Schweizer Börse: Abgabedruck im SMI lässt nach

Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel am Donnerstag erneut mit Kursverlusten in Angriff genommen, grenzt diese bis am Mittag allerdings ein.
27.10.2016 13:10
Nach Tagen der negativen Auswirkungen auf den SMI am Donnerstag wieder mal eine Stütze: Novartis-Aktie.
Nach Tagen der negativen Auswirkungen auf den SMI am Donnerstag wieder mal eine Stütze: Novartis-Aktie.
Bild: Bloomberg

Unterstützung erhält der Leitindex SMI von Seiten der defensiven Schwergewichte, während vor allem Zykliker Kurseinbussen hinnehmen müssen. Gewinnmitnahmen im grossen Umfang sind beispielsweise bei ABB, SGS oder Clariant zu sehen, die mit Angaben zur Geschäftsentwicklung ihre Anleger enttäuschten.

Nebst durchwachsenen Unternehmenszahlen und den volatilen Ölnotierungen drücke auch die Sorge vor dem nächsten Zinsschritt der US-Notenbank Fed auf die Stimmung, meinen Händler. So setze sich verstärkt die Meinung durch, dass die US-Notenbank doch bereits im Dezember die nächste Zinserhöhung durchführen werde. Am Nachmittag werden die Anleger die neusten Daten zum US-Auftragseingang dahingehend durchleuchten. Grössere Beachtung dürften aber am morgigen Freitag die Zahlen zum US-BIP des dritten Quartals finden.

Der SMI notiert bis Mittag mit 0,1% leicht höher bei 7896 Punkten. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, büsst dagegen 0,3% auf 1226 Zähler ein, der breite SPI ist bei 8637 Zählern praktisch unverändert. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren nur noch 17 im Minus und 13 im Plus.

ABB-Aktie sackt nach schwachen Quartalszahlen ab

Kräftige Kursverluste sind nach wie vor bei ABB (-6,6%) zu sehen. Der Industriekonzern hat im dritten Quartal die schwache Nachfrage in einzelnen Absatzmärkten zu spüren bekommen, deutlich weniger Aufträge an Land gezogen und damit die Markterwartungen klar verfehlt. Zudem habe der Wechsel des Finanzchefs überrascht, hiess es. Bereits hat die Bank Vontobel das Rating auf "Hold" von "Buy" zurückgestuft. Im herausfordernden Umfeld sei das Aufwärtspotenzial der Aktie begrenzt, so die Begründung.

Die zweitgrössten Kursverluste gehen auf das Konto von SGS (-3,7%). Am Investorentreffen in Polen hat der Warenprüfkonzern die Wachstumsprognose für das laufende Jahr nach unten angepasst. Neu erwartet SGS für 2016 noch ein organisches Wachstum von rund 2,5% nach zuvor 2,5 bis 3,5%. Die mittelfristige Guidance wurde dagegen bekräftigt.

Ebenfalls unter Druck stehen Clariant (-1,7%). Der Chemiekonzern hat seinen Umsatz in Lokalwährung auch im dritten Quartal steigern können, während der operative Gewinn stagnierte. Die Zahlen sind laut Analysten nicht gut genug, um die grundsätzlich eher negative Stimmung gegenüber den Clariant-Titeln umzukehren.

Sika verlieren trotz Rekordergebnis

Besser als ABB und Clariant schnitt Sika ab. Der im Übernahmekampf steckende Bauchemie- und Klebstoffhersteller hat die Ergebnisse im dritten Quartal auf neue Rekordwerte gesteigert und sich auf Gewinnebene besser als von Analysten erwartet entwickelt. Der Ausblick sei aber von Vorsicht geprägt, so ein Analyst. Die Aktie verliert 0,3%.

Die Uhrentitel von Swatch geben um 0,9% und jene des Branchennachbars Richemont um 1,2% nach. Zu Reden gibt der Entscheid der Weko, die mit Swatch im Jahr 2013 getroffene Regelung zu Lieferpflichten für Eta-Uhrwerke beizubehalten. Swatch zieht nun in Erwägung, die Preise für Eta-Werke "massiv" anzuheben. Der Weko-Entscheid werde die Flexibilität von Swatch weiter einschränken, meint ein Analyst.

Credit Suisse (+0,2%) und UBS (+0,1%) tendieren mittlerweile etwas fester. Die Deutsche Bank hat vor allem dank dem anziehenden Handelsgeschäft mit guten Quartalszahlen überrascht und stützt so den Sektor. Die UBS veröffentlicht am Freitag den Quartalsbericht. Im Vorfeld dazu hat die Commerzbank das Kursziel deutlich zurückgenommen.

Schwergewichte stützen den SMI

Kräftige Unterstützung erhält der Gesamtmarkt von den Index-Schwergewichten Novartis (+0,4%), Nestlé (+0,9%) und insbesondere Roche (+1,1%). Insgesamt treiben sie den Index um rund 35 Punkte in die Höhe.

Im breiten Markt verliert Straumann trotz solider Zahlen 2,6%. Um 3,8% brechen Bucher ein. Die Gruppe musste Rückgänge sowohl im Umsatz als auch im Auftragseingang vermelden und der Ausblick wird in Analystenkreisen als "düster" bezeichnet.

Zahlen vorgelegt haben auch die Bank Vontobel (+0,6%) und Molecular Partners (-0,2%). Bei Logitech (-3,8%) kommt es nach den starken Kursavancen des Vortages (+17%) nun zu Gewinnmitnahmen.

(AWP)