Schweizer Börse: Anleger leiden unter Appetitlosigkeit

Die Schweizer Börse hat nach einem Zwischenspurt zum Wochenschluss die Talfahrt wieder aufgenommen.
28.10.2016 11:40
Im Schatten: Die Sonne schaffts am Freitag nicht bis zur Schweizer Börse.
Im Schatten: Die Sonne schaffts am Freitag nicht bis zur Schweizer Börse.
Bild: cash

Der Anstieg des SMI am Donnerstag, der die Hoffnung auf ein Ende des Mitte vergangener Woche begonnenen Abwärtstrends geschürt hatte, erwies sich als Strohfeuer. Der Leitindex ermässigt sich bis 11.35 Uhr um 0,2 Prozent auf 7908 Punkte. Zunehmende Zinsängste und durchzogene Firmenergebnisse dämpfen die Stimmung der Anleger.

"Die kleine Gegenbewegung vom Donnerstag wird von der übergeordneten Angst vor einem Zinsanstieg wieder zunichte gemacht", erklärt ein Händler. "Wie gering die Investitionsbereitschaft am Aktienmarkt ist, zeigt die verhaltene Reaktion auf die guten Quartalszahlen der Banken." Sowohl die Deutsche Bank am Donnerstag als auch die UBS am Freitag erfüllten oder übertrafen sogar die Markterwartungen. Grösseres Aufwärtspotenzial billigen Börsianer dem SMI derzeit nicht zu. Angesichts der politischen und konjunkturellen Unsicherheiten fehle den Anlegern der Appetit für Käufe.

Einen Hinweis auf die Verfassung der US-Wirtschaft und damit auf das weitere Vorgehen der amerikanischen Notenbank wird am Nachmittag von der erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal erwartet. Ökonomen rechnen im Schnitt mit 2,5 Prozent Anstieg.

UBS-Aktie nach Quartalsbericht gesucht

Klare Gewinner bei den Bluechips sind die UBS-Aktie. Die Titel der Grossbank steigen um 0,8 Prozent. Die grösste Schweizer Bank steigerte dank einer guten Entwicklung im US-Vermögensverwaltungsgeschäft und geringeren Kosten durch das laufende Sparprogramm ihren Vorsteuergewinn von Juni bis September um 11 Prozent auf 877 Millionen Franken. Die UBS stellt sich bei diversen Rechtsfällen am US-Hypothekenmarkt allerdings auf Milliardenkosten ein und erhöhte ihre Rückstellungen für mehrere dort anhängige Streitigkeiten im Sommerquartal um 417 Millionen Dollar auf 1,4 Milliarden Dollar.

Die Titel von Rivalin Credit Suisse, die kommende Woche ihren Quartalsbericht veröffentlichen will, sinken um 0,4 Prozent. Auch die Vermögensverwalter Julius Bär, Vontobel und EFG verlieren an Wert. Die Titel von Versicherungen rutschen sogar kräftiger ab als Bankaktien. Swiss Re büssen 0,6 Prozent ein. Im Rahmen eines staatlichen Versicherungsprogramms für die chinesische Provinz Guangdong, an dem der Rückversicherer beteiligt ist, wurden 350 Millionen Dollar für Schäden durch den im August tobenden Taifun "Haima" ausbezahlt.

Kein Bock auf Industriewerte

Gemieden werden Industriewerte. Die ABB-Aktien setzen ihren Abstieg mit einem Kursminus von 0,7 Prozent fort. Bereits am Donnerstag hatten die Anleger die Titel des Elektrotechnikkonzerns nach einem enttäuschenden Quartalsbericht im grossen Stil aus ihren Depots geschmissen.

Aber auch die Anteile des Personalvermittlers Adecco, des Zementproduzenten Lafarge-Holcim und des Warenprüfkonzerns SGS verlieren zwischen 0,6 und 1,6 Prozent. Die Geberit-Aktien büssen 1,4 Prozent ein, obwohl die Sanitärtechnikfirma dank der weiterhin guten Baukonjunktur in weiten Teilen Europas den Gewinn in den ersten neun Monaten um fast 40 Prozent steigerte und ihre Jahresprognose bekräftigte.

Die grösste Belastung für den SMI ist die Kursschwäche des Lebensmittelkonzerns Nestlé: Die Aktien fallen um 0,3 Prozent. Mit Novartis und Roche liegen auch die beiden anderen als defensive Anlagen geltenden Index-Schwergewichte leicht im Minus.

Lonza nach guten Zahlen stark nachgefragt

Am breiten Markt schiessen die Lonza-Aktien 5 Prozent hoch. Der Pharmazulieferer hob den Ausblick nach einem guten dritten Quartal erneut an. Neu peilt Lonza im ganzen Jahr ein Wachstum des Kernbetriebsgewinns um mehr als 15 Prozent an.

Die Rieter-Aktien legen nach anfänglichen Verlusten o,2 Prozent zu. Der Textilmaschinenhersteller hat einen Anstieg des Bestellungseingangs in den ersten neun Monaten um 22 Prozent bekanntgegeben.

Die Titel von HBM Healthcare rücken 0,4 Prozent vor. Die Beteiligungsgesellschaft veröffentlichte für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres einen Gewinn von 24 Millionen Franken.

(Reuters/cash)