Schweizer Börse - Anleger greifen nach Yellen-Rede zu

Die Schweizer Börse hat am Freitag mit steigenden Kursen auf die Zinssignale von US-Notenbankchefin Janet Yellen reagiert.
26.08.2016 17:43
Eitel Sonnenschein drinnen wie draussen.
Eitel Sonnenschein drinnen wie draussen.
Bild: cash

Der SMI machte anfängliche Verluste nach einer Yellen-Rede mehr als wett und schloss um 0,3 Prozent höher mit 8168 Punkten. Gegenüber der Vorwoche hat sich der Leitindex um ein halbes Prozent verbessert.

Yellen signalisierte auf dem Treffen wichtiger Notenbank-Vertreter in Jackson Hole zwar nicht, wann genau die Fed den nächsten Zinsschritt wagen werde. Die Argumente für eine Zinsanhebung hätten aber an Zugkraft gewonnen, erklärte sie. Es gebe Verbesserungen auf dem US-Arbeitsmarkt, zudem werde ein moderates Wirtschaftswachstum erwartet. "Yellen möchte den Tisch für September decken. Vielleicht liefert sie die Zinserhöhung aber erst im November oder Dezember", sagte Brian Jacobsen von Wells Fargo Funds Management. Zuvor hatten sich bereits andere Fed-Vertreter für eine baldige Zinserhöhung starkgemacht.

"Die weitere Richtung hängt weiterhin von der Wirtschaft ab. Daher gilt 'nach Yellen ist vor dem US-Arbeitsmarktbericht in einer Woche'" sagte ein Händler.

Zykliker gesucht

An der Spitze der Standardwerte waren zyklische Firmen zu finden. Die Aktien des Zementproduzenten LafargeHolcim stiegen um 1,5 Prozent. Dahinter folgten die Sanitärtechnikfirma Geberit, der Aromenhersteller Givaudan, der Elektrotechnikkonzern ABB und der Telekomkonzern Swisscom. Schwächer waren die Anteile des Personalvermittlers Adecco sowie der Luxusgüter-Hersteller Richemont und Swatch.

Auch Banken waren gefragt. Die Aussicht auf höhere Zinsen bedeute mehr Geschäft und bessere Margen, sagten Händler. Credit Suisse zogen 1,3 Prozent an und UBS rückten 0,8 Prozent vor. Die Versicherungen konnten Kurseinbussen nur knapp ausgleichen. Swiss Life waren geringfügig tiefer und Zurich schlossen auf dem Vortagsniveau.

Die als krisenfest geltenden Index-Schwergewichte Nestle, Novartis und Roche holten anfängliche Verluste ebenfalls auf und schlossen leicht höher. Der Pharmasektor hatte zuletzt unter der Kritik der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton am US-Unternehmen Mylan wegen dessen Preispolitik gelitten. Clinton will die Medikamentenpreise senken. Daher befürchten die Marktteilnehmer schrumpfende Margen in der Branche.

Am breiten Markt fielen die Aktien von U-blox angesichts einer gesenkten Umsatzprognose um 4,9 Prozent. Der GPS-Chip-Hersteller erwartet dieses Jahr nur noch 375 bis 385 statt 395 bis 405 Millionen Franken Verkaufserlöse.

Auch bei den Aktien von Burckhardt Compression drückte eine Warnung den Kurs 7,4 Prozent ins Minus. Der Kompressorenhersteller geht dieses Jahr von weniger als 500 Millionen Franken Auftragseingang aus. Bislang waren Bestellungen auf dem Vorjahresniveau von 523 Millionen Franken in Aussicht gestellt worden. Das Unternehmen streicht 100 Stellen und führt Kurzarbeit ein.

Gefragt waren die Aktien des in einer Sanierung steckenden Vermögensverwalters Valartis mit einem Plus 2,6 Prozent. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) Liechtenstein und die Börse in Hongkong haben dem Verkauf der Valartis Bank (Liechtenstein) AG an die Citychamp Watch & Jewellery Group zugestimmt. Valartis geht davon aus, dass die Transaktion noch im dritten Quartal 2016 abgeschlossen werden kann.

Die Aktien des Pharmazulieferers Bachem stiegen nach einem besser als erwarteten Halbjahresergebnis um 4,5 Prozent. Bachem steigerte den Gewinn um gut ein Drittel auf 17,1 Millionen Franken.

(Reuters)