Schweizer Auto-Aktien mit Saft

Gute Aussichten für den Salon in Genf: Europas Automarkt erholt sich. Davon profitieren gleich mehrere Schweizer Zulieferer. Ein Auswahl von Auto-Aktien, die noch Sprit im Tank haben.
11.03.2015 00:15
Von Ivo Ruch
Am Genfer Automobilsalon werden zahlreiche Neuheiten präsentiert.

Immer im März präsentiert die Automobilbranche in Genf ihre neusten Kreationen. Tausende Auto-Fans strömen dann in die Palexpo-Hallen, um sich auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen. Aus Sicht der Hersteller dürfte 2015 ein erfolgreiches Autojahr werden. Denn es ist bisher geprägt von billigem Öl und einem schwachen Euro. Beides hilft europäischen Autobauern wie Daimler, Volkswagen, Fiat oder Peugeot, die im Zuge der Finanzkrise magere Jahre auf dem Heimatkontinent hinnehmen mussten.

Auch wenn in der Schweiz keine Autos mehr für den Massenmarkt produziert werden, gibt es doch eine Reihe von Firmen, die wichtige Teile für die grossen Marken herstellen und somit am Auto-Boom teilnehmen. Eine sehr kompetitive Industrie, in der sich die Schweizer Zulieferer aber seit geraumer Zeit beachtlich schlagen. Hier eine Übersicht:

Autoneum

Die Winterthurer gehören im Bereich Akustik- und Wärmemanagement zu den Weltmarktführern. Die Autoneum-Aktie gehört zu den erfolgreichsten der letzten Jahre. Auch im laufenden Börsenjahr hat sich der Titel bereits wieder um 15 Prozent verteuert. Obwohl auch Autoneum unter dem starken Franken leidet, erachtet die Zürcher Kantonalbank (ZKB) die Firma als unterdurchschnittlich währungsexponiert.

Autoneum glänzte 2014 mit einer deutlich verbesserten Profitabilität. CEO Martin Hirzel nennte gegenüber cash dafür drei Gründe: Besser ausgelastete Werke in Europa, der Asien-Boom und eine erhöhte Effizienz. Diese Faktoren begünstigen Autoneum auch im laufenden Jahr: Während der Markt global 2 bis 2,5 Prozent wachsen werde, wolle die Gruppe um 4 bis 5 Prozent zulegen, sagte Hirzel. Die ZKB empfiehlt die Aktie denn auch zum Kauf – genauso wie andere Analysten. Zudem ist Autoneum mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 (für 2015) immer noch relativ günstig bewertet.

Ems-Chemie

Der von Magdalena Martullo-Blocher gelenkte Hersteller von Spezialkunststoffen macht rund 60 Prozent seines Umsatzes in der Autoindustrie. Zum Beispiel mit Metallersatzlösungen und Airbag-Komponenten. Die Anleger sind vom Kurs des Unternehmens überzeugt. Die Ems-Aktie in den letzten 52 Wochen 23 Prozent dazugewonnen. Im laufenden Jahr ist es ein Plus von gut 2 Prozent.

Ems hat im vergangenen Geschäftsjahr 2014 erneut ein Rekordergebnis erzielt und seinen Umsatz auf fast zwei Milliarden Franken gesteigert. Martullo-Blocher will 2015 ein Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern auf der gleichen Höhe wie 2014 erwirtschaften. "Weil wir wachsen, können wir die Auswirkungen der Frankenstärke mit dem Wachstum kompensieren", sagte die Firmenchefin kürzlich gegenüber cash.

Feintool

Feintool fertigt Feinschneid- und Umformteile für Kunden aus der Autoindustrie. 2014 machte die Berner Industriegruppe 45 Prozent Gewinn an der Börse. Im laufenden Jahr ist es ein Minus von 12 Prozent. Mit einem KGV von gegen 20 ist die Aktie allerdings nicht mehr günstig. Der Start ins laufende Geschäftsjahr ist Feintool anscheinend gelungen, der bisherige Geschäftsgang liege über den Erwartungen. Doch die neue Währungssituation macht den Lyssern zu schaffen. So musste aufgrund der Franken-Stärke die Guidance nach unten angepasst werden. Konkret heisst das: 5 bis 9 Prozent weniger Umsatz.

Gut zu wissen: Der bekannte Investor Michael Pieper hält über Beteiligungen mehr als 50 Prozent von Feintool. In diesem Zusammenhang machen immer wieder Übernahmegerüchte die Runde.

Georg Fischer

Georg Fischer (GF) ist in drei Divisionen aufgeteilt, wobei Automotive die rentabelste ist. Dabei werden Gussteile aus verschiedenen Metallen für Personenwagen und Nutzfahrzeuge hergestellt. Seit Jahresbeginn ist die GF-Aktie 10 Prozent im Hoch und kratzt an der Marke von 700 Franken. Dies nachdem der Titel im vergangenen Jahr kaum vom Fleck gekommen war. Aktuell reichen die von Analysten veröffentlichten Kursziele von 620 bis zu 770 Franken.

Kürzlich teilte das Unternehmen mit, dass die Automotive-Abteilung von der Franken-Aufwertung nicht betroffen sei und von den erhöhten Produktionskapazitäten in China profitieren dürfte. Für das Geschäftsjahr 2015 stellt GF denn auch eine weitere Verbesserung der EBIT-Marge. Prognosen seien wegen der Unsicherheiten über die weitere Entwicklung des Schweizer Frankens allerdings deutlich anspruchsvoller geworden.

SFS

Die Produkte des Rheintaler Industrieunternehmens (Zahnräder, Schrauben, Filter, Klemmen) finden in Airbags, Bremssystemen oder Motoren Verwendung. Die Sparte "Engineered Components", die auf Umformung von Metallen unter hohem Druck (Kaltmassivumformung) spezialisiert ist, steuert gut die Hälfte zum Umsatz bei.

Der Börsenneuling (IPO Mai 2014) hat es bislang nicht leicht. Die vorläufige Bilanz lautet: plus 5 Prozent. Doch seit dem Börsengewitter im Januar befindet sich die SFS-Aktie in einem konstanten Aufwärtstrend. Für das laufende Jahr rechnet das Management aufgrund der Frankenstärke allerdings mit einem Umsatzrückgang von 2 bis 4 Prozent. Weiter bekräftigt das Unternehmen, dass es Produktionsaktivitäten mit beschränktem Knowhow und Technologiegehalt vermehrt in eigene Werken ausserhalb der Schweiz verlagern will. Hierzulande soll auf Entwicklung und Herstellung von technologisch anspruchsvollen Produkten fokussiert werden.

Sika

Beim allgegenwärtigen Hickhack um die Zukunft von Sika wird gerne vergessen, dass die Firma innovative und technologisch führende Produkte herstellt. Für die Automobilindustrie sind das Werkstoffe, die zum Kleben, Abdichten und Schallabsorbieren dienen. Mit einem Gewinn von 16 Prozent im laufenden Jahr lässt die Sika-Aktie den Gesamtmarkt zudem deutlich hinter sich.

Der in Baar ansässige Konzern hat trotz der juristischen Streitereien 2014 das beste Resultat der Unternehmensgeschichte erzielt. Für 2015 rechnen die Zuger mit einem Umsatzwachstum von 6 bis 8 Prozent bei konstanten Wechselkursen und die Margen sollen sich auf dem Level von 2014 bewegen. Mit dem Ziel, den Ausbau der Wachstumsmärkte weiter voranzutreiben, sei zudem die Eröffnung von sieben bis neun weiteren Fabriken geplant. Allerdings: Der unbekannte Ausgang des Übernahmeversuchs durch Saint-Gobain stellt eine ständige Unsicherheit dar.