Schweizer Börse auf Berg- und Talfahrt

Die Schweizer Börse hat am Donnerstagmorgen nach einer leichten Erholung wieder ins Minus gedreht.
27.10.2016 11:30
Runter, rauf, runter: Die Schweizer Börse am Donnerstagmorgen.
Runter, rauf, runter: Die Schweizer Börse am Donnerstagmorgen.
Bild: cash

Nach einem schwächeren Start und einer zwischenzeitlichen Erholung steht der SMI um 11.30 Uhr bei 7882 Punkten wieder 0,1 Prozent im Minus. Am Mittwoch hatte der Leitindex 0,5 Prozent nachgegeben. In Summe beläuft sich das Minus seit Mitte vergangener Woche, als die Abwärtsbewegung begonnen hatte, auf 2,7 Prozent. "Der SMI ist schon etwas angezählt", sagt ein Händler.

Enttäuschende Firmenergebnisse und die schwächeren Vorgaben aus den USA und Asien dämpfen Marktteilnehmern zufolge die Stimmung der Anleger. Auch setze sich immer mehr die Ansicht durch, dass die US-Notenbank im Dezember wohl den Leitzins erhöhen dürfte. Zudem hätten vor allem am breiten Markt viele Werte in den letzten Monaten stark an Wert gewonnen. "Da ist es verständlich, dass Anleger Gewinne mitnehmen und zumindest einen Teil realisieren", erklärt ein Börsianer.

Im Fokus stehen weiterhin die Firmenbilanzen. Für Aufsehen sorgte ABB. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns stürzen nach einem schwachen Quartalsbericht 6,7 Prozent ab. Das Unternehmen bekommt immer weniger Bestellungen. Im Zeitraum Juli bis September sackte der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar ab. Der Umsatz schrumpfte um drei Prozent auf 8,26 Milliarden Dollar, der Konzerngewinn fast im gleichen Umfang auf 568 Milliarden Dollar.

Industrieaktien mit schwierigem Stand

Auch andere Industriewerte gingen auf Talfahrt. Die SGS-Titel fallen um 3,7 Prozent. Der Warenprüf- und Inspektionskonzern nahm anlässlich eines Investorentags die Umsatzprognose für das laufende Jahr leicht zurück. Die Aktien des Sanitärtechnik-Konzerns Geberit ermässigen sich am Tag vor dem Quartalsbericht um 0,5 Prozent.

Am breiten Markt sacken die Bucher-Anteile 3,1 Prozent ab. Umsatz und Auftragseingang des Kommunalfahrzeug- und Landmaschinenherstellers sanken in den ersten neun Monaten um jeweils 5 Prozent. Im gesamten Jahr erwartet das Unternehmen eine Abnahme des Umsatzes sowie einen deutlichen Rückgang der Betriebsgewinn- und Konzerngewinnmarge.

Auch der Quartalsbericht von Clariant kam nicht gut an. Die Anteile des Chemiekonzerns geben 1,8 Prozent nach. Umsatz und Gewinn lagen praktisch auf dem Vorjahresniveau. Clariant schnitt damit schlechter ab als von Analysten erwartet. Die Firma bekräftigte ihre Jahresprognose und mittelfristigen Ertragsziele.

Swatch-Aktie taucht nach Weko-Entscheid

Zu den grossen Kursverlierern gehörten auch die Swatch-Aktien mit 1,1 Prozent Abschlag. Die Schweizer Wettbewerbsbehörde Weko lehnte einen Antrag des weltgrössten Uhrenproduzenten ab, künftig wieder mehr mechanische Uhrwerke an die Konkurrenz zu verkaufen. Swatch hatte darauf gedrungen, ein entsprechendes Abkommen aus dem Jahr 2013 zu lockern. Experten zufolge wollte der unter einer kriselnden Nachfrage leidende Konzern damit seine Auslastung verbessern. Doch daraus wird nichts, das schwierige wirtschaftliche Umfeld für die Uhrenindustrie ist nach Ansicht der Weko kein ausreichender Grund, die 2013 getroffene Regelung abzuändern.

Zu einer zaghaften Erholung setzen die zuletzt unter die Räder gekommenen Novartis-Aktien an, der Pharmawert steigt um 0,1 Prozent. Mit Roche und Nestlé rückten zwei weitere Index-Schwergewichte deutlich vor, beide sind jeweils fast 1 Prozent fester.

Nicht zu erholen vermögen sich die Grossbankenaktien. Credit Suisse und UBS geben je 0,1 Prozent nach. Allgemein Unterstützung bekam der Bankensektor vom überraschenden Quartalsgewinn der Deutschen Bank. Die UBS bekommt nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in den Amtshilfeverfahren der französischen Steuerbehörde Parteistellung. Dadurch muss die Eidgenössische Steuerverwaltung der Grossbank Akteneinsicht gewähren und sämtliche Schlussverfügungen zustellen. UBS will am Freitag über den Geschäftsverlauf im dritten Quartal informieren.

Die Vontobel-Aktien erhöhen sich um 0,5 Prozent. Die Privatbank dämmte die Geldabflüsse nach Abgang ihres Star-Fondsmanagers Rajiv Jain ein.

(Reuters/cash)