Schweizer Börse - Die Sieger-Aktien der Halbjahreszahlen

Auf die Halbjahreszahlen haben viele Schweizer Aktien mit teils heftigen Kursausschlägen reagiert. In den meisten Fällen hat sich der Trend bislang fortgesetzt.
21.09.2017 08:01
Von Ivo Ruch
Die Aktien von Georg Fischer sind seit den Halbjahreszahlen Mitte Juli mehr als 20 Prozent vorgerückt.
Die Aktien von Georg Fischer sind seit den Halbjahreszahlen Mitte Juli mehr als 20 Prozent vorgerückt.
Bild: ZVG

Selten kann die Meinung der Börse zu einer Aktie so direkt verfolgt werden, wie wenn das Unternehmen seine Geschäftszahlen präsentiert. Firmenchefs betonen zwar immer wieder, ihre operative Leistung sei nur teilweise für die Börsenperformance verantwortlich. Im Aktienkurs sei auch viel irrationales Anlegerverhalten und allgemeine Marktstimmung enthalten. Doch während der Berichtssaison werden die Unternehmen hauptsächlich an ihrem Geschäftserfolg gemessen - und entsprechend den Investorenerwartungen belohnt oder bestraft.

Die zurückliegende Berichtssaison für die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres brachte diesbezüglich einige heftige Reaktionen. Ob irrational oder nicht. Einzelne Aktien reagierten mit Kursveränderungen im zweistelligen Prozentbereich am Tag der Zahlenpublikation. So zum Beispiel das Industrieunternehmen Georg Fischer (+ 13 Prozent) oder der Zahnimplantatehersteller Straumann (+11 Prozent).

Gleichzeitig ging es mit mehreren Titeln steil bergab. Huber+Suhner, Implenia oder Emmi verloren alle an einem einzigen Handelstag rund 10 Prozent. Dabei handelte es sich in den meisten Fällen um Aktien, die in den Monaten davor stark angestiegen waren.

Kurstendenz vertstärkt sich

Das Erstaunliche ist nun, dass die Kurstendenz seit den Halbjahreszahlen mehrheitlich Bestand hat. Ersichtlich wird das auch bei den Aktien des Swiss Market Index (SMI). Hier erlebten die Privatbank Julius Bär (+4,5 Prozent) und der Pharmazulieferer Lonza (+7,7 Prozent) die grössten Kurssprünge am Tag der Ergebnispublikation. Beide Titel konnten ihren Schwung mitnehmen und die Performance in den letzten Wochen ausbauen (siehe Tabelle am Artikelende).

Seit Jahresbeginn ist Lonza mit einem Kursplus von mittlerweile 57 Prozent die erfolgreichste SMI-Aktie. Bei Analysten und Investoren beliebt, ist die Kursfantasie allerdings bereits sehr ausgeprägt. Die Bewertung anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) ist deutlich über den historischen Durchschnitt geklettert. Zukünftige Ergebnisenttäuschungen dürften also auf breiter Front zu Gewinnmitnahmen führen.

Julius Bär hingegen kann trotz Allzeithoch Anfang August immer noch als relativ "günstig" bezeichnet werden. Ein KGV von 15 ist im Vergleich mit anderen Finanzunternehmen ein tiefer Wert, zumal das Neugeld-Wachstum am Markt Ertragsfantasien weckt.

Trotz ebenfalls attraktiver Bewertung (KGV 14) lockt die UBS-Aktie derzeit kaum Anleger an. Alleine am Tag der Halbjahreszahlen Ende Juli verlor sie fast 3 Prozent. Vor allem die negativen Überraschungen im Zusammenhang mit der Kernkapitalquote waren für den Kursrückgang verantwortlich. Seither hat sich die Aktie aber nicht mehr erholt und den Verlust auf über 6 Prozent ausgebaut.

Ein seltener Turnaround

Eine noch schlechtere Bilanz weist bloss Swiss Re auf. Der Versicherungskonzern kommt schon seit längerem nicht auf Touren und ist im laufenden Jahr die einzige SMI-Aktie mit negativem Vorzeichen (-13 Prozent). Auch die Halbjahreszahlen konnten daran nichts ändern, die Wirbelsturmsaison sorgt zusätzlich für Verunsicherung. Einzig die grosszügige Dividende spricht in diesem Fall für ein Engagement.

Erwähnenswert ist noch der Turnaround von Givaudan. Der Aroma- und Riechstoffhersteller hat sich nach dem Absturz am 20. Juli (-3 Prozent) wieder gefangen und seither mehr als 9 Prozent zugelegt. Die Analysten der Bank Vontobel schrieben am Dienstag in einer Studie, Givaudan sei gut aufgestellt, um vom Trend hin zu "natürlich und gesund" im Konsumgütersektor zu profitieren. Sie empfehlen den Titel neu zum Kauf.

Übrigens: Auch die eingangs erwähnte Aktie von Georg Fischer setzt ihren Aufwärtstrend munter fort, mittlerweile beträgt das Kursplus seit den Halbjahreszahlen 22 Prozent. Genauso wie Implenia und Emmi nicht vom Fleck kommen und Beispiele dafür sind, dass unerwartet schlechte Geschäftszahlen das Investorenklima auf Wochen hinaus eintrüben können.

SMI-Halbjahreszahlen

Firma Termin Kursreaktion 1*, in % Kursreaktion 2**, in %
ABB 20.07. -2,8 -0,1
Adecco 10.08. -6,4 +0,1
Credit Suisse 28.07. +3,1 +2,3
Geberit 17.08. -5,8 -5,5
Givaudan 20.07. -3 +6,2
Julius Bär 24.07. +4,5 +12,5
LafargeHolcim 26.07. -0,3 +3
Lonza 26.07. +7,7 +19,8
Nestlé 27.07. -1 -0,1
Novartis 18.07. +0,4 +3,6
Richemont 13.09. -1,2 -3,3
Roche 27.07. +0,2 +1,7
SGS 17.07. -3,4 -3,3
Sika 27.07. +1,4 +10
Swatch 21.07. +1,9 +4,4
Swiss Life 16.08. -0,1 -4,2
Swiss Re 04.08. -3,1 -11
Swisscom 17.08. -0,5 +2,9
UBS 28.07 -2,9 -6,6
Zurich 10.08. -0,4 -1,5

*Kursreaktion 1 = Veränderung am Tag der Ergebnispräsentation

**Kursreaktion 2 = Veränderung seit Ergebnispräsentation

Quelle: cash.ch (Stand 20.09.17)