Schweizer Börse vor entscheidenden Wochen

Im noch jungen 2017 lässt die Schweizer Börse viele internationale Märkte hinter sich. In den kommenden Wochen werden die Weichen allerdings neu gestellt.
16.01.2017 23:01
Von Ivo Ruch
Die Aktie von Swatch gehörte in den letzten Wochen und Monaten zu den Überfliegern.
Die Aktie von Swatch gehörte in den letzten Wochen und Monaten zu den Überfliegern.
Bild: Bloomberg

Was für ein Jahresauftakt der Schweizer Börse: Mehr als zwei Prozent konnte der Swiss Market Index (SMI) im noch jungen Börsenjahr bereits zulegen. Der SMI-Aufschwung setzte allerdings schon früher ein. Am 2. Dezember stand der Leitindex noch bei 7750 Punkten, mittlerweile ist er bei rund 8400 Punkten angelangt – ein Stand, der ziemlich genau vor einem Jahr zuletzt erreicht wurde.

Damit gehört die Schweizer Börse auch international zu den Schnellstartern, selbst wenn man den um Dividendenzahlungen erweiterten SMIC oder den breiten Swiss Performance Index (SPI) berücksichtigt: Nur der englische FTSE 100 (+2,8 Prozent), der chinesische Hang Seng (+3,3 Prozent) und der amerikanische Technologie-Index Nasdaq 100 (+4 Prozent) weisen im laufenden Jahr eine bessere Performance auf, wie die folgende Tabelle zeigt:

Aktienindex Performance seit Anfang 2017, in %
Nasdaq 100 +4,1
Hang Seng +3,3
FTSE 100 +2,8
SMI +2
SPI +2
S&P 500 +1,6
Dax +0,7
Dow Jones, CAC 40 (Frankreich) +0,6
Euro Stoxx 50 +0,3
Nikkei -0,1

Quelle: cash.ch (Stand 16.01.17)

Nirgends wird diese Schweizer Outperformance deutlicher als bei den Aktien des Luxusgütersegments: Richemont und Swatch haben in diesem Jahr ihren Börsenwert bereits um 14 respektive 12 Prozent steigern können. Die Uhren- und Schmuckhersteller dürften auch in Zukunft für Unterstützung sorgen. Am Montag beginnt in Genf der internationale Uhrensalon, wo die grossen Marken im Schaufenster stehen.

Laut Berechnungen der Grossbank Citi nahmen die Schweizer Uhrenexporte 2016 zwar um 10 Prozent ab, nach einem Rückgang um 3 Prozent ein Jahr zuvor. Doch die Lage könnte sich bald aufhellen, wie die jüngsten Zahlen des Luxusgüter-Konzerns Richemont andeuten. Zur Überraschung vieler Beobachter gewann die Umsatzentwicklung nach einer Stabilisierung im Oktober in den beiden Folgemonaten an Fahrt. Sowohl im Uhren- als auch im Schmuckgeschäft übertraf Richemont die Erwartungen deutlich, was auch der Aktie neuen Schub gab.

Wie der folgende Chart zeigt, stieg Richemont unlängst auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Trotz der seit letztem Sommer anhaltenden Rally trauen viele Aktienprofits den Aktien von Aktien von Richemont und Swatch noch Luft nach oben zu.

Die Richemont-Aktie im Verlauf der letzten drei Jahre, Quelle: cash.ch

Zwischenzeitlich nach oben gearbeitet haben sich auch die Anteilsscheine der Pharma-Unternehmen Novartis und Roche. Doch seit letztem Mittwoch geht es für die Index-Schwergewichte nur noch abwärts. Der Grund: Der zukünftige US-Präsident Donald Trump kritisierte an seiner ersten Pressekonferenz seit seiner Wahl die Preispolitik der Pharmabranche scharf. Damit schürt er Angst vor Umsatzeinbussen im für Novartis und Roche wichtigsten Markt – und Investoren halten sich mit Investments zurück.

Die kommenden Wochen werden für die beiden Basler Unternehmen mitentscheidend: Am 25. Januar (Novartis) respektive am 1. Februar präsentieren sie ihre jüngsten Unternehmenszahlen. Aufgrund ihrer starken Gewichtung von knapp 40 Prozent hängt damit auch das Schicksal des SMI ab. Doch zumindest im Fall von Novartis machen bereits negative Gerüchte die Runde. In den letzten Tagen stuften die Analysten von Credit Suisse und Berenberg die Titel jeweils von "Kaufen" auf "Halten" herunter.

Noch schlechter als die Pharma-Aktien laufen derzeit nur die Titel von Swiss Re (siehe Tabelle am Artikelende). Alleine am Montag verlor der Rückversicherer mehr als 2,5 Prozent nachdem die UBS in einer Studie zukünftige Aktienrückkäufe infrage gestellte hatte. Doch längst nicht alle Finanztitel stehen in den Miesen. CS und UBS etwa gehören zu den Überfliegern der Stunde – im Zusammenhang mit der Hoffnung auf höhere Zinsen und überraschend guten Geschäftszahlen (Daten der Zahlenpräsentationen: UBS am 27.01., CS am 14.02.).

Expertenmeinungen gehen auseinander

Neben der hiesigen Zahlenflut stehen auch einige makro- oder geopolitische Themen im Fokus der Anleger. So machen sich zusehends Sorgen breit um einen "harten" Brexit. Demnach strebt die britische Regierung unter anderem einen Austritt aus der EU-Zollunion an, um bilaterale Handelsverträge schliessen zu können. Und Donald Trump dürfte die Finanzmärkte weiter auf Trab halten, zum Beispiel mit Kommentaren zu hohen Schutzzöllen oder zum zukünftigen Umgang mit China. Nach Trumps offiziellem Amtsantritt am 20. Januarbesteht zumindest Hoffnung auf mehr Klarheit.

Was bedeutet das unter dem Strich für die Schweizer Börse? Die Marktexperten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) erwarten auf Sicht von ein bis zwei Monaten "eine Fortsetzung der laufenden Aufwärtsbewegung Richtung 8600 Punkte", wie sie am Montag in einem Kommentar schrieben. Ebenfalls interessant ist auch ein Blick auf die Social Trader von Wikifolio. Wie eine Umfrage unter den Usern ergab, rechnen 90 Prozent damit, dass der SMI Ende 2017 über 8000 Punkten liegt. Rund ein Drittel der Befragten erwartet gar ein Überspringen der 9000-Punkte-Marke. Weniger zuversichtlich ist die Bank Raiffeisen: "Der Schweizer Markt ist auf Basis Kurs/Gewinn-Verhältnis weiterhin relativ teuer bewertet", schrieben sie unlängst in der Zusammenfassung ihrer Anlagepolitik.

Beste und schlechteste SMI-Jahresstarter 2017

Top-Aktien Performance seit Anfang 2017, in % Flop-Aktien Perf. seit Anfang 2017, in %
Richemont +14 Swiss Re -2,6
Swatch +11,5 Novartis -2,4
Credit Suisse +8,6 Givaudan -1,9
UBS +6,8 LafargeHolcim -0,7
ABB +5,6 Swisscom -0,4

Quelle: cash.ch (Stand 16.01.17)