Schweizer Börse: Anleger bleiben in Deckung

Der Schweizer Aktienmarkt steht am Donnerstagmittag weiterhin im Minus. Nach einem stetigen Absinken auf zweitweise unter 8100 Punkte hat sich der SMI zuletzt aber wieder etwas erholt.
09.06.2016 13:00
Am Donnerstag an der Börse besonders stark unter Druck: Die Aktie des Zementherstellers Lafarge-Holcim.
Am Donnerstag an der Börse besonders stark unter Druck: Die Aktie des Zementherstellers Lafarge-Holcim.
Bild: ZVG

Insgesamt knüpft der SMI aber an den schwachen Vortag und an die Verluste der Vorwoche an. Die Kursgewinne vom Montag und Dienstag erweisen sich derzeit lediglich als Strohfeuer. In Marktkreisen wird die Stimmung als angespannt bezeichnet, nicht zuletzt weil der Start der Unternehmensanleihenkäufe durch die EZB am Vortag keinen Schub gebracht hat.

Die näher rückende Abstimmung in Grossbritannien wird als weiterer Bremsklotz gesehen. Engagiere man sich jetzt, so riskiere man bei einem Ja der Briten zum Brexit von den wohl folgenden Verwerfungen mitgerissen zu werden. Andererseits könnte man auch ein mögliches Erleichterungsrally für den Fall eines Neins verpassen. Insgesamt führt die Ausgangslage bei den Investoren zu einer sehr zurückhaltenden Stimmung. Begünstigt wird diese zudem von den weiterhin uneinheitlichen Zeichen zum Fortgang der Wirtschaft in China. Am Nachmittag steht in den USA einzig noch die Publikation der wöchentlichen Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe auf dem Programm.

Der SMI büsst bis kurz vor Mittag 0,6% auf 8091 Punkte ein. Der 30 Titel umfassende SLI, in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,8% auf 1223 und der breite SPI 0,6% auf 8760 Punkte. Von den Bluechips legt keiner zu.

Zykliker geraten unter die Räder

Von der trüben Stimmung werden derzeit einige zyklische Werte wie Lafarge-Holcim (-2,0%) als grösster Verlierer, Clariant (-1,7%), ABB (-1,5%) oder Lonza (-1,5%) am meisten belastet. Für Lonza hatte am Vorabend Baader Helvea das Rating auf "Sell" von "Hold" zurückgenommen und dies damit begründet, dass es nach einem fantastischen Lauf Zeit sei für eine Verschnaufpause. Darüber hinaus hat Lonza am Morgen eine Fertigungsvereinbarung mit Bluebird in den USA bekanntgegeben. Diese wurde von der Bank Vontobel positiv gewertet, eine Änderung der Schätzungen der Bank ist damit aber nicht verbunden.

Mit zu den schwächsten Aktien gehören auch Credit Suisse (-1,9%). Der Titel leidet unter einer Rückstufung durch die englische Bank Barclays, welche das Rating wegen der Risiken im Zusammenhang mit vielen grossen hängigen Rechtsfällen auf "Equalweight" von "Overweight" zurückgenommen und auch das Kursziel deutlich reduziert hat. Gleichzeitig hat Barclays das Rating für die UBS-Titel im Rahmen einer Branchenstudie zu Investmentbanken auf "Overweight" von "Equalweight" erhöht. UBS (-1,2%) verlieren allerdings nach freundlichem Start ebenfalls an Terrain.

Weitere Finanzwerte wie Zurich (-1,5%) und Swiss Life (-1,3%) stehen ebenfalls etwas unter Druck. Bereits am Vortag hatten die Versicherungsaktien zu den schwächeren Papieren gehört.

Roche-Bons können sich halten

Von den Schwergewichten fallen Nestlé (-0,6%) und Novartis (-0,5%) zurück. Novartis hat mit der Präsentation neuer Studien zu einem Mittel gegen Migräne und zu zwei Biosimilar-Kandidaten am Morgen Neuigkeiten geliefert, die Aktien beeinflusst dies aber am Berichtstag kaum.

Im Gegensatz dazu halten sich Roche ebenso wie die Aktien des Hörgeräteherstellers Sonova unverändert auf dem Schlussniveau vom Mittwoch. Sehr moderat sind zudem die Abgaben in Kühne+Nagel (-0,1%).

Im breiten Markt büssen Lem nach der Präsentation des Jahresergebnisses 0,7% ein, wobei sie damit deutlich über dem Tagestief notieren. Lem habe einmal mehr solide Resultate geliefert und die Erwartungen übertroffen, heisst es dazu in Marktkreisen. Der Ausblick sei indes etwas defensiv, nun würden Gewinne mitgenommen.

Comet (-2,8%) erhalten von der Nachricht der Neulancierung eines Produktes keinen Auftrieb. Einen Sprung nach oben machen dagegen Accu Holding (+16%), nachdem bekannt wurde, dass Marco Marchetti nicht mehr Mehrheitsbesitzer des Unternehmens ist, sondern eine neu gebildete Aktionärsgruppe.

(AWP)