Schweizer Börse am Mittag auf Tagestief

Der Schweizer Aktienmarkt tendiert am Donnerstag zur Mittagszeit deutlich im Minus, nachdem der SMI an den zwei vorangegangenen Tagen noch jeweils ein kleines Plus verzeichnen konnte.
01.12.2016 13:05
Am Donnerstag einmal mehr eine grosse Belastung für den SMI: die Nestlé-Aktie (im Bild der Hauptsitz in Vevey am Genfersee).
Am Donnerstag einmal mehr eine grosse Belastung für den SMI: die Nestlé-Aktie (im Bild der Hauptsitz in Vevey am Genfersee).
Bild: Bloomberg

Viel Zeit für ein Jahresendrally bleibe damit nicht mehr, jetzt wo der letzte Monat des Jahres angebrochen ist, heisst es am Markt. Im November legte der Schweizer Leitindex 0,6% zu, im Jahresverlauf steht er dagegen mehr als 10% im Minus. In einem Umfeld der Unsicherheit würden sämtliche positiven Faktoren wie ein steigender Ölpreis und gute Wirtschaftsdaten aus China einfach ignoriert, so ein Marktbeobachter.

Vor dem US-Arbeitsmarktbericht am morgigen Freitag und dem Verfassungsreferendum in Italien am Sonntag hielten sich die Investoren eher zurück, heisst es von Händlerseite. Es bleibe zu hoffen, dass die Abstimmung in Italien nicht nur eine Ausrede für die wochenlange Zurückhaltung war und am kommenden Montag endlich etwas Bewegung in den Markt kommt. Langfristig sei die Abstimmung jedoch nur eine von vielen lauernden Unsicherheitsfaktoren in Europa. Auch die Wall Street habe in dieser Woche wieder einen Gang runtergeschaltet und falle damit als möglicher Motor aus.

Der SMI kurz nach Mittag 1,0% auf 7794 Punkte. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, fällt um 0,7% auf 1246 Zähler, und der breite SPI um 0,9% auf 8543 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln liegen 23 im Minus, 6 im Plus und ABB unverändert.

Schwergewichte lasten auf dem SMI

Zu den Abschlägen im SMI tragen massgeblich die Schwergewichte Roche (-1,8%), Nestlé (-1,5%) und Novartis (-1,4%) bei. Dabei folgen die beiden Pharmawerte den schwachen US-Vorgaben. Dort hatten Aktien aus dem Pharma- und Gesundheitssektor zu den grössten Verlierern gezählt.

Am stärksten geben indes Zykliker wie Lafarge-Holcim (-2,0%), Richemont (-1,8%) und Swatch (-1,1%) ab. Der Oktober war bekanntlich bei den Schweizer Uhrenexporten der bis dato schwächste Monat des laufenden Jahres, was nach den eher guten Vormonaten bereits wieder Zweifel an einem Aufwärtstrend geschürt hatte, wie es in einem Kommentar am Donnerstag heisst. Allerdings hätten die überraschend schwachen Exporte in die USA einen nicht zu unterschätzenden Anteil gehabt. Inwiefern dies einen Zusammenhang mit der US-Präsidentschaftswahl hatte und ob es sich dabei nur um eine temporäre Schwäche handelte, darüber dürften dann die November-Zahlen Aufschluss geben. Am Vortag hatten die SMI-Luxusgütertitel indes noch zu den Favoriten gezählt.

Deutlich tiefer tendieren Clariant (-1,5%) sowie unter anderem Versicherungstitel wie Zurich (-1,3%), Swiss Life und Swiss Re (je -1,2%).

Kräftiger Schub für Credit Suisse durch Kaufempfehlung

Die stärksten Gewinne verbuchen dagegen Credit Suisse (+3,3% auf 13,96 Franken). Citigroup bestätigte die Kaufempfehlung für die Aktien der Grossbank und erhöhte das Kursziel auf 18,20 Franken. Insgesamt verfüge die Bank über ein grosses Potenzial, indem die Vermögensverwaltung ausgebaut und das Investmentbanking restrukturiert werde, heisst es im Vorfeld des am kommenden Mittwoch anstehenden Investorentags, an dem weitere Kostenmassnahmen etc. angekündigt werden sollen. Zudem sei die Bewertung der Aktie attraktiv. Sie steht allein im Jahresverlauf 2016 trotz der aktuellen Gewinne 30% im Minus.

Syngenta (+1,4%) rücken mit Nachrichten von der chinesischen Chem-China in den Fokus. Demnach wollen die Chinesen zur Finanzierung der Übernahme einen Fonds auflegen.

Deutlich fester stehen zudem noch Actelion (+0,9%) und Galenica (+0,7%). Geberit (+0,2%) legen leicht zu. Der Sanitärtechnikkonzern zeigte sich in einem Interview mit AWP mit dem Geschäftsgang ebenso zufrieden wie mit der Integration der skandinavischen Sanitec. Das Geschäft laufe weiterhin gut, sagte CEO Christian Buhl.

Gurit nach Übernahmeankündigung im Verkauf

Am breiten Markt stossen die Aktien der Spezialkunststoffhersteller Gurit (-2,0%) mit der angekündigten Übernahme des PET-Strukturschaum-Geschäftes von BASF auf kein positives Echo. Bei den Verlierern fallen zudem Accu um 23% zurück, nachdem das Unternehmen über Liquiditätsprobleme bei der Tochter Nexis berichtet hat.

Sulzer (+0,9%) können hingegen nach einem weiteren Zukauf zulegen. Der Industriekonzern übernimmt die Kontrolle über das Gasturbinengeschäft von Rotec, deren Sitz in Moskau ist.

(AWP)