Schweizer Banken sagen «Jein» zu Strafzinsen für Sparer

Wenn es um die Weitergabe von Negativzinsen an die Kunden geht, spalten sich die Geister bei Schweizer Banken. Niemand will so richtig vorpreschen.
11.12.2016 20:33
Lieferanteneingang der Schweizerischen Nationalbank in Zürich. Sie führte im Januar den Negativzins ein.
Lieferanteneingang der Schweizerischen Nationalbank in Zürich. Sie führte im Januar den Negativzins ein.
Bild: cash

So rechnet der Migros-Bank-Chef Harald Nedwed damit, dass viele Banken künftig Negativzinsen zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben werden. Mit einer Einschränkung: Kleinsparer haben laut seinen Aussagen gegenüber der "NZZ am Sonntag" nichts zu befürchten. Er wiederholt damit frühere Andeutungen in dieselbe Richtung.

Das Problem der Banken beschreibt er folgendermassen: Wegen der Negativzinsen sei heute ein Sparkonto selbst bei einem Zinssatz von 0 Prozent zu hoch verzinst. Diese überhöhten Sparzinsen würden durch eine Quersubventionierung zulasten der Hypothekarschuldner finanziert. Weil Pensionskassen und Versicherer dieses Problem nicht hätten, könnten sie Hypotheken günstiger anbieten. Sprich: Die Banken büssen an Wettbewerbsfähigkeit ein.

2017 werde die Migros-Bank ernsthaft über Negativzinsen nachdenken müssen. Kleinsparer haben allerdings keine Negativzinsen auf ihren Guthaben zu befürchten. Laut Nedwed wären Kunden mit einem Kontostand ab einer Million betroffen.

Ganz anders sieht das hingegen Raiffeisen-Chef Patrik Gisel. Er erteilt der Weitergabe von Negativzinsen an die Kunden in einem Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" am Samstag eine Absage. "Bevor wir auch nur daran denken, Negativzinsen für Privatkunden einzuführen, werden wir nach Kompensationsmöglichkeiten suchen", sagte Gisel. "Die Kunden von Raiffeisen würden Negativzinsen nicht verstehen."

Raiffeisen hat (wieder) andere Haltung

Noch in einem cash.ch-Interview im letzten August schloss Gisel Negativzinsen für Raiffeisen-Kunden aber kategorisch nicht aus. "Natürlich muss man die konjunkturelle Situation beobachten, und es ist nicht gänzlich auszuschliessen, dass Banken zu diesem Schritt gezwungen sein werden." Raiffeisen würde dabei aber kaum die Vorreiterrolle übernehmen, wie Gisel zu cash sagte: "Wir werden mit Sicherheit bei diesem Thema nicht vorpreschen."

Falls auf den Durchschnitsbürger einmal ein Negativzins abgewälzt wird, wäre dies laut Experten wohl sowieso nur in einer konzertierten Aktion der Banken umsetzbar. Zu gross ist die Befürchtung, dass Kunden dann abwandern.

"Pionierin" bei der Weitergabe von Negativzinsen an die Kunden ist Alternative Bank Schweiz. Sie führte per 1. Januar 2016 auf ihren Privatkonten einen negativen Zinssatz von 0,125 Prozent ein. Ab einem Guthaben von 100’000 Franken beträgt der Strafzins seither sogar -0,75 Prozent - analog zum Leitzinssatz der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die ABS betrat damit weltweit Neuland und fand Erwähnungen vom Wall Street Journal bis zum japanischen Staatsfernsehen.

Noch ist keine andere Schweizer Bank in derselben Konsequenz dem Beispiel der ABS gefolgt. Zwar gibt es eine Reihe von Instituten, die institutionelle oder vermögende Privatkunden zur Kasse bitten. Doch die Zeichen verdichten sich, dass es eine Frage der Zeit ist, bis weitere Retailbanken folgen. Zuletzt machte die Postfinance Schlagzeilen. Für Beträge, die die Schwelle von 1 Millionen Franken übersteigen, müssen Kunden künftig eine Gebühr von 1 Prozent bezahlen.

(cash/AWP)