Schweizer Banken vor Strategieänderungen?

UBS, Credit Suisse, Vontobel: Welche Weichenstellungen könnten diese drei Banken vornehmen? Die Einschätzung von drei Analysten.
10.01.2014 08:07
Von Lorenz Burkhalter
Am Paradeplatz in Zürich wird bald nichts mehr so sein, wie es war.
Am Paradeplatz in Zürich wird bald nichts mehr so sein, wie es war.
Bild: Bloomberg

Nichts ist mehr, wie es einmal war: Das Schweizer Bankgeheimnis ist faktisch tot. Und als ob damit nicht genug wäre, ist hierzulande auch noch eine hitzige Debatte über eine Verschärfung der im internationalen Vergleich sonst schon strengen Eigenmittelvorschriften entflammt. Mit Ausnahme der strategischen Abkehr von grossen Teilen des Investment Banking durch die UBS veränderte sich die Schweizer Bankenlandschaft bis zum heutigen Tag jedoch nicht gross.

Darf man dem Analysten von Mediobanca Glauben schenken, könnte sich das allerdings schon bald ändern. In einem Kommentar schreibt er, dass die Grossbank Pläne für eine Abspaltung des verbleibenden Investment Banking aus der Schublade nehmen und umsetzen könnte.

Und den für Nomura und MainFirst tätigen Berufskollegen zufolge bahnen sich auch bei der Credit Suisse und Vontobel Veränderungen an, welche die Schweizer Bankenlandschaft grundlegend verändern
könnten.

Folgt die Credit Suisse dem Beispiel der UBS?

Die Credit Suisse musste sich in den letzten Jahren einiges an Kritik gefallen lassen. Ausschlaggebend dafür war die Strategieänderung der UBS, welche ihr Investment Banking einer grundlegenden Gesundschrumpfung unterzog.

In einer Studie zu den Investment Banken schliesst der Bankenanalyst von Nomura nicht mehr länger aus, dass die Credit Suisse dem Beispiel der Erzrivalin folgen könnte. Wie andere Mitbewerber auch, habe die Grossbank mit grössen-, kosten- und kapitalseitigen Herausforderungen zu kämpfen.

Und sollten die Eigenmittelvorschriften in der Schweiz um ein Minimum für das Leverage Ratio ergänzt werden, müsse die Credit Suisse diese Karte vermutlich spielen. Der Analyst hält allerdings fest, dass sich mit einem solchen Vorstoss Aktionärswerte generieren liessen.

Raiffeisen und Vontobel könnten getrennte Wege gehen

Seit der Übernahme von Notenstein durch die Raiffeisen-Gruppe ist bei Vontobel Feuer im Dach. Mit der Beteiligungsnahme an Leonteq, einem aufstrebenden Anbieter strukturierter Produkte, goss die Raiffeisen Gruppe weiteres Öl in dieses Feuer. Seither sind die Fronten zwischen den beiden Kooperationspartnern verhärtet.

Der für MainFirst tätige Analyst rechnet deshalb damit, dass Vontobel die gut gefüllte Kriegskasse schon in den nächsten Wochen für einen Rückkauf der von der Raiffeisen-Gruppe gehaltenen 12,5-Prozent-Beteiligung nutzen wird. In diesem Fall würden die Karten im Umfeld der beiden Institute mit grosser Wahrscheinlichkeit neu gemischt.