyer Burger verloren 3,1 Prozent. "Die massive Kapitalerhöhung wirkt nach. Das hat viele Aktien freigesetzt", sagte ein Händler.

Die Anteile von Implenia stiegen auf ein Rekordhoch. Der Baukonzern hat in Norwegen zwei Aufträge über 65 Millionen Franken an Land gezogen. 

(Reuters)