Schweizer Börse: Anleger nehmen Gewinne mit

Nach den kräftigen Gewinnen der Vorwoche hat die Schweizer Börse am Montag eine Atempause eingelegt.
12.12.2016 17:45
Lonza will in den USA gross einkaufen - die Aktionäre goutierens nicht: Die Aktie gibt am Montag deutlich nach.
Lonza will in den USA gross einkaufen - die Aktionäre goutierens nicht: Die Aktie gibt am Montag deutlich nach.
Bild: ZVG

"Aktien, die vergangene Woche gut gelaufen sind, leiden ein wenig unter Gewinnmitnahmen", sagt ein Händler. Der kräftige Ölpreisanstieg wecke allerdings auch Konjunkturoptimismus und helfe so, die Abgaben zu begrenzen. Vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch sei der Handel ruhiger als zuletzt, heisst es.

Der SMI sinkt bis Börsenschluss um 0,7 Prozent auf 8040 Punkte. Am Freitag hatte der Leitindex um 1,8 Prozent höher geschlossen.

Der gestiegene Ölpreis schüre Spekulationen auf eine anziehende Inflation und steigende Zinsen, was vor allem Finanzwerten zugutekommen sollte, sagen Händler. Die Aktien der Kompressorenfirma Burckhardt legen im Sog des steigenden Ölpreises zu, diejenigen des Pumpenherstellers Sulzer geben dagegen leicht nach. 

Im Zentrum des Interesses steht aber Lonza. Die Aktien des Pharmazulieferers brechen 5,3 Prozent ein, nachdem das Unternehmen Gespräche über den Kauf der US-Firma Capsugel bestätigt hatte. Lonza befinde sich in Schlussverhandlungen mit dem Eigentümer KKR. Es gebe allerdings keine Gewissheit, dass es zu einer Transaktion komme. Als Kaufpreis seien mehr als fünf Milliarden Dollar im Gespräch, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen zu Reuters. Händler befürchten deswegen eine Kapitalerhöhung und eine damit verbundene Verwässerung.

Spekulationen um Übernahmen bewegen die Kurse

"Wir erleben eine weitere Phase des Fusions- und Übernahmefiebers", sagt ein Händler. Neben Lonza sind auch die Aktien von Novartis, Zurich Insurance und Actelion Thema von Übernahmespekulationen. Die Actelion-Aktien verlieren leicht. Die Biotech-Firma und der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson führen Gespräche über eine nicht näher spezifizierte Transaktion. Um Europas grösstes Biotech-Unternehmen könnte ein Bieterrennen entbrennen.

Die wenig konjunktursensitiven Index-Schwergewichte Novartis und Roche sinken um 0,8 und 1 Prozent. Novartis wird im Markt neben Mylan und Finanzinvestoren wie Permira oder CVC als möglicher Interessent an dem deutschen Generikahersteller Stada genannt. Der Arzneimittelhersteller hat einen Dämpfer bei einem neuen Hoffnungsträger erhalten. Das Augenmedikament Fovista erreichte in zwei spätklinischen Studien das Hauptziel nicht. In den USA ist erstmals eine Nachahmerversion des Roche-Grippemittels Tamiflu auf den Markt gekommen. Der Hersteller Alvogen schätzt, dass das US-Gesundheitssystem dank des günstigeren Generikums jährlich bis zu 500 Millionen Dollar sparen kann.

Die Anteile der Grossbank Credit Suisse büssen 2,3 Prozent ein, die von Rivalin UBS verlieren 1,4 Prozent. Auch Versicherungswerte geben Terrain preis. Zurich Insurance ermässigen sich um 0,9 Prozent. Der Versicherer will für 551 Millionen Dollar den grössten australischen Reiseversicherungsanbieter Cover-More kaufen. Cover-More stimmte den Plänen von Zurich zu, zeigte sich gleichzeitig aber offen für rivalisierende Angebote.

ABB nach Hochstufung gesucht

Bei den zyklischen Firmen legen die ABB-Titel 1,1 Prozent zu. Morgan Stanley erhöhte die Empfehlung für den Elektrotechnikkonzern auf "Overweight" von "Equal-Weight". Die Aktien des Personalvermittlers Adecco sinken dagegen um 0,2 Prozent. Auch die Anteile der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch sowie der Sanitärtechnikfirma Geberit verlieren an Wert.

Am breiten Markt stechen die Aktien von Meyer Burger mit einem Kursminus von 3,4 Prozent heraus. Die Marktteilnehmer nützen weiterhin Arbitragechancen im Rahmen des Bezugsrechtshandels, erklären Händler.

Die Anteile von Bachem klettern 4 Prozent. Die Acrevis Bank empfiehlt Bachem als Wochentipp zum Kauf.

(Reuters/cash)