Schweizer Börse - Anleger setzen im SMI auf sichere Werte

Die Schweizer Börse hat am Mittwoch dank Kursgewinnen der als konjunkturresistent geltenden Marktschwergewichte zugelegt.
29.03.2017 17:30
Sonnenschein über der Schweizer Börse: Die Kurse ziehen an.

Grossbritanniens Antrag auf Austritt aus der EU war laut Händlern kein grosses Thema. "Die Anleger lassen sich weder von Donald Trumps politischen Misserfolgen noch von den beginnenden Brexit-Verhandlungen einschüchtern", erklärte die Aargauer Kantonalbank in ihrem Marktkommentar. "Der Brexit-Schock war im vergangenen Juni und seitdem hatten wir Zeit, das Thema einzuarbeiten", sagte ein Börsianer.

Der SMI legte um 0,8 Prozent auf 8662 Punkte zu.

Die britische Premierministerin Theresa May setzte Dienstagabend ihre Unterschrift unter den Antrag zum Austritt des Landes aus der Europäischen Union. Der Brief wurde an diesem Mittwoch in Brüssel übergeben. Der Einfluss des Brexit hinterliess weder am Aktien- noch am Devisenmarkt negative Spuren. Das Pfund und die Londoner Börse legten leicht zu.

Weltwirtschaft zieht an

"Wichtiger ist, dass die Wirtschaft weltweit anzieht", sagte ein Händler. Die US-Verbraucher sind in Hochstimmung, wie am Dienstag veröffentlichte Zahlen zeigten. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrössten Volkswirtschaft. Auf unerwartet starke Daten aus den USA am Dienstag folgten am Mittwoch bessere als erwartete Konjunkturzahlen aus Europa.

Zudem erholte sich der Dollar gegenüber Euro und Franken, nachdem sich der führende US-Notenbanker Charles Evans für bis zu zwei Zinserhöhungen in 2017 ausgesprochen hat. Der Dollar gewann zusätzlich an Wert nach einer Reuters-Meldung, wonach Insidern zufolge die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung im April Investoren klar machen wolle, dass sie noch eine ganze Weile an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festhalten werde.

Die Standardwerte waren mehrheitlich fester. Den stärksten Beitrag zum Index-Gewinn leisteten die Anteile des als krisensicher geltenden Lebensmittelmultis Nestle und der Pharmakonzerne Novartis und Roche mit Anstiegen von 0,7 bis zu einem Prozent.

Roche kann in den USA sein neuartiges Multiple-Sklerose-Medikament auf den Markt bringen. Die Arzneimittelbehörde FDA liess Ocrevus sowohl zur Behandlung der sogenannten primär progredienten MS - einer bislang nicht behandelbaren Form der Nervenerkrankung - als auch der verbreiteten, schubförmig verlaufenden Form zu. Die Zulassung wurde erwartet, Händler zeigten sich von der Kursreaktion aber etwas enttäuscht. Analysten trauen dem auch unter dem Namen Ocrelizumab bekannten Präparat Milliardenumsätze zu.

An die Spitze setzte sich der Lebensversicherer Swiss Life mit einem Kursgewinn von 1,6 Prozent. Baader Helvea hob das Kursziel und empfahl den Titel zum Kauf.

Die Aktien der Grossbanken Credit Suisse und UBS rückten um 0,7 und 1,2 Prozent vor. Die Aktien des Vermögensverwalters Julius Bär dagegen büssten leicht Terrain ein. Die Papiere von Zurich Insurance sanken am Tag der Generalversammlung um 0,6 Prozent.

Zykliker meist fester

Die Titel zyklischer Firmen zeigten sich mehrheitlich fester. Die Papiere des vor der Übernahme durch ChemChina stehenden Agrarchemiekonzerns Syngenta und der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch gewannen 0,8 bis 1,4 Prozent. SGS und LafargeHolcim zogen um 0,6 und 0,4 Prozent an. Adecco und Givaudan schwächten sich leicht ab.

Am breiten Markt stiegen die Anteile der GAM Holding um 3 Prozent. Der aktivistische Investor RBR fordert einem Medienbericht zufolge bei dem Vermögensverwalter drastische Einsparungen. RBR-Gründer Rudolf Bohli wolle die Kosten um 100 Millionen Franken senken und seine Pläne am Donnerstag öffentlich machen, schrieb die "Finanz und Wirtschaft" unter Bezugnahme auf Bohlis Umfeld. Er propagiere zudem einen neuen CEO.

Die Aktien der Derivat-Boutique Leonteq setzten den Aufwärtstrend der vergangenen Tage fort und rückten 4,2 Prozent vor. "Die Käufer hoffen, dass Rainer Marc Frey den Karren wieder flottmacht", sagte ein Händler. Seit dem Einstieg des Financiers hat der Kurs stark angezogen.

Neu an die Schweizer Börse kamen die Aktien der britischen Firma Rapid Nutrition. Ein bezahlter Kurs in den Aktien der Nahrungsmittelfirma kam allerdings nicht zustande. Der Referenzpreis wurde mit 2,29 Euro und der Geldkurs mit 2,51 Euro angegeben.

(Reuters)